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Mobiles Arbeiten Unterwegs arbeiten: Die Digitalisierung aus der Sicht des Arbeitsrechts!

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Gastautor: Markus Mingers
13.12.2017, 12:47  |  1682   |   

Mal schnell ein paar Mails beantworten oder ein Telefonat aus dem Urlaub führen: Durch die fortschreitende Digitalisierung unserer Welt muss auch das Arbeiten längst nicht mehr nur vom Arbeitsplatz aus geschehen. Auf der einen Seite ist dies natürlich für die Flexibilität ein großer Vorteil, jedoch sollten Mitarbeiter vom Standpunkt des Arbeitsrechts aus in manchen Situationen aufpassen!




Unterwegs arbeiten dank digitaler Vernetzung

Ob mit Hilfe einer App, besonderer Softwares oder mobiler Endgeräte: In der heutigen Zeit gibt es hunderte Möglichkeiten Arbeitsergebnisse von unterwegs an den Arbeitsplatz zu senden. Für mobiles Arbeiten gibt es jedoch mehrere Modelle: Das bekannte Modell des Homeoffice, die Arbeit von unterwegs (Urlaub, im Café, im Restaurant) und die mobile Arbeit innerhalb des Betriebes (wechselnde Betriebsstandorte oder das sogenannte „Desk-Sharing“).

Vorteile des mobilen Arbeitens

Das mobile Arbeiten bringt vor allem eines: Flexibilität. Sowohl für den Arbeitgeber, als auch für den Arbeitnehmer kann das Modell des mobilen Arbeitens einen hohen Mehrwert haben. Einerseits spart das Unternehmen durch wegfallende Weg- und Wartezeiten Geld und anderer müssen weniger Arbeitsplätze im Büro geschaffen werden. Da Arbeitnehmer durch das mobile Arbeiten flexibler sind und Familie und Beruf leichter vereinbaren können, führt dies meist zu einer höheren Zufriedenheit bei den Mitarbeitern, wodurch wiederum das Unternehmen profitieren kann. Auch macht es ein Unternehmen für potenzielle Mitarbeiter attraktiv, die eine Familie haben. Sind Mitarbeiter mit der Gestaltung der Arbeitszeit und des Arbeitsumfeldes zufrieden, steigt erwiesenermaßen die Leistung und Verbundenheit für das Unternehmen.

Im Endeffekt zählt das Ergebnis

Da das Arbeitsverhältnis beim Modell des mobilen Arbeitens auf einem Vertrauensverhältnis basiert, ist die Überprüfung des Arbeitsergebnisses fast die einzige Möglichkeit des Arbeitsgebiets die Kontrolle über die Arbeit zu behalten. Unter Umständen kann auch vereinbart werden, dass der Arbeitgeber über das System Zugriff auf den mobilen Arbeitsplatz erhält. In jedem Fall ist bei diesem Modell ein hohes Maß an Eigeninitiative, Verantwortungsbewusstsein und Engagement durch den Arbeitnehmer gefragt. Auch können eine Ergebnisorientierung der Arbeit und damit verbundene Prämien einen Anreiz schaffen. Nur so kann mobiles Arbeiten zum Erfolg führen.

Arbeitszeit und Arbeitsschutz

Da außerhalb des Betriebes Kontrollmechanismen wegfallen, mit denen die Arbeitszeit des Mitarbeiters kontrolliert werden kann, muss der Arbeitgeber gewisse Schutzmechanismen im Vertrag verankern, die das Arbeitszeitgesetz, das Arbeitsschutzgesetz und die Bildschirmverordnung berücksichtigen.

Nach dem Arbeitsschutzgesetz gilt, dass Unfälle, die mit der Arbeit zusammenhängen, aber außerhalb des Betriebes passieren, trotzdem dem Versicherungsschutz unterliegen und als Arbeitsunfall anzusehen sind. Daher muss man als Arbeitgeber psychischen und physischen Gesundheitsrisiken so gut es geht vorbeugen.

Datenschutz

Auch beim Modell des mobilen Arbeitens muss der Arbeitgeber die Datensicherheit gewährleisten. Beispielsweise kann dies durch die Verwendung eines VPN-Netzwerkes erfolgen. Damit installiert der Arbeitgeber Schutzmechanismen, die die Datensicherheit auch außerhalb des Betriebes garantieren. Zudem sollte vertraglich festgehalten werden, wie der Arbeitnehmer mit den Daten umzugehen hat.
Der Arbeitnehmer sollte daher die betriebliche Software nur zum Zwecke der Arbeit verwenden, sowie den Arbeitsort und sämtliche Dateien vor Dritten sichern. Auch ist es zwingend notwendig, dass Arbeitnehmer im Homeoffice oder ähnlichem Schulungen zum Thema IT-Sicherheit besuchen. Zudem sollte im Arbeitsvertrag verankert werden, dass der Arbeitgeber oder Datenschutzbeauftragte bei Bedarf Zugang zum Arbeitsplatz haben dürfen.

Vertragliche Regelungen für das mobile Arbeiten

Ein gesetzlicher Anspruch auf Homeoffice besteht generell nicht. Jegliche Vereinbarungen diesbezüglich erfolgen individualvertraglich und nur durch Absprache zwischen den zwei Vertragspartnern. Jedoch muss, falls vorhanden, der Betriebsrat in die Erstellung des Modells eingebunden werden. Generell kann ein Unternehmen jedoch jedem Mitarbeiter ein Homeoffice ermöglichen, den sie als geeignet ansehen. Wichtig ist jedoch, dass sich der Arbeitgeber hinsichtlich aller bereits genannten Punkte absichert, um so wenig Konfliktpotenzial wie möglich zu bieten.

Praktische Umsetzung des mobilen Arbeitens

Um einen dezentralen Arbeitsplatz einzurichten, trägt der Arbeitgeber die Kosten und hilft dem Arbeitnehmer somit das Maximum an Leistung von unterwegs zu erbringen. Eine gute Ausstattung, sowie Anleitung führen daher langfristig zu einer erfolgreicher Zusammenarbeit, die optimale Arbeitsergebnisse liefert.

Die Chance des mobilen Arbeitens

Besonders in der Zeit, in der Fachkräfte händeringend gesucht werden und stark umkämpft sind, sind flexible Arbeitsmodelle ein enormer Pluspunkt für die Auswahl des Unternehmens. Es ist daher immer wichtiger als Unternehmen mit der Zeit zu gehen und die zunehmende Digitalisierung zu akzeptieren und sich zu Nutze zu machen.

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Disclaimer

Gastautor

Markus Mingers
Rechtsanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, Arbeitsrecht und Wirtschaftsrecht

Markus Mingers ist Rechtsanwalt im Bereich Wirtschaft sowie Arbeitsrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht. Seit mehr als 13 Jahren ist er als Anwalt tätig und Inhaber von Mingers & Kreuzer Rechtsanwälte. Von mehreren Kanzleistandorten u.a. Köln, München oder Jülich aus erstreitet er mit seinem Team Gelder aus Themen und Urteilen, die dem Verbraucher bis dahin unbekannt sind. Er ist Experte im Bereich Rückabwicklung Lebensversicherung, Widerruf Autokredit und Verbraucherdarlehen sowie im VW Abgasskandal und LKW Kartell. Bekannt ist Markus Mingers vor allem durch seine Auftritte bei n-tv oder RTL sowie als Experte von FOCUS Online, hier ist sein Rat im Verbraucherrecht zu aktuellen Themen gefragt.

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