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Bitcoins für Jedermann: Warum das so gefährlich ist!?

Gastautor: Armin Brack M.A.
25.11.2017, 13:57  |  6069   |   |   

Bitcoins für Jedermann: Warum das so gefährlich ist!?

Lieber Geldanleger,

 

Kryptowährungen kommen schnell im Mainstream an - aber nur als Spekulationsobjekt. Nun hat einer der größten US-Mobil-Bezahldienstleister angefangen, seinen Kunden den mobilen Handel mit Bitcoins zu ermöglichen.

Ohne Konto bei einer Kryptobörse. Einfach über das Smartphone und mit einer einzigen, simplen Wischbewegung. Lesen Sie, um welche Firma es sich handelt, wie der CEO das sieht und was das für dramatische Folgen haben könnte.

Bei dem betreffenden Unternehmen handelt es sich um die an der NASDAQ notierten Square (SQ) und die sind alles andere als ein kleiner Fisch: Mit ihrer Mobile App betreuen die Kalifornier inzwischen bereits mehr als drei Millionen aktive Kunden.

Vor allem in Kalifornien selber setzt sich die App mehr und mehr durch. Wie das genau funktioniert beschreibt Stefan Waldhauser schön in seinem Blog-Eintrag aus dem ich nachfolgend zitiere:

"Nach einer Taxifahrt in San Francisco wollte ich wie gewohnt mit Kreditkarte zahlen. Der Fahrer akzeptierte klaglos meine Mastercard, nutzte aber statt eines konventionellen Kartenlesers einen kleinen quadratischen Zusatzstecker an seinem iPhone, um meine Zahlung mit dem Smartphone entgegenzunehmen. Auf meine Frage nach der Quittung hin verlangte er von mir die Eingabe meiner eMail-Adresse in seine App und in derselben Sekunde erhielt ich die Taxi-Rechnung via eMail von einem mir damals unbekannten Unternehmen namens Square."

Und das war nicht das einzige Mal, dass er auf dieser Reise Square begegnet ist:

"Richtig erstaunt war ich dann, als ich wenige Stunden später in einem Café meinen Cappuccino mit derselben Mastercard zahlte. Denn der Coffee-Shop nutzte ebenfalls Square als Payment-System. Ungefragt bekam ich (natürlich ohne nochmalige Eingabe meiner eMail-Adresse) statt des Kassenzettels ein eMail mit der Quittung für meinen Cappuccino. Seitdem häufen sich in meiner Inbox die eMails von Square mit den Belegen für verschiedenste Zahlungen während meiner USA-Reisen."

Dass das kein Zufall war, ist Waldhauser inzwischen klar: "Mittlerweile benutzen z.B. im Silicon Valley die allermeisten Restaurants, Taxifahrer, etc. die Square-Hardware, um ihr mobile device (z.B. iPad oder iPhone) in ein Zahlungsterminal zu verwandeln und damit die Zahlungen ihrer Kunden entgegenzunehmen. Die Square-Kunden (d.h. z.B. die Restaurantbesitzer) sparen damit einen guten Teil der Provisionen, die sonst z.B. an Kreditkartenfirmen fällig werden", erklärt er.

Und hier wird es richtig spannend, denn Kreditkartenfirmen wie VISA oder Mastercard sind die Dominatoren im Bereich Zahlungsabwicklung, auch hierzulande. Wahrscheinlich werden die meisten von Ihnen, liebe Leser, eine Karte eines dieser beiden Unternehmen in ihrer Geldbörse stecken haben.

Beide Firmen sind an der New York Stock Exchange notiert und mit ihren Marktkapitalisierungen von 252 Milliarden bzw. 160 Milliarden US-Dollar echte Dickschiffe. Gelingt es Square in deren "Teich" erfolgreich zu wildern, könnte dem Unternehmen eine glorreiche Zukunft bevorstehen.

Genau das hat die Firma, die derzeit von Jack Dorsey, dem Gründer, Großaktionär und CEO von Twitter, geleitet wird vor. Inzwischen hat Square (19,2 Milliarden US-Dollar) Twitter (16,5 Milliarden US-Dollar) in Punkto Marktkapitalisierung bereits überholt.

Dabei greift Square die Platzhirsche gleich von mehreren Seiten aus an: Beispielsweise mit der neu vorgestellten Square Point of Sale-App (früher Square Register), die gemeinsam mit der zugehörigen Hardware eine Art Rundum-Sorglos-Paket für kleinere und mittlere Unternehmen bietet. Damit können die Firmeninhaber ihre Umsätze, ihren Bestand abrufen und bekommen von der Software erstellte Analysen zur Geschäftsentwicklung.

Der Dreh dabei: Square bekommt damit auch Zugriff auf die ganzen Transaktionen und weitere Daten des betreffenden Händlers, so dass die Kalifornier ihren Kunden entsprechend maßgeschneiderte weitere Produkte anbieten können.

Aber Square geht noch einen Schritt weiter: Unter dem Namen Square Capital hat Dorsey zugleich ein Kreditgeschäft aufgebaut. Das ist deshalb so spannend, weil Square durch die ganzen Daten, die man über seine Kunden sammelt, weiß, ob diese vielleicht einen Kredit brauchen könnten, um liquider zu werden und gleichzeitig auch, ob diese kreditwürdig sind. Square Capital ist zuletzt ebenfalls sehr dynamisch gewachsen.

Hinzu kommt noch ein Instant Deposit Service, wo die Square-Kunden Zahlungen ihrer eigenen Kundschaft sofort gutgeschrieben bekommen, wenn sie bereit sind dafür ein bis zwei Prozent des Umsatzes an Square abzutreten. Auch dieses Geschäft läuft gut. Sogar ein Restaurant-Lieferservice mit Namen Caviar gehört inzwischen zum Produktspektrum.

Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass der Bezahldienstleister zu den heißesten Aktien an der New York Stock Exchange gehört: Im dritten Quartal stieg das Brutto-Bezahlvolumen, das über die App abgewickelt worden ist gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 31 Prozent auf 17,4 Milliarden US-Dollar.

Die bereinigten Netto-Umsätze kletterten um 45 Prozent auf 257 Millionen US-Dollar. Der bereinigte operative Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) kletterte um satte 195 Prozent auf 34 Millionen US-Dollar.

Entscheidend für die Kursentwicklung der Aktie: Diese 34 Millionen US-Dollar lagen über der Konsensschätzung der Analysten von 32,4 Millionen US-Dollar und gleichzeitig hat das Unternehmen die Umsatz- und Gewinnschätzungen für das Gesamtjahr ebenfalls moderat angehoben. Die bereinigten Umsätze sollen nun bei gut 960 Millionen US-Dollar liegen, das bereinigte EBITDA bei gut 130 Millionen US-Dollar.

Die Aktie ist zuletzt extrem gut gelaufen:

Square, Inc. (ISIN: US8522341036)


Die Beschleunigung des Anstiegs in den letzten Handelstagen war dabei neben den guten Zahlen und der Prognoseerhöhung vom 8.November noch auf eine andere Meldung zurückzuführen:

Square hat seine P2P-Plattform Square Cash geöffnet und erlaubt jetzt seinen Usern den Handel mit Bitcoin. Und zwar - wie eingangs beschrieben - mit einem simplen Wischer ("Swipe") über den Bildschirm. Zwar hat man während der Testphase nur bestimmte Nutzer für den Handel freigeschaltet, allerdings dürfte der Rest bald folgen. Square hat das gar nicht selber aktiv promotet. Aber durch verschiedene Tweets hat sich die neue Funktion schnell herumgesprochen. Das darauf folgende Medienecho war gewaltig. Man braucht kein Hellseher sein, um vorherzusagen, dass die Testphase ein voller Erfolg werden wird.

Bemerkenswert ist auch die Begründung von Jack Dorsey, der sinngemäß sagte, dass ihn u.a. bei seinem Nachhauseweg Nachbarn und andere Bekannte angesprochen hätten, wie man in Kryptowährungen investieren könne bzw. warum es nicht möglich sei, über Square auch Bitcoins zu kaufen.

Das mag nur eine Anekdote sein, aber eben doch eine vielsagende: Kryptowährungen kommen mit rasanter Geschwindigkeit im Mainstream an. Noch vor wenigen Monaten lag der Engpass darin, dass verschiedene Kryptobörsen wie z.B. Kraken.com kaum damit hinterherkamen, neue Kunden freizuschalten. Inzwischen ist es für diese Interessenten gar nicht mehr nötig, auf die Kryptohandelsplattformen auszuweichen.

Bitcoin- und Ethereum-Zertifikate

Gerade auch in Europa stehen mit Produkten wie den Bitcoin (WKN: A2CBL5 | ISIN: SE0007525332)- und Ethereum (WKN: A2HDZ2 | ISIN: SE0010296582)-Trackern des schwedischen Anbieters XBT Provider Instrumente zur Verfügung mit denen sich die Entwicklung des Bitcoin- und Ethereum-Preises 1:1 nachvollziehen lässt.

Dabei handelt es sich um so genannte Exchange Trades Notes (ETNs). Das sind Zertifikate, die so konstruiert sind, dass sie die Schwankungen des Basiswerts (also in dem Fall von Bitcoin oder Ethereum) reflektieren, ohne diese tatsächlich zu besitzen. Die ETNs werden wie Aktien fortlaufend gehandelt. In Deutschland ist der Handel des Bitcoin-ETNs über die Börse München sowie die außerbörslichen Handelsplattformen Lang & Schwarz sowie Tradegate möglich, der des Ethereum-ETNs nur über München und Lang & Schwarz.

