DAX+0,40 % EUR/USD+0,03 % Gold-0,15 % Öl (Brent)-1,36 %

ICCT-Studie Neuwagen: Realer Spritverbrauch viel höher als offizieller

06.11.2017, 14:26  |  8247   |   |   

Autos verbrauchen laut einer Studie des ICCT im Realbetrieb deutlich mehr Sprit als von den Herstellern angegeben. Autofahrer zahlen dadurch im Schnitt jährlich 400 Euro mehr. Durch die höheren CO2-Werte wird die Umwelt belastet und Staaten entgehen bei der Kfz-Steuer Einnahmen.

Neuwagen verbrauchen laut einer Untersuchung im Schnitt 42 Prozent mehr Sprit als im Verkaufskatalog angegeben. Der Mehrverbrauch bedeutet für die Umwelt eine stärkere CO2-Belastung und für Autofahrer Mehrkosten von durchschnittlich 400 Euro im Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt das International Council on Clean Transportation (ICCT). „Die Kluft zwischen offiziellem und tatsächlichen Verbrauch ist dabei so groß wie noch nie: Noch vor zehn Jahren betrug die Differenz zwischen dem von den Herstellern veröffentlichten und dem real gemessenen Verbrauch nur etwa 15 Prozent“, so der Geschäftsführer des ICCT. 

Ein wesentlicher Grund für die Diskrepanz sei, dass der PKW-Kraftstoffverbrauch für die Herstellerangaben bisher nur im Labor ermittelt werde. Als Reaktion auf den Abgasskandal hat die Europäische Kommission jedoch ein neues Testverfahren, das sogenannte Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure (WLTP), eingeführt. Dieses sei ein erster Schritt in Richtung Wirklichkeitsnähe, so das ICCT. 

Die Diskrepanz zwischen Test- und Real-CO2-Emissonswerten und Spritverbrauch ist seit 2001 um den Faktor vier gestiegen: 
Quelle: theicct.org/publications

Die Abweichung bei den CO2-Emissionen sind in den letzten Jahren sowohl in der EU und den USA, als auch in Japan und China massiv angestiegen. Laut  ICCT ist „der stärkste Anstieg [. . .] jedoch für die EU zu verzeichnen, der geringste Anstieg für die USA."  

Durch die falschen CO2-Emissonswerte der Autohersteller sind dem deutschen Staat viele Steuereinnahmen entgangen. Für die Kfz-Steuerberechnung wird nämlich in Deutschland seit dem 01. Juli 2009 neben dem Motor-Hubraum auch der CO2-Emissonswert herangezogen. Auch in anderen Ländern wird der CO2-Emissonswert der Hersteller zur Berechnung der Kfz-Steuer genutzt.

Der tatsächliche Spritverbrauch von Luxusfahrzeugen weicht besonders stark von den Herstellerangaben ab. Der Verbrauch im Realbetrieb liegt laut dem ICCT bei Oberklassefahrzeugen teilweise mehr als 50 Prozent über den Herstellerangaben. Auch bei Hybrid- und Plug-In-Hybrid-Fahrzeugen wurde ein ähnlich hohe Diskrepanz ermittelt. Bei der ICCT-Studie wurde der Spritverbrauch von rund 1,1 Millionen Fahrzeuge aus 14 Datenquellen in acht Ländern im Realbetrieb ermittelt. Das ICCT ist ein unabhängiges Forschungsinstitut, das 2015 den VW-Abgasskandal mit aufgedeckt hat.

Um Falschangaben und Betrügereien der Autohersteller zu unterbinden, bedarf es laut dem ICCT echter Sanktionsmöglichkeiten. Peter Mock, ICCT-Geschäftsführer Europa, gegenüber der Funke Medien Gruppe: „Angesichts der hohen Diskrepanz zwischen den Angaben zum CO2-Ausstoß und der gemessenen Realität, müssen wir weiter ein Auge auf die Entwicklung haben. Es wäre wichtig, dass endlich europaweit Sanktionsmöglichkeiten eingeführt werden, um Autohersteller bei Tricksereien und Falschangaben bestrafen zu können. Sonst ändert sich nichts.”

Quellen:
FUNKE MEDIENGRUPPE: "Studie: Neuwagen verbrauchen im Durchschnitt rund 42 Prozent mehr Kraftstoff als angegeben"
ICCT: "From laboratory to road: A 2017 update"

Wertpapier
Volkswagen


0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel