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Marktkommentar: Matthew Dobbs (Schroders): Der Aufstieg des jungen Asien
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Marktkommentar Matthew Dobbs (Schroders): Der Aufstieg des jungen Asien

Nachrichtenquelle: Asset Standard
29.11.2017, 00:00  |  913   |   |   

Matthew Dobbs beschreibt, wie eine junge, aufstrebende asiatische Mittelschicht, mit viel Offenheit für neue Technologien, eine Region verwandelt.

Matthew Dobbs sieht eine enorme Verschiebung der wirtschaftlichen Macht in Richtung einer wachsenden und zunehmend wohlhabenden asiatischen Mittelschicht, die – und das ist entscheidend – sowohl jung als auch mit Technologie und dem rasanten Wandel vertraut ist.

Haben Sie nicht genug von all den Artikeln, die die wundervollen demografischen Verhältnisse in Asien anpreisen? Oder die sich darüber auslassen, wie der kometenhafte Aufstieg der Mittelschicht die Aussichten von Schwellenmärkten verändert? Bitte seien Sie dennoch nachsichtig und lesen Sie weiter. Es gibt wirklich etwas zu erzählen.

Die Industrieländer leiden unter dem weithin bekannten Problem einer alternden Bevölkerung. Doch obwohl es bändeweise Abhandlungen über die angebliche demografische Dividende der Schwellenländer gibt, wird klar: Die allgemeinen demografischen Daten sind, zumindest in Asien, längst nicht mehr so günstig, wie sie einmal waren.

Bevölkerungen altern, Abhängigkeitsquotienten (das Verhältnis der Jugend und der sehr Alten zur arbeitenden Bevölkerung) steigen und die erwerbsfähigen Bevölkerungsgruppen Chinas, Koreas und Taiwans (Abbildung 1, Tabelle links) schrumpfen.

Abbildung 1: Auch in Asien altert die Bevölkerung

Größe der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter (20–64 Jahre), 1950 auf 100 gesetzt.

 Grafik: Entwicklung Bevoelkerung im arbeitsfähigem Alter

Quelle: Abteilung Bevölkerungsfragen der Vereinten Nationen, Datenauszug Oktober 2017.

In anderen Teilen Asiens – wie zum Beispiel in Bangladesch, Indonesien und Indien – sind die demografischen Gegebenheiten günstiger. Noch mehr trifft dies auf Afrika zu, wo allein die arbeitsfähige Bevölkerung Nigerias zwischen 2015 und 2050 um ca. zwei Drittel wachsen wird (Abbildung 1, Tabelle rechts). 

Doch viele der traditionellen Grundsteine der nationalen Entwicklung in Form von arbeitsintensiven Fertigungsprozessen sind bedroht durch Trends wie Automatisierung, 3D-Druck und „Re-shoring“ (die Rückverlagerung der Produktion in Industrieländer). Dies gilt selbst für bewährte und althergebrachte Säulen der Industrialisierung wie Schuhe, Textilien und IT-Grundmontage.

Es hat den Anschein, als würden die Gräben in Form schwer reproduzierbarer Wettbewerbsvorteile tiefer werden. Und das abseits vom Gezänk über den Freihandel, der Gegenreaktion gegen die Globalisierung und die bemerkenswerte Untergrabung seitens derer, die noch immer die Vorteile des liberalen Kapitalismus des Westens propagieren, sobald Donald Trump seinen Mund (oder seinen Twitter-Account) aufmacht.

Doch obwohl sich die demografischen Trends in Asien eintrüben, enthüllt ein Blick unter die Oberfläche eine viel positivere Geschichte – sofern die Scheinwerfer auf die richtigen Stellen gerichtet werden:

  • Viele Volkswirtschaften stehen vor einem grundlegenden Wandel durch die aufstrebende Mittelschicht, ein viel behandeltes Thema
  • Diese Mittelschicht ist vornehmlich jung, ein Faktor, dem wenig Beachtung geschenkt wird. Sie verkörpert echte wirtschaftliche Macht; und
  • ihre Verbrauchergewohnheiten und ihre Offenheit neuen Technologien gegenüber werden die Märkte der Zukunft gestalten.

Diese Empfänglichkeit für neue Wege, die in erster Linie dem demografischen Profil der asiatischen Mittelschicht zuzuschreiben ist, ist das entscheidende dritte Standbein der kraftvollen Disruptionswelle, die derzeit durch Asien rollt (siehe Kasten).

