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"Bürgerversicherung" Zweiklassenmedizin - sozial ungerecht?

Gastautor: Rainer Zitelmann
04.12.2017, 09:54  |  1091   |   |   

Die SPD hat die Einführung einer einheitlichen Zwangsversicherung für alle ("Bürgerversicherung") zum zentralen Punkt für mögliche Koalitionsverhandlungen gemacht und wettert gegen die "Zweiklassenmedizin".

"Kampf gegen die Zweiklassenmedizin" ist der neue Schlachtruf der SPD im Kampf um "soziale Gerechtigkeit". Ein gutes Beispiel dafür, dass Linke stets "Gleichheit" meinen, wenn sie "Gerechtigkeit" sagen. Kein Beitrag von SPD-Politikern zum Thema, ohne dass erwähnt wird, wie ungerecht es sei, dass Kassenpatienten beim Arzt oft länger warten müssen als Privatpatienten.

Einheits-Zwangsversicherung
Ungerecht finde ich, dass sich bisher Arbeitnehmer mit geringem oder mittlerem Einkommen nicht privat versichern dürfen (außer im Rahmen einer Zusatzversicherung), sondern zwangsweise Mitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse werden müssen. Da wäre es doch naheliegend, diese Ungerechtigkeit zu beseitigen und es jedem freizustellen, ob er sich gesetzlich oder privat versichern möchte. Das aber will die SPD gerade nicht. Sie möchte, ebenso wie Linke und Grüne, dass künftig jeder zwangsweise Mitglied einer gesetzlichen Kasse werden muss. Da der Plan einer Einheits-Zwangsversicherung nicht so attraktiv klingt, haben sich linke PR-Spezialisten schon vor Jahren den viel schöner klingenden Begriff "Bürgerversicherung" ausgedacht. George Orwells "Newspeak" (1984) lässt grüßen.

Im Kern geht es darum, besser verdienende Arbeitnehmer und Selbstständige stärker zu schröpfen, um damit die gesetzlichen Kassen zu sanieren. Wahrscheinlich ist, dass die Beitragsbemessungsgrenze früher oder später angehoben wird oder ganz fällt. Ergebnis: Personen mit einem höheren Einkommen müssen dann erstens viel mehr bezahlen und bekommen zweitens dafür weniger Leistung. Das verstehen SPD, Linke und Grüne - sowie Teile der CDU - unter "Gerechtigkeit": Die Situation der Mehrheit wird nicht verbessert, aber die Neidgefühle werden befriedigt, weil "Besserverdiener" schlechter gestellt werden.

"Zweiklassenmedizin?"
Bisher privat Versicherte müssten nach den SPD-Plänen dann sehr viel länger beim Arzt warten als bisher - ohne dass sich die Wartezeiten für die gesetzlich Krankenversicherten merklich verkürzten. Ist es "ungerecht", dass Privatpatienten oft kürzer warten müssen? Ungerecht finde ich, dass sich nicht jeder privat versichern darf, sondern die meisten Menschen zwangsweise in die gesetzliche Krankenversicherung gepresst werden. Wenn sich jeder privat versichern durfte, könnte jeder entscheiden, ob ihm die Vorteile einer privaten Versicherung das Geld wert sind.

Das Gegenargument lautet, dass sich nicht jeder eine private Versicherung leisten könne. Das immer wieder angeführte Beispiel von den Privatversicherten, die kürzer warten müssen, soll Neid schüren. Um alle Ungerechtigkeiten zu beseitigen, schlage ich vor: Künftig hat jeder einen Rechtsanspruch darauf, im Villenviertel zu wohnen, Businessklasse zu fliegen, einen Luxuswagen zu fahren, in Luxushotels Urlaub zu machen und eine schöne Frau zu heiraten. Ist es nicht ein Beispiel für schreiende "soziale Ungerechtigkeit", dass es Menschen gibt, die in einfachen Wohnlagen wohnen statt in einer Villa, die Fiat statt Mercedes fahren und im 3-Sterne-Hotel an der Ostsee statt im Sechs-Sterne-Hotel in Bali Urlaub machen - und dann auch noch Holzklasse statt First Class fliegen? Diese Unterschiede sind sehr viel größer als die zwischen Kassen- und Privatpatienten, denn auch für Kassenpatienten ist in Deutschland ein Leistungsniveau gesetzlich vorgeschrieben, um das uns fast alle Menschen in der Welt beneiden würden. Nebenbei: Manchmal kann es sogar eher ein Nachteil sein, in einer privaten Krankenkasse versichert zu sein, da solche Patienten häufiger Opfer unnötiger Behandlungen und Operationen werden, weil daran die Ärzte mehr verdienen. Daher sollte jeder - egal wie viel er verdient - das Recht haben, in die Versicherung einzutreten, die er wählt und sich finanziell leisten kann.

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6 Kommentare

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Kommentare

Das mit der Sozialen Gerechtigkeit ist nur ein vorgetäuschtes Argument der Politiker um ein kommendes Problem zu vertuschen. Die gesetzlichen Krankenversicherungen müssen jeden Flüchtlinge nach einem Jahr Aufenthalt in Deutschland aufnehmen.

