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ROUNDUP Zypries warnt vor 'Lufthansa-Bashing' nach Preistreiberei-Vorwürfen

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
07.12.2017, 05:36  |  402   |   |   

BERLIN (dpa-AFX) - Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries hat die Lufthansa angesichts von Vorwürfen der Preistreiberei nach dem Aus des Konkurrenten Air Berlin in Schutz genommen. "Es gibt auch viel ungerechtfertigte Kritik an Lufthansa, manchmal sogar eine Art "Lufthansa-Bashing"", sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Nach Kundenbeschwerden hatte das Bundeskartellamt angekündigt, die Preispolitik zu prüfen. Die Lufthansa hatte sich gegen den Eindruck gewehrt, dass sie in der Folge der Air-Berlin-Pleite die Ticketpreise nach oben getrieben habe. Nach dem Ausscheiden von Air Berlin fehlen jeden Tag Zehntausende Plätze im Flugverkehr.

"Ich empfinde das manchmal als eine verdrehte Diskussion", sagte Zypries. "So hat beispielsweise niemand ein Interesse daran, dass 80 Flugzeuge lange Zeit am Boden stehen und nicht fliegen dürfen, denn das verknappt das Angebot und verteuert die Preise. Solange die Kartellprüfungen noch laufen, dürfen die Flieger aber nicht genutzt werden, da kann die Lufthansa nichts dafür."

Die geschäftsführende Ministerin fügte hinzu: "Es geht manchmal schlicht unter, dass es das Management von Air Berlin in den vergangenen Jahren, ja fast Jahrzehnten, war, das es nicht geschafft hat, das Unternehmen positiv zu entwickeln. Das ist nicht die Schuld von Lufthansa."

Der deutsche Marktführer will mit den Teilgesellschaften LG Walter und Niki für 210 Millionen Euro einen erheblichen Teil des Flugbetriebs von Air Berlin mit 81 Jets und den dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen. Die EU-Kommission prüft derzeit, ob Wettbewerbsverzerrungen oder Nachteile für Verbraucher entstehen könnten. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte 1000 neue innerdeutsche Flügen pro Monat angekündigt, sobald die EU-Wettbewerbsbehörde grünes Licht für die Übernahme von großen Teilen von Air Berlin gebe. Dann würden sich auch die Preise wieder stabilisieren.

Zypries sagte mit Blick auf wettbewerbsrechtliche Bedenken der EU-Kommission: "Die EU-Kartellbehörde prüft natürlich unabhängig. Im Sinne der Beschäftigten hoffen wir aber, dass dies möglichst zügig vonstatten geht und am Ende eine gute und wettbewerbssichernde Lösung steht." Sie hoffe, dass es am 21. Dezember eine Entscheidung gebe.

Der Lufthansa-Konzern hatte im EU-Kartellverfahren weitgehende Zugeständnisse gemacht, um die Air-Berlin-Tochter Niki doch noch übernehmen zu dürfen. Mit dem Verzicht auf Start- und Landerechte will Lufthansa wettbewerbsrechtliche Bedenken der Kommission zerstreuen. Die Entscheidungsfrist auch zur Übernahme weiterer Teile der insolventen Air Berlin läuft bis zum 21. Dezember. Die EU-Kommission könnte sich aber auch noch für eine vertiefte Prüfung des Kartellantrags entscheiden, die dann noch einmal 90 Arbeitstage dauern würde./hoe/DP/stk

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Kommentare

Ich stimme Ihnen zu, dass die preistreibende Angebotsverknappung durch den Stillstand der Airberlin-Maschinen zwar ein Windfall für die Lufthansa ist, den sie aber nicht unmittelbar verursacht hat.

Allerdings denke ich, dass eine kartellrechtlich saubere Regelung schon sein muss - mir ist lieber, wenn die Lufthansa ein paar Wochen lang von ihrer marktbeherrschenden Stellung profitieren kann, als wenn sie das durch volle und sofortige Einverleibung der Air Berlin-Flotte dauerhaft könnte.

Viele Politiker haben die Lufthansa als eine Art "weißen Ritter" dargestellt, der sich bei einer Übernahme irgendwie "lieb" verhalten werde: Air Berlin-Gehälter für die Angestellten, Lufthansa-Serviceangebot und Germanwings-Preise für die Passagiere, sozusagen.

Aber das ist ja völlig unrealistisch.

Ich würde mich ja freuen, wenn z.B. eine oder südamerikanische Airline nennenswerte Teile der Air Berlin als Standbein in Europa übernähme und so wieder ein neuer Wettbewerber hinzu käme.
Soviel kluge Einsicht hätte ich einer SPD Politikerin gar nicht zugetraut.

Statt auf die Lufthansa sollte man mal auf die EU und ihre Kartellwächter eindreschen,
denn die haben es verdient, sorgen sie doch dafür, dass die Air Berlin Maschinen derzeit
am Boden bleiben und die Preise höher sind als nötig.

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