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Marktkommentar: Dr. Andreas Busch (Bantleon): US-Inflation dürfte viele Anleger überraschen
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Marktkommentar Dr. Andreas Busch (Bantleon): US-Inflation dürfte viele Anleger überraschen

Nachrichtenquelle: Asset Standard
28.11.2017, 00:00  |  516   |   |   

Während die Wirtschaft in den USA brummt, kommt die Inflation nicht in Gang. Dr. Andreas Busch sieht jedoch Hinweise, die auf bald wieder anziehende Inflationsraten hindeuten.

Die Inflation in den USA scheint trotz brummender Wirtschaft nicht vom Fleck zu kommen. Seit dem Frühjahr haben die Teuerungsdaten in fast jedem Monat enttäuscht. Das dürfte nicht mehr lange so bleiben, meint Dr. Andreas Busch.

Während die Wirtschaft in den USA brummt – im Sommerhalbjahr lag das Expansionstempo bei kräftigen 3% – kommt die Inflation nicht in Gang. Im Gegenteil: Seit dem Frühjahr haben die Teuerungsdaten in fast jedem Monat enttäuscht. Die Jahresrate des Verbraucherpreiskernindex sackte von 2,3% auf bis zu 1,7% ab. Der im Fokus der Notenbank stehende Kernindex der privaten Konsumausgaben, der mit der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ermittelt wird, rutschte sogar von 1,9% auf 1,3% ab. Das 2%-Ziel der Fed rückt wieder in weite Ferne. Die Währungshüter rechnen inzwischen damit, es erst Ende 2019 zu erreichen.

 

Darüber hinaus wird der grundlegende Zusammenhang in Frage gestellt, wonach ein Konjunkturaufschwung früher oder später wegen wachsender Kapazitätsengpässe zu höherer Inflation führen muss. Genährt werden solche Sorgen unter anderem dadurch, dass die in der Vergangenheit zu beobachtende gegenläufige Entwicklung von Arbeitslosenquote und Inflationsrate zuletzt nicht mehr gegolten hat: Der ungebrochene Abwärtstrend bei der Arbeitslosigkeit hätte sich eigentlich schon seit Längerem in einer anziehenden Inflationsrate niederschlagen müssen – bislang ist davon aber nichts zu sehen. Zu denken gibt auch der Vergleich der aktuellen Inflationsrate mit dem Durchschnitt der Jahre 1992 bis 2007 – dem Zeitraum, als das Wechselspiel von Inflation und Wachstum noch nicht in Frage stand. Der Kerndeflator bewegte sich damals im Mittel bei 2%. Verglichen damit fällt die Teuerung seit geraumer Zeit deutlich geringer aus. Seit dem Ende der Rezession im Jahr 2009 liegt sie durchschnittlich um 0,5%-Punkte darunter. Am aktuellen Rand beläuft sich die Abweichung sogar auf knapp 0,7%-Punkte.

 

Zuletzt waren jedoch mehrere Sonderfaktoren am Werk. Zum einen fällt schon seit vielen Jahren der übergeordnete Abwärtstrend bei der Teuerung von Gesundheitsdienstleistungen auf. Waren hier vor zehn Jahren noch jährliche Preissteigerungen von bis zu 4% an der Tagesordnung, lagen diese zuletzt nur noch bei rund 1%. Dieser Trend reicht sogar noch weiter zurück: In den 1980er-Jahren übertraf die Teuerung im Gesundheitssektor die gesamte Teuerung durchschnittlich um knapp 4%-Punkte, in den 1990er-Jahren um 2,1%-Punkte und in den 2000er-Jahren noch um 1,1%-Punkte. Seit 2010 ist keine Abweichung mehr zu beobachten.

 

Eine zweite ungewöhnliche Entwicklung war jüngst bei den Mobilfunktarifen zu beobachten. Im Frühjahr hatte sich der Preiskampf der großen Anbieter zugespitzt und dazu geführt, dass die Tarife im März schlagartig um 7% gegenüber dem Vormonat eingebrochen waren. Im Vorjahresvergleich weisen sie inzwischen ein Minus von knapp 12% auf.

 

Vor allem die nachlassende Teuerung im Gesundheitssektor hat den Verlauf der Kerninflation in den vergangenen Jahren deutlich geprägt. Das zeigt sich, wenn die Ausgaben für Gesundheitsdienstleistungen herausgerechnet werden, die rund 20% des Kernindex ausmachen. Dann reduziert sich die eingangs erwähnte negative Abweichung der Inflationsrate vom langfristigen Durchschnitt deutlich. Anstatt um 0,5%-Punkte wird das langfristige Mittel seit 2009 nur noch um 0,2%-Punkte unterschritten. Werden zusätzlich die Mobilfunktarife herausgerechnet, liegt die Abweichung vom langfristigen Durchschnitt sogar bei nur 0,14%-Punkten. Somit ist unübersehbar, dass ein großer Teil der in den vergangenen Jahren nach unten überraschenden Kernteuerung allein auf die genannten zwei Faktoren zurückzuführen ist, die im Wesentlichen unabhängig vom Konjunkturverlauf sind. Zudem wurden die Inflationsraten auch sehr stark vom Wechselkurs beeinflusst: Von Mitte 2014 bis Anfang 2017 wertete der US-Dollar gegenüber dem Durchschnitt der Währungen der wichtigsten Handelspartner um 25% auf. Das ist die kräftigste Aufwertung seit fast 20 Jahren, die dazu führte, dass die Preise für Importe in die USA deutlich fielen.

 

Mit einem schwächeren konjunkturellen Teuerungsdruck haben die tieferen Inflationsraten der vergangenen Jahre also nichts zu tun. Darüber hinaus mehren sich die Hinweise, die auf bald wieder anziehende Inflationsraten hindeuten. Erstens kündigt die am Jahresanfang vollzogene Trendwende beim Wechselkurs einen zunehmenden Teuerungsdruck vom Außenhandel an. Der US-Dollar hat seit dem Jahreswechsel um bis zu 7,5% abgewertet. Zweitens ist davon auszugehen, dass der langsam heiß laufende Arbeitsmarkt zu stärker steigenden Löhnen führt, die ihrerseits die Inflation ankurbeln.

 

Unter dem Strich gibt es trotz der zuletzt nach unten überraschenden Inflationsraten keinen Grund, von unserer Prognose abzurücken, wonach der PCE-Kerndeflator 2018 wieder nach oben drehen und spätestens 2019 die 2%-Marke erreichen wird. Entsprechend dürfte in der FOMC-Sitzung Mitte Dezember der Fed-Fund-Zielkorridor um 25 Basispunkte auf 1,25% bis 1,50% angehoben werden. Im Jahr 2018 sollte sich der Zinserhöhungsprozess ungebremst fortsetzen, was drei bis vier zusätzliche 25-Basispunkte-Zinsschritte bedeutet. Angesichts der an den Geldterminmärkten eingepreisten Anhebung von nicht einmal zwei 25-Basispunkte-Schritten gibt es hier großes Überraschungspotential nach oben – genauso wie bei den Inflationsdaten.

 


 

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