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Standortwahl Rückschlag: Goldman Sachs kommt, EBA geht nach Paris

21.11.2017, 10:09  |  2855   |   |   

Bereits seit mehr als einem Jahr wird darüber spekuliert, was aus dem Finanzplatz London wird. Nun steht laut Reuters fest, dass die US-Großbank Goldman Sachs nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU zwei Hauptsitze in Europa anstrebt: Frankfurt und Paris. Die EU-Bankenaufsicht EBA hingegen erteilte Frankfurt eine Absage. 

“Wir werden aber nicht nur eine Zentrale haben, sondern zwei - Frankfurt und Paris.”, so Blankfein. Von Goldman Sachs heißt es, dass die Mitarbeiter sich aussuchen dürfen, ob sie von London nach Frankfurt oder nach Paris ziehen wollen, sagte Goldman-Chef Lloyd Blankfein gegenüber der französischen Zeitung “Le Figaro”. Darüber hinaus plant Goldman die Einstellung neuer Mitarbeiter, jedoch gibt es dazu noch keine konkreten Zahlen.

Der Schritt an zwei Standorten eine größere Präsenz zu etablieren ist vor dem Hintergrund, dass das Bankhaus nur eine Banklizenz in einem Land der Europäischen Union braucht, um in den EU-Mitgliedstaaten seine Produkte zu vertreiben, eher ungewöhnlich. 

Die derzeit in London ansässige EU-Bankenaufsicht (EBA) hat sich gegen Frankfurt entschieden. Es heißt, dass sie nach Paris gehen wird, so das Abstimmungsergebnis der EU-Länder am Montag in Brüssel. Paris dürfte neben der hohen Lebensqualität auch von der Vergangenheit von Präsident Emmanuel Macron profitiert haben: Macron arbeitete in London für die Investmentbank Rothschild und ist in der Bankenwelt exzellent vernetzt. Laut Reuters hatte es Frankfurt mit Paris und Dublin in die zweite Runde der geheimen Wahl geschafft, sei dann aber mit nur wenigen Punkten ausgeschieden.

Insgesamt hatten sich acht Städte um die 160-Personen-Behörde beworben. Von der Niederlage lässt sich Frankfurt jedoch nicht einschüchtern: “Durch den Brexit wird die Stadt als Finanzplatz noch weiter an Bedeutung gewinnen, ganz unabhängig von der heutigen Entscheidung”, sagte der Präsident des Bankenverbands Hans-Walter Peters. Anders sieht es der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier: “Die Bundesregierung hat mit Frankfurt eine sehr gute Bewerbung abgegeben, die wir gern und nach Kräften unterstützt haben.” Der neue Sitz der EBA wird voraussichtlich die Entscheidung noch unentschlossener Großbanken beeinflussen. Vor diesem Hintergrund ist es besonders bedauerlich, dass Frankfurt nicht überzeugte. 

Die EU-Bankenaufsicht muss wegen des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU in eines der anderen Mitgliedsländer ziehen. Aus dem gleichen Grund wird die Arzneimittelaufsicht (EMA) nach Amsterdam verlegt - auch hier konnte die Bewerbung von Bonn nicht überzeugen. Die EMA ist mit rund 890 Mitarbeitern eine große Behörde und hätte Bonn wichtige Impulse gegeben, denn jährlich empfängt die Behörde Tausende von Besuchern. 

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