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Kryptowährungen Bundesbank: „Bitcoin ist kein Geld, sondern ein Spekulationsobjekt“

24.11.2017, 14:09  |  6338   |   |   

Für die Bundesbank ist Bitcoin kein Geld, sondern ein Spekulationsobjekt. Keine der drei Geldfunktionen werde bisher von der virtuellen Währung erfüllt. Die starre Geldmenge von Bitcoin führt indes zur Deflation des Kryptogeldes.

Kryptowährungen sind laut der Deutschen Bundesbank kein Geld. Geld hat drei ökonomische Funktionen: „Es dient als Zahlungsmittel, als Wertaufbewahrungsmittel und als Recheneinheit. Die Eigenschaften sind nicht unabhängig voneinander.“ Bitcoin erfüllt bislang keine der drei Geldfunktionen: Die virtuelle Währung wird quasi nicht zum Bezahlen von Gütern oder Dienstleistungen verwendet. Durch ihre extrem hohe Volatilität ist sie ein schlechtes Wertaufbewahrungsmittel und als Recheneinheit ist sie ebenfalls nicht zu gebrauchen, so die Bundesbank.

Ein Beispiel: Vor einem Jahr (25.11.2016) hätte ein Cappuccino im Wert von drei Euro 0,0042 Bitcoin gekostet. Heute (24.11.2017, 09:00 Uhr) nur noch 0,0003 Bitcoin. Fürs gleiche Geld bekommt man jetzt statt einem, vierzehn Cappuccinos, allerdings nur wenn man in Bitcoin zahlt. Deshalb schreibt die Frankfurter Rundschau: „Wer Bitcoin zum Bezahlen verwendet, ist ein Dummkopf, der Reichtum aus dem Fenster wirft. Wer würde heute eine Tasse Kaffee in Bitcoin bezahlen, wenn man morgen fürs gleiche Geld zwei Tassen bekommt und in einem Jahr 10 Tassen?“ Mal ganz davon abgesehen, dass es bisher kaum Cafés gibt, die Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren.

Bitcoin und andere Kryptowährungen sind vor dem Hintergrund der Finanzkrise 2007 und der Gefahr einer (Hyper-)Inflation entstanden. Um der Gefahr einer Geldentwertung zu begegnen, haben die Erfinder vieler virtueller Währungen deren Geldmenge begrenzt. Der Bitcoin- Algorithmus legt beispielsweise fest, dass maximal 21 Millionen Exemplare der virtuellen Münze produziert werden können.

Eine starre Geldmenge, ob in Form von Bitcoin oder physischen Goldmünzen, funktioniert in einer dynamischen Wirtschaftswelt nicht, so die Bundesbank, denn steigt das reale Wirtschaftswachstum oder ändert sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt auch dessen Nachfrage. Wird die Geldmenge nicht erhöht, kommt es zur Deflation. Damit der Geldwert stabil bleibt, müssen Zentralbanken gegensteuern und die Geldmenge erhöhen. Gleichzeitig darf die Geldmenge jedoch nicht zu stark erhöht werden, da es sonst zur Inflation kommen würde. Die Bundesbank schreibt hierzu: „In einer dynamischen Welt dürften starre Algorithmen für die Entwicklung der Geldmenge zu einer suboptimalen Geldmenge führen. Daraus lässt sich zugleich die Notwendigkeit einer aktiven Geldpolitik durch eine unabhängige und stabilitätsorientierte Notenbank ableiten. Notenbanken, die den Geldwert ihrer Währung nicht stabil halten, bleiben gleichwohl immer anfällig für Parallelwährungen und Währungswettbewerb, nicht nur durch virtuelle Währungen.“  

Der extreme Bitcoin-Kursanstieg ist ein Resultat seiner künstlich erzeugten Knappheit bei gleichzeitigem Anstieg der Nachfrage. Anders gesagt, je mehr Menschen in Bitcoin investieren, umso weniger Bitcoins sind verfügbar und umso höher steigt der Bitcoin-Kurs.

Fazit: Bitcoin ist zwar vor Inflation, nicht jedoch vor Deflation geschützt. Die künstliche Knappheit von Bitcoin, gekoppelt mit seiner Beliebtheit, führt dazu, dass sein Wert immer weiter steigt. Dies wiederum hat zur Folge, dass es immer unwahrscheinlicher wird, dass Bitcoin im Alltag als Zahlungsmittel Verwendung findet. Die Aussage der Bundesbank „Bitcoin ist kein Geld, sondern ein Spekulationsobjekt“ ist deshalb richtig. Bitcoin ist kein Geld, sondern hat ähnliche Eigenschaften wie Anlagemöglichkeiten in Gold und Silber. Es gibt jedoch zwei entscheidende Unterschiede: Physisches Gold und Silber haben einen intrinsischen Wert, Bitcoin nicht. Und die Knappheit von Edelmetallen ist ein Naturgesetz, die von Bitcoin ist menschengemacht.

BTC zu USD

Quellen:
ifo Schnelldienst: „Kryptowährung Bitcoin: Währungswettbewerb oder Spekulationsobjekt: Welche Konsequenzen sind für das  aktuelle Geldsystem zu erwarten?“
Frankfurter Rundschau: „Wer mit Bitcoin zahlt, ist dumm“


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8 Kommentare

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Kommentare

Zitat von poppelees werden durch die Kryptowährungen:doch viel Geld von den Banken abgezogen und das stinkt den Bänker.


Falsch. Die Geldmenge ändert sich nicht.

Das Geld, das der Käufer des Bitcoin zahlt, geht von seinem Konto an das Konto des lachenden Verkäufers. Der erhält Geld für "Nichts".

Das Bitcoin Pyramidensystem (= Schneeballsystem = Ponzi-Schema = ähnlich Kettenbriefe) übertrifft nun schon den bislang größten Betrüger der Geschichte, nämlich Bernie Madoff (Schaden wohl 65 Mrd. USD). Im ZDF kam vorhin, dass der Hochstapler frühestens im Jahre 2139 wieder frei käme ... :laugh:

Es ist und bleibt bei Pyramidensystemen systemimmanent, dass sie irgendwann auf 0 zusammenbrechen.

Nämlich dann, wenn keine Neuen mehr einsteigen und damit die Phantasie-Gewinne der früher Eingestiegenen bezahlen werden.

Die letzten beißen die Hunde. Die wenigen am Anfang haben Millionen gemacht, sofern sie in echtes Geld, Aktien, Immobilien oder Gold getauscht haben. Das Millionenheer der spät Dazugekommenen geht leer aus.
Warum wird immer über den Wert einer Sache spekuliert. Der Wert ist das was man bereit ist dafür zu zahlen. Der Wert des Bildes von Leonardo das diese Woche für 400.000 Mio Dollar verkauft wurde lag zuvor bei 15.000 Dollar und davor bei 150 Dollar.

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