Auf viele Jahre werden trotz aller Anstrengungen unserer Gesellschaft nur einzelne Flüchtlinge in der Lage sein, sich für eine Sozialversicherte Beschäftigung zu Qualifizieren und Beitrage bezahlen. Auf der anderen Seite werden durch die Forderungsmentalität, die Geburtenfreudigkeit und die Traumatisierung vieler dieser Menschen allerdings enorme Kosten verursacht und sind nicht durch die staatlichen Beiträge an die gesetzlichen Versicherungen gedeckt.

Da es nicht mehr möglich ist die Beitragsätze weiter anzuheben ohne zu befürchten, dass die Ursache für dieses Finanzierungsproblem an das Tageslicht kommt, sind die politisch Unverantwortlichen zu dem Schritt der Bürgerversicherung bereit. Es geht einzig und alleine darum den besserverdienenden Leistungsträgern diese Kosten zu belasten, da allen anderen schon bis an die äußerste Belastungsgrenze ihr Einkommen entzogen wird.

Das eines der besten Gesundheitssystem der Welt an die Wand gefahren wird, ist für den Verstand dieser Politiker vermutlich nicht begreifbar und für die meisten Wähler schon gar nicht.
Herr Z. lässt bei seiner hoch gelobten PKV ebenfalls unerwähnt, daß man als privater grundsätzlich das 3-4-Fache für ein- und dieselbe Leistung zahlen muss. Klar, dass man da nicht so lange warten muss ;)
Der PKV würden nur ein paar Reiche nachtrauern, im Wesentlichen wohl auch nur dann, wenn die Beitragsbemessungsgrenze angehoben würde. Ansonsten können die doch weiterhin Zusatzleistungen kaufen, zu besonderen Ärzten gehen und direkt zahlen usw.

Bemerkenswert fand ich noch, dass der Zittelmann anscheinend uns beneidet. Ein mehrfacher Millionär, der meint, es geht seinen ärmeren Mitmenschen immer noch zu gut - und das neidet er ihnen. Er sollte besser mal in psychische Behandlung gehen um sein Unglück zu überwinden.
100% zustimm @ClausSch
leider liest sich der Herr Zittelmann die Kommentare zu seinen täglichen Ergüssen wohl nie durch, da er trumpmäßig ständig neuen Schwachsinn in die Tastatur hackt.
Ich gehöre nämlich genau diesen 50-jährigen Selbstständigen an, die liebend gerne in die GKV wechseln würden - wenn sie dürften.
Und dass sich die Versicherungskonzerne im Nu unzählige Zusatzpakete für die armen Zwangsversicherten ausdenken werden, sollte selbst einem Herrn Z. einleuchten. (Gilt übrigens auch für Rente, siehe Riester *lol)
Da begibt sich der Herr Zitelmann jetzt aber auf ganz dünnes Eis.

Die genaue Funktionsweise und die damit einhergehenden Vor- und Nachteile der Systeme GKV/PKV scheinen ihm nicht wirklich geläufig zu sein.

Wer sich in jungen Jahren für die PKV entscheidet, kann erst mal eine Menge an Beiträgen sparen und das bei "oft" (in bestimmten Bereichen nicht immer) besseren Leistungen im Vergleich zur GKV.
Es muss aber jedem bewusst sein, dass sich das ganze im Alter umkehren kann. Diese Umkehr kann je nach Anbieter schon im Alter von 50 Jahren beginnen.

Der Vorschlag, dass jeder die Option bekommen sollte, sich privat zu versichern, also auch der "normale" Arbeiter und Angestelle, macht diesen Trugschluß nur all zu deutlich.
Weg ist sie dann nämlich die extrem vorteilhafte "Krankenversicherung der Rentner (KVdR)".
Ob die negativen Aspekte, die die PKV mitbringt, im Verkauf auch entsprechend kommuniziert würden, ist in vielen Fällen zu bezweifeln.

Dies trifft auch auf viele selbständige Einzelkämpfer (z. B. Handwerker) zu.
Denen wurden die Vorteile der PKV "verkauft" und später kommt dann das böse Erwachen, weil über die letzten Jahrzehnte oft nicht einmal so viel verdient wurde, dass entsprechende Rücklagen (z. B. aus den eingesparten Beiträgen in Jungen Jahren) gebildet werden konnten.

Wenn die Bürgerversicherung kommt, wird sich so mancher, der unter der Last seiner PKV-Beiträge im Alter leidet, sicher freuen. Die richtige (konzequente, es soll hier ja nicht nur um die Zweiklassenmedizin gehen) Umsetzung natürlich verausgesetzt.

Übrigens hat jeder die entsprechenden Optionen, den Leistungskatalog der GKV aufzustocken.
Es gibt in allen Bereichen entsprechende Zusatztarife, bis hin zur sog. Kostenerstattung.

Auch hier gilt natürlich:
Man muss es sich leisten können.

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