Disruptionstreiber

  • Die Qualität der Unternehmensleitung Zum Glück für Asien gibt es dort einige gewiefte Unternehmer, die die Spielregeln wirklich verstehen. Jack Ma von Alibaba, Pony Ma von Tencent und Robin Li von Baidu (ganz zu schweigen von Morris Chang (TSMC)/Terry Guo (Hon Hai Precision) und dem Team von Samsung, die sprichwörtlich die Schaufeln für den IT-Goldrausch bereitstellen) sind exzellente Strategen. Hinter ihnen stehen die Technik- und IT-Talente, die dem ehrgeizigen asiatischen Bildungssystem entspringen.
  • Die Schwäche der Etablierten; der Segen/Fluch der China Postal Savings Bank mit 40.000 Zweigstellen, die Legionen herkömmlicher Händler, die alles andere als ein angenehmes Shopping-Erlebnis bieten, und andere staatliche Unternehmen, für die Kundenservice ein Fremdwort ist. Warum werden Online-Videos China überschwemmen? Das liegt an China Central TV, das noch nicht die Reichweite und Qualität bietet, die die Zuschauer der frei empfänglichen Fernsehprogramme des Westens gewöhnt sind.

Diese von der Jugend geprägten Trends stehen in krassem Gegensatz zum Westen, wo die ältere Generation über die üppigsten Renten, das höchste verfügbare Einkommen und die größten Vermögen aufgrund des steigenden Werts ihrer Häuser verfügt. Dagegen finden die Jugendlichen keinen Einstieg in die Immobilienleiter und tragen die Last der Rückzahlungen hoher Studienkredite. Jugendliche im Westen mögen in politischer Hinsicht mehr Durchsetzungskraft zeigen (ein bemerkenswertes Beispiel ist Großbritannien, wo mehr als 70 % der unter 24-Jährigen, die bei den vergangenen allgemeinen Wahlen stimmberechtigt waren, gegen die konservative Regierungspartei stimmten1, die von mehr als 60 % der über 65-Jährigen unterstützt wurden), doch sehen sie sich in wirtschaftlicher Hinsicht im Vergleich zu ihren Eltern als Bürger zweiter Klasse. 

Während Jugendliche in Hamburg Lust haben, am Rande des G20-Gipfels mit Steinen zu werfen, begrüßen ihre asiatischen Altersgenossen (so begrenzt ihre politischen Ausdrucksmittel auch sein mögen) eine Welt der Wahlmöglichkeiten mit Begeisterung.

Die aufstrebende Mittelschicht

Der Aufstieg der Mittelschicht in Schwellenländern ist gut dokumentiert. Nehmen wir nur das Beispiel China (das die globalen Statistiken zwangsläufig dominiert): Hier wird die Zahl der wohlhabenden und gehobenen Mittelschichthaushalte von 17 % der Gesamtzahl 2012 auf 63 % im Jahr 2022 steigen. Ein geradezu kometenhafter Aufstieg.

Abbildung 2: Das Ausmaß des Wachstums der chinesischen Mittelschicht verändert das Land

 Grafik: Wachstum_chinesische_Mittelschicht

1 Die Zahlen ergeben aufgrund von Rundungsdifferenzen möglicherweise nicht genau 100 %: Die Daten für 2022 sind angenommene Daten.

2 Definiert durch das verfügbare Jahreseinkommen pro städtischem Haushalt, 2010 in effektiven Zahlen: wohlhabend, >229.000 Renminbi (entspricht >34.000 USD): obere Mittelschicht, 106.000 bis 229.000 Renminbi (entspricht 16.000 USD bis 34.000 USD): breite Mittelschicht, 60.000 bis 106.000 Renminbi (entspricht 9.000 USD bis 16.000 USD): arm <60.000 Renminbi (entspricht <9.000 USD).

3 Durchschnittliche jährliche Wachstumsrate.

Quelle: McKinsey & Company, http://www.mckinsey.com/industries/retail/our-insights/mapping-chinas-middle-class. Juni 2013. 

Bis 2022 dürften mehr als 80 % der Konsumausgaben der Privathaushalte auf diese beiden wirtschaftlichen Gruppen entfallen (Abbildung 2).

Die junge Bevölkerung ist der wirtschaftliche Gewinner

Weniger bekannt ist, inwieweit dies eine relativ junge Kohorte ist.

Laut dem Deloitte Millennial Survey 2017 zeigen sich Millennials in Schwellenländern optimistischer, was ihre wirtschaftlichen Aussichten anbelangt, und erwarten, ein in materieller und emotionaler Hinsicht besseres Leben zu führen als ihre Eltern – ein starker Kontrast zu ihren Altersgenossen in Industrieländern.

Der Wohlstand der Millennials dürfte sich zwischen 2015 und 2020 verdoppeln und 19 bis 24 Bio. US-Dollar erreichen2. Zum Vergleich dazu ist anzumerken, dass das Bruttoinlandsprodukt in den USA zu diesem Zeitpunkt voraussichtlich nur 22 Bio. USD-Dollar und in der Eurozone 13 Bio. USD-Dollar betragen wird. Chinesische Millennials sind eindeutig eine Kraft, mit der gerechnet werden muss.

