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TecDAX-Aktie: Wann kaufen? Profiteur von Speicheranwendungen für Elektromobilität!

Gastautor: Volker Glaser
18.11.2017, 07:06  |  1185   |   |   

Die Aktie der SMA Solar Technology gehörte bisher nicht zu unseren Favoriten. Im Gegenteil! Wir haben das Papier seit dem Jahr 2009 stets zum Verkauf empfohlen. Es war immer klar, dass die Firma die einstigen Margen von fast 30 % nie halten und der Wettbewerb bei Solarwechselrichtern deutlich härter werden würde. In den besten Zeiten kostete die Aktie fast 100 Euro. Es folgte ein krasser Absturz. Im Februar 2015 kostete die Aktie nur noch 12.50 Euro. Seitdem geht es aber weitgehend aufwärts. Jüngst handelte das Papier bei Kursen von über 40 Euro. In der vergangenen Woche erfolgte ein Abverkauf der Aktie mit einem Kursverlust von 17 %. An der Börse wird die Firma derzeit mit 1.2 Mrd. Euro kapitalisiert. SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon prognostiziert für Ende 2017 eine Nettoliquidität von über 450 Mio. Euro. Somit ist ein wesentlicher Teil des Börsenwertes mit Cash unterlegt.

Bei SMA sehen wir Licht, aber auch weiterhin Schatten. Die Aktie wurde jüngst abgestraft, weil Urbon die Umsatzprognose an die untere Bandbreite anpassen musste. Den Umsatz erwartet er nunmehr bei mehr als 900 Mio. Euro anstatt zwischen 900 und 950 Mio. Euro. Etwas unglücklich, da erst Anfang August die Umsatzprognose von 830 bis 900 Mio. Euro auf 900 bis 950 Mio. Euro angehoben wurde. Hier war der studierte Betriebswirt wohl etwas voreilig. Das EBITDA soll sich auf 85 bis 100 Mio. Euro belaufen und blieb somit unverändert, was positiv ist. Die Prognose für das EBITDA wurde im August von einst 70 bis 90 Mio. Euro auf diese Größenordnung nach oben revidiert. In den ersten 9 Monaten des Jahres 2017 verkaufte SMA Wechselrichter mit einer Gesamtleistung von 5.9 GW, was leicht über dem Niveau des Vorjahres liegt. Der Umsatz reduzierte sich indes um 16 % auf 592.5 Mio. Euro. Hauptursache dafür war das schwache Geschäft mit Zentral-Wechselrichtern für solare Großkraftwerke in Nordamerika. Positiv hingegen entwickelte sich das Geschäft in Asien und in der Region EMEA.

Die Ertragssituation in 2017 ist im Vergleich zu 2016 ernüchternd. Das EBITDA lag nach 9 Monaten bei über 55 Mio. Euro und hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum halbiert. Der Nettogewinn reduzierte sich um ein Drittel auf 25 Mio. Euro. Ein kleiner Lichtblick war das Q3, in dem ein EBITDA von 26 Mio. Euro erzielt wurde und die Bruttomarge auf 25 % stieg. Ebenfalls positiv: Der Auftragsbestand hat sich deutlich erhöht. Um die eigenen Jahresziele beim EBITDA zu erzielen, muss allerdings Urbon mit einem starken Q4 abschließen. Der Firmenchef verspricht ein starkes Jahresendgeschäft. SMA muss um wenigstens die untere Bandbreite des EBITDA-Ziels von 85 Mio. Euro zu erreichen, allein im Schlussquartal ein EBITDA von 30 Mio. Euro einfahren. Das klingt sportlich. Und an der Stelle haben wir ein Problem. Auf Aussagen von Urbon ist kein richtiger Verlass. Zu oft musste er in der Vergangenheit die eigene Prognose senken. Das Vertrauen ist hier eher gering. Aber wir geben die Hoffnung nicht ganz auf, dass Urbon mal hält, was er verspricht. Sollte Urbon, der im Vergleich zu 2015 mit 500 000 Euro in 2016 mit 650 000 Euro eine ordentliche Gehaltserhöhung erhalten und letztes Jahr inklusive aller Leistungen einen Gehaltszufluss von 900 000 Euro eingetütet hat, mal wieder nicht liefern, sollte der Aufsichtsrat dem Vorstand nach den Vorgaben des § 87 Satz 2 Aktiengesetz das Gehalt kürzen und Bonuszahlungen komplett streichen.

2018 könnte für SMA aber erneut ein schweres Jahr werden, wenn wir uns die Erwartungen einiger Analysten anschauen. Der Umsatz soll sich erneut reduzieren. Grund ist der Preisverfall bei Wechselrichtern. EBITDA und Überschuss werden schrumpfen. Erst ab 2019 soll es insgesamt wieder aufwärtsgehen. Im Kerngeschäft der Wechselrichter könnte nun sogar Siemens zum Konkurrenten werden. Eine Kooperation zwischen beiden Unternehmen endet Ende 2017, da Siemens diese nicht verlängert hat. Siemens will Wechselrichter für eigene Photovoltaik-Anlagen in Indien selbst herstellen. Laut einer SMA-Sprecherin sollen sich daraus keine großen Veränderungen für SMA ergeben. Wir haben Zweifel. 2015 hat Urbon die Zusammenarbeit mit Siemens in einer Pressemitteilung bejubelt. Das Ende der Zusammenarbeit wurde von SMA allerdings nicht in einer einzigen Meldung erwähnt, während Siemens dies sogar in einer Pressmitteilung explizit kommunizierte.

In der Summe wird das Kerngeschäft von SMA weiter sehr schwierig bleiben. Spannend finden wir hingegen das Feld der Speicheranwendungen für Batterien, welches Urbon künftig stark beackern will. SMA könnte vom weltweiten Trend zu dezentralen Energien und von der Digitalisierung der Energiewirtschaft profitieren. Sofern es der Gesellschaft gelingt, sich auch beim Thema Elektromobilität zu positionieren, würde sich dies mittelfristig sicher stark auf Umsatz und Ertrag auswirken. Das bisherige Wachstum in diesem Segment ist sehr ordentlich, wenngleich der Umsatzanteil am gesamten Umsatz des Konzerns noch recht gering ist.

SMA gehört zumindest auf unsere Watchlist. Bei Kursen zwischen 25 und 30 Euro könnte sich ein Investment mittelfristig auszahlen.

www.vorstandswoche.de

 

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