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Randlagen Im Speckgürtel wird es eng

21.11.2017, 16:52  |  856   |   |   

Hört man Stadt- und Projektentwicklern zu, blüht Deutschlands Großstädten gerade das, was in London, New York oder Shanghai schon lange zur Normalität gehört: vertikales Wachstum in den Himmel. Das ist nicht weiter verwunderlich angesichts mangelnder Bauflächen in den begehrten Innenstädten. Und wie in anderen Weltstädten auch wird der Trend zum Wohnhochhaus kaum das Problem des grassierenden Wohnraummangels lösen können. In einem Mikroapartment im vierzigsten Stockwerk leben, mit begrünter Gemeinschaftsterrasse und Sportclub nur für Anwohner - nicht für jeden Stadtbewohner ist das der Weisheit letzte Schluss.

Von Michael Stüber, Vorstand, CD Deutsche Eigenheim AG

Da könnte es eine sinnvolle Alternative sein, wenn bezahlbarer Wohnraum verstärkt in den Randlagen entsteht und junge Familien und Ältere anspricht. Wenn sich auch dort eine Umgebung herausbildet, die bisher nur in den Zentren zu finden ist: Platz für urbanes Leben und Arbeiten, das sich insbesondere junge Menschen wünschen.

Das Potenzial ist vorhanden. In Brandenburg beispielsweise verwandeln sich derzeit ganze Gemeinden in Vororte von Berlin. Allein im Kreis Oberhavel haben sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als 40.000 umzugswillige Berliner niedergelassen . Städtchen wie Falkensee, Teltow oder Bernau wachsen rasant und dehnen sich flächenmäßig aus.

Der Drang in die Randlagen kommt aber nicht nur aus den Innenstädten selbst. Auch die oft beschworene Flucht vom Land in die Metropolen endet in der Praxis häufig bereits vor den Toren der Stadt, nicht dahinter. Den Städten gibt das nicht nur Impulse für eine nachhaltigere Stadtentwicklung in der Fläche, sondern mindert den Druck auf die angespannten, innerstädtischen Wohnungsmärkte. Bis zum Jahr 2030 wird etwa damit gerechnet, dass sich 42 Prozent aller Brandenburger im Speckgürtel Berlins angesiedelt haben werden.

Zwar verzeichnet das Berliner Innenstadtgebiet nach wie vor steigende Zuzugszahlen. Es sind aber vor allem junge Menschen, die neu in die Stadt kommen: Berufsanfänger, Studenten oder Auszubildende. Die meisten kommen aus dem Ausland, viele aus Ländern mit schwächelnder Wirtschaft. Insgesamt verfügt diese Gruppe über ein eher durchschnittliches Einkommen. Die Mehrzahl derjenigen, die der Stadt den Rücken kehren, gehört hingegen zur Gruppe der beruflich bereits etablierten 30- bis 50-Jährigen. Vor allem junge Familien wandern in den Speckgürtel, um dort Eigenheime mit Garten zu erwerben oder große Wohnungen anzumieten. Neben vergleichsweise erschwinglichen Preisen schätzen sie die Möglichkeit schnell im Grünen zu sein, weniger Lärm und Verkehr und dennoch die Infrastruktur einer Metropolregion. Nach dem Motto: etwas außerhalb ja - aber bitte nicht ab vom Schuss.

In anderen Metropolen zeigt sich der neue "Drang ins Grüne" ebenfalls. So verlieren Hamburg, München oder Frankfurt am Main seit einigen Jahren wieder vermehrt Einwohner an ihre Speckgürtel. Vergleicht man die Hauptstadt mit diesen Städten, zeigt sich aber auch: Noch ist die Zahl der Berufspendler in den westdeutschen Regionen weitaus höher. Berlin steht somit erst am Anfang der neuen Entwicklung.

Mit der erhöhten Nachfrage von gut situierten Familien steigen natürlich die Immobilienpreise im Speckgürtel. Mittlerweile werden zunehmend auch Häuser zur Miete gesucht. Und der Bedarf wächst weiter: Es wird erwartet, dass in den kommenden Jahren deutlich mehr Berliner zu Brandenburgern werden als umgekehrt.



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