Auch das Schweizerische Fintech Leonteq ist inzwischen mit Bitcoin-Tracker-Zertifikaten am Markt. Die gibt es in drei verschiedenen Basiswährungen (CHF, EUR und USD) mit den entsprechenden Valoren 36663487 bzw. 36663489 und 36663490.

In den USA werden darüber hinaus in Kürze nun auch Bitcoin-Optionen gehandelt werden können, und zwar über die Terminmarkt-Börse CME (Chicago Mercantile Exchange). Das genaue Startdatum steht noch nicht fest, es allerdings noch dieses Jahr der Fall sein. Der CME-Konkurrent CBOE (Chicago Board Options Exchange) will bald nachziehen.

Neuesten Berichten zufolge soll nun auch niemand geringeres als der Investmentbanking-Riese JPMorgan Chase darüber nachdenken, seinen Kunden Bitcoin-Futures anzubieten (Futures ist die englische Bezeichnung für Terminkontrakte).

Kommen die Kryptowährungs-ETFs?

Damit Bitcoin und Co. endgültig im Massenmarkt ankommen, fehlt dann eigentlich nur noch ein ETF. Hier sind frühere Versuche der Gebrüder Winklevoss einen solchen in den USA aufzulegen am Veto der Wertpapieraufsichtsbehörde SEC gescheitert.

Doch mit der Einführung eines Bitcoin-Futures steigen wohl auch die Chancen auf die Einführung eines ETFs. Denn dessen Nichtvorhandensein war wiederum einer der Gründe für die ablehnende Haltung der SEC.

Parallel dazu hat der US-Indexanbieter MV Index Solutions (MVIS) nun gemeinsam mit einem Londoner Datenanbieter gleich zwölf Kryptowährungsindizes entwickelt, u.a. für die Währungen Bitcoin, Bitcoin Cash, Ether und Ripple. Vier der Indizes fassen mehrere Währungen zusammen.

Spannend dabei: Die Muttergesellschaft von MVIS, Van Eck, ist auch in Deutschland aktiv und hat mehrere ETFs auf dem Markt. Gut möglich, dass Van Eck nun auch die Einführung eines Kryptowährungs-ETFs plant.

Ethereum ist "hot"

Unter den einzelnen Kryptowährungen sieht im Moment die charttechnische Situation bei Ethereum am explosivsten aus. Der Ether-Coin ist am Freitag auf ein neues Allzeit-Hoch ausgebrochen und hat damit ein neues Kaufsignal geliefert.


Konkrete fundamentale Gründe für den zuletzt fulminanten Anstieg in den letzten Handelstagen gibt es nicht. Ethereum war zuletzt allerdings der Bitcoin-Preisentwicklung hinterhergehinkt. Die alten Höchststände bei Ethereum aus dem Juni und dem August hatten bis zuletzt Bestand. Offenbar sahen hier einige Anleger Nachholbedarf. Seit Jahresbeginn betrachtet ist der Anstieg bei Ethereum mit einem Plus von rund 5.000 Prozent allerdings schwindelerregend.


MEIN FAZIT:

Die Spekulationsblase bei Kryptowährungen bläht sich in atemberaubender Geschwindigkeit auf. Nachdem der Bitcoin bereits seit Wochen von Hoch zu Hoch eilt, zieht Konkurrent Ethereum nun nach. Mobile Bezahldienstleister wie Square, die Millionen von Kunden haben, machen den Handel mit Bitcoin nun kinderleicht für jedermann.

Damit sind Kryptowährungen im Mainstream angekommen - allerdings nicht in ihrer eigentlichen Funktion als Zahlungsmittel bzw. Währung, sondern als reines Spekulationsobjekt. Ein Terminmarktkontrakt auf den Bitcoin wird folgen. Früher oder später mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ein ETF.

Damit dürfte immer noch mehr Kapital in diesen Markt fließen. Ich sehe dabei vor allem zwei Gefahren: Je stärker sich die Blase aufbläht, sprich: Je mehr Geld noch zusätzlich in den Sektor fließt, umso stärker werden die Verwerfungen beim Zusammenbruch sein. Auch außerhalb der reinen Kryptowährungsszene. Das unrühmliche Vorbild ist dabei die Dot.com-Bubble zur Jahrtausendwende.

Ebenfalls wie bei der Internetblase werden dann am Ende wieder mal diejenigen die Zeche bezahlen, die als letzte einsteigen: die Privatanleger! Nehmen Sie sich in Acht!

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