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Assetmanagement Die Zukunft wartet nicht

Gastautor: Thomas Gräf
12.12.2017, 11:22  |  538   |   |   

Assetmanagement und Vermögensverwaltung befinden sich seit der Finanzkrise 2009 in Aufruhr. Die Branche hat sich seit der letzten Dekade des vergangenen Jahrhunderts kaum gewandelt; in den nächsten zehn Jahren muss sie sich jedoch vollständig neu aufstellen – so ein aktueller Report der Unternehmensberatung PWC.

 

Die Geschwindigkeit, mit der sich die Landschaft des Assetmanagement verändert, nimmt dramatisch zu. Für die nächsten Jahre stehen die Ampeln jedenfalls auf Wachstum, berechnen die Autoren der Studie “Embracing Exponential Change“: Bis 2025 wird sich der Wert der Assets under Management weltweit von 85 Milliarden US$ in 2016 auf dann 145 Milliarden US$ fast verdoppeln. Das ändere jedoch nichts daran, dass Assetmanager ihre Zunft revolutionieren, ja quasi auf den Kopf stellen müssten, wenn sie überleben wollen. Der Wandel betreffe alle Aspekte des Geschäfts: Gebühren, Produkte, Vertrieb, Regulierung, Technologie. Gehandelt werden müsse jetzt.

 In dem Papier identifizieren die Autoren verschiedene, miteinander verbundene Trends, die ihrer Ansicht nach die Branche auf den Kopf stellen werden. Die Auswirkungen schlagen sich in sinkenden Margen nieder und zwingen die Unternehmen, noch stärker als heute auf Skaleneffekte und Kosteneffizienz zu achten, schnellstmöglich neue Technologien einzusetzen und eine klare Strategie für die Zukunft zu formulieren. Als Risiken für die Assetmanager identifiziert PWC vor allem den wachsenden Populismus in Europa, ein Scheitern der Brexit-Verhandlungen, ein Abgleiten der chinesischen Wirtschaft in die Konsumwirtschaft sowie die Ungewissheit über die künftige US-Handels- und Steuerpolitik.

Der Markt, finden die PWC-Experten, gehört in Zukunft den Kunden: Die Gebühren werden von Investoren und Regulierung in den Keller getrieben, steigender Wettbewerb und neue Marktteilnehmer zerstören die gewohnten Wertschöpfungsketten – und stellen die Existenzberechtigung der Assetmanager infrage. Durch die Regulierung wird es Assetmanagern künftig erschwert, den Vertrieb durch Incentives zu motivieren – was zu sinkenden Produktkosten führt. Investoren wiederum haben künftig bessere Möglichkeiten, Alpha und Beta zu berechnen – und zahlen mehr für Alpha, aber nichts mehr für Beta. Günstigere Produkte und Skaleneffekte schließlich zwingen Assetmanager zu weiteren Zusammenschlüssen und zu neuen Formen der Zusammenarbeit.

Digitale Technologien sind laut PWC ein absolutes Muss. Aber gerade da hinke die Branche enorm hinterher. Die Digitalisierung jedoch werde für Quantensprünge entlang der gesamten Wertschöpfungskette sorgen, angefangen bei der Kundenakquise, über Beratung, Research, Portfoliomanagement, Vertrieb und Backoffice – wie sehr sich die Unternehmen auf die neuen Technologien einlassen, entscheide am Ende über Erfolg oder Misserfolg.

Der Markt für Finanzierungen hat sich den Assetmanagern vor allem seit der Finanzkrise erschlossen. Seitdem füllten sie mit ihrem Kapital die Lücken, die aus der Bankenregulierung entstanden sind. Um auch in Zukunft erfolgreich Renditen zu erwirtschaften, werden sich Assetmanager noch tiefer in Nischen wie Handelsfinanzierung, Peer-to-Peer-Kredite und Infrastrukturprojekte begeben, erwarten die PWC-Experten.

Investoren suchen maßgeschneiderte Lösungen für spezifische Bedürfnisse und wollen sich immer weniger mit Produkten von der Stange zufrieden geben. Aktive, passive und alternative Strategien sind laut PWC die Bausteine, aus denen lösungsorientierte Produkte gestrickt sind – und die beinhalten zunehmend ökologische, soziale und ethische Aspekte. Dabei werden die Investoren zukünftig nicht mehr auf gewachsene Geschäftsbeziehungen Rücksicht nehmen sondern sich an denjenigen wenden, der ihnen die optimale Lösung zur Verfügung stellt.

Passive und alternative Strategien befinden sich auf dem Vormarsch. Bis 2025 sagt PWC diesen Produkten einen Marktanteil von 40 Prozent vorher, während der Anteil aktiver Produkte von derzeit 70 um zehn Prozent zurückgehen wird. Das bedeute, dass die Unternehmen sich entweder die Kapazitäten verschaffen, um Multiasset-Lösungen zu kreieren – oder sich auf eine Rolle als Lieferant für Bausteine bescheiden. Dabei müssen die Assetmanager zukünftig stärker als bisher Bereiche, die nicht zur Kernkompetenz – wie beispielsweise Tax Compliance – gehören, auslagern.

Diese Trends werden in den Augen der Autoren zukünftig die Struktur des Assetmanagement bestimmen. Große Anbieter zeichnen sich dabei durch den Umfang ihres Geschäfts, durch Preis, fähiges Personal und ihre technischen Möglichkeiten aus. Kleinere Unternehmen hingegen können nur dann überleben, wenn sie sich spezialisieren und hervorragende Performance und Service anbieten.

(TG)

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