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Pullback von 50 Prozent Ron Paul: Die ganze Wahrheit über die US-Inflation

04.12.2017, 14:25  |  6984   |   |   

Ron Paul ist in den USA ein anerkannter Finanzmarktexperte. Als letzte Woche die Aktien neue Höhen erreichten, setzte der ehemalige republikanische Kongressabgeordnete Paul die Inflation ganz oben auf seine Sorgenliste. Paul ist inzwischen davon überzeugt, dass die Inflation eine gefährliche Verzerrung ist, die einen Pullback von bis zu 50 Prozent auslösen könnte.

"Die Inflation ist überall", sagte Paul kürzlich auf CNBC. "Ich glaube, es gibt eine Menge Inflation. Anleihen repräsentieren Inflation. Die hohen Aktienkurse - das ist Inflation." In der vergangenen Woche war der Dow Jones erstmals in der Börsengeschichte auf über 24.000 Punkte geklettert - nun ist er bereits bei 24.460 Punkten.

William Dudley (Fed New York) hat die Idee geäußert, dass die Fed irgendwann einmal eine eigene digitale Währung schaffen könnte, um auf die wachsende Popularität von Krypto-Währungen zu reagieren. Ron Paul meint, dass der kometenhafte Aufstieg des digitalen Geldes, insbesondere des Bitcoins, auch ein Signal dafür sein könnte, dass es viel mehr Inflation gibt, als die Experten annehmen.

Die niedrige Inflation steht weiterhin im Rampenlicht der Fed-Politiker. Janet Yellen, die scheidende Fed-Vorsitzende, hat Bedenken über den generellen Trend geäußert und setzt weiterhin darauf, die Zinsen niedrig zu halten. Paul ist jedoch der Meinung, dass die offiziellen Zahlen und Daten irreführend seien. “In den 20er Jahren gingen der CPI [der Verbraucherpreisindex] und die Rohstoffpreise nicht nach oben, aber der Aktienmarkt stieg", sagte er CNBC. Die Fed "beruhigt sich immer wieder selbst, keine Inflation, keine Inflation. Seinerzeit stieg der CPI auch nicht, aber trotzdem gab es eine Verzerrung - eine Blase an der Börse, und es kam zu einer ziemlich großen Korrektur am Ende der 1920er Jahre," so Paul.

Paul glaubt, dass Investoren - wie auch die Fed - blind sein könnten. Er zweifelt an dem Vorgehen der Fed, die Zinsen so lange niedrig zu halten. "Ich glaube, sie sehen es, aber sie wollen es nicht sehen. Sie wollen es nicht betonen, denn das würde bedeuten, dass sie etwas falsch machen", sagte Paul gegenüber CNBC.

Paul kann nicht genau sagen, wann der Crash passieren wird. Aber er vergleicht das aktuelle Inflationsumfeld mit der Nasdaq-Blase und der Immobilienkrise, die letztlich zu einem steilen Einbruch an den Aktienmärkten führten. "Es wird ein Rennen bis zum Absturz geben", so Paul.

Sind die Sorgen um eine Marktkorrektur übertrieben? Joseph LaVorgna, Chefökonom von Natixis, räumte ein, dass die Preise etwas schaumig seien, aber er bezeichnet sich selbst immer noch als Bullish an der Börse. Auf die Frage, ob es eine Inflation bei den Vermögenswerten gibt, antwortete LaVorgna mit "Ja. Sie haben die Wahl: Aktien, Bitcoin oder die Kunstwelt. Das sehen wir. Jeder sieht das. Es ist offensichtlich", so LaVorgna in einem Telefoninterview mit CNBC. Was eine Rezession angeht, so sieht LaVorgna keine unmittelbaren Anzeichen dafür. Er sagte voraus, dass sich die Wirtschaft auch 2018 weiterhin gut entwickeln wird.

Auch Robert Brusca, Chefvolkswirt bei Fact and Opinion Economics, stimmt LaVorgna zu, dass Pauls großen Sorgen über eine erhebliche Korrektur übertrieben sind. "Steigende Vermögenspreise sind keine Inflation. Wenn der Preis für Zahnpasta steigt, bin ich nicht glücklich. Wenn der Preis einer Aktie, die ich besitze, steigt, bin ich glücklich. Großer Unterschied", sagte er CNBC. "Die Inflation ist nicht überall. Sie ist stabil und niedrig.", so Brusca.

Mark Zandi, Chefvolkswirt bei Moody's Analytics, wog ebenfalls Pauls' Warnung ab und sagte: "Inflation und rapide steigende Vermögenspreise sind zwei verschiedene Dinge. Aber ich sympathisiere mit seiner (Ron Paul) Sorge um überbewertete Aktienkurse und die schäumenden Bedingungen, die sich in anderen Asset-Märkten entwickeln, wenn auch nicht in annähernd gleichem Maße." Zandi meint, dass sich Paul bei der Inflation irrt, aber er Recht hat, wenn er sich Sorgen über die überbewerteten Vermögensmärkte macht.

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