Während alternde und sagenhaft reiche asiatische Magnaten weiterhin die Fantasie der breiten Bevölkerung bestimmen, liegt die wahre wirtschaftliche Kraft Asiens in der Mittelschicht und hier insbesondere in der Jugend.

Von McKinsey als G2-Generation bezeichnet, sind die Mitglieder dieser Gruppe „meist…nach Mitte der 1980er-Jahre geboren und in relativem Überfluss aufgewachsen.” Der Bericht fährt fort (Hervorhebung einzelner Passagen durch uns)3:

„Diese G2-Konsumenten sind heute meist Teenager und Menschen Anfang 20, die nach Mitte der 1980er-Jahre geboren wurden und in einer Zeit relativen Überflusses groß geworden sind. Ihre Eltern, die lange Jahre der Knappheit durchlebten, konzentrierten sich vor allem auf das Erreichen wirtschaftlicher Sicherheit. Doch viele G2-Konsumenten wurden nach dem Besuch Deng Xiaopings in der südlichen Region geboren – dem Beginn einer neuen Ära der Wirtschaftsreformen und der Öffnung Chinas gegenüber der Welt. Sie sind selbstbewusst, denken eigenständig und sind entschlossen, diese Unabhängigkeit durch ihren Konsum auszudrücken...

„Studien von McKinsey haben gezeigt, dass diese Generation chinesischer Konsumenten die bisher am stärksten westlich geprägte ist. Sie ist geneigt, teure Produkte von vornherein als höherwertig gegenüber günstigeren zu bewerten, und probiert gern Neues wie persönliche digitale Geräte aus…

„Bereits im Teenageralter hat diese Geburtskohorte einen großen Einfluss auf die Kaufentscheidungen ihrer Familie, wie in unseren Studien festgestellt wurde.“ 

Laut Schätzungen von McKinsey umfasste diese Gruppe 2012 insgesamt 200 Millionen Verbraucher. Auf sie entfielen 15 % des städtischen Konsums, ein Prozentsatz, der bis 2022 voraussichtlich auf 35 % steigen wird.

Dasselbe Phänomen zeigt sich in Indien. Laut aktuellen Untersuchungsdaten ist das Bruttoeinkommen der Millennials im Durchschnitt signifikant höher als das der älteren Generation (ein Trend, der auch in China und allen ASEAN-Schwellenmärkten (Verband Südostasiatischer Nationen) zu beobachten ist). 57 % aller berufstätigen Millennials in Indien sind die Hauptverdiener ihrer Familien (Abbildung 3).

Abbildung 3: Wie auch im übrigen aufstrebenden Asien haben die indischen Millennials die finanzielle Kontrolle in ihren Haushalten

 Grafik: Bruttoeinkommen_Millennials

Quelle: Morgan Stanley, April 2017.

Vereinfacht ausgedrückt sehen wir bereits jetzt die offensichtlicheren Auswirkungen dieses steigenden Wohlstands, indem die Verbraucher zunehmend teurere Güter kaufen – und zwar weit über das abgegriffene Klischee der asiatischen Liebe zu Luxusmarken hinaus. (Tatsächlich gibt es Anzeichen dafür, dass der Markt für Prada-Handtaschen und Premier Cru bereits überreizt ist.)

Auf einer nachhaltigeren Ebene erwerben die Chinesen nun teurere Haushaltsgeräte, Einbaumöbel, Küchenausstattung und Reisen. Für uns als Investoren ist es wichtig, dass viele der Nutznießer dieses Trends einheimische Marken sind, die über A-Aktien zugänglich sind, welche auf dem lokalen chinesischen Aktienmarkt gehandelt werden.

Interessanterweise handelt es sich um eine Generation, die mit Technik aufgewachsen ist und sie weitgehend einsetzen möchte. Die Technikverbreitung ist überwältigend. Es sind nicht nur die Zahlen, die so beeindruckend sind – 963 Millionen monatliche aktive User (MAU) des Social-Media-Service WeChat/Weixin bzw. 340 Millionen des Microblogging-Service Sina Weibo –, sondern es ist die Breite und Tiefe dieser Durchdringung.

WeChat (der von Tencent betriebene Kernservice) ist auf 97 % aller Android-Handys in China installiert, und 86 % der von WeChat gemeldeten MAU sind täglich aktiv (verglichen mit 66 % bei Facebook)4. Über die Hälfte der Nutzer verwendet den Service mindestens 90 Minuten täglich, über ein Drittel sogar mehr als vier Stunden oder länger.

Die Marktdurchdringung durch den Online-Handel nimmt explosionsartig zu, und auch hier ist das Altersprofil der Kunden auffällig (Abbildung 4).

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