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Das Gelingen der Elektromobilitäts-Wende hängt vom Personal ab

Gastautor: w:o Gastbeitrag
14.12.2017, 09:52  |  917   |   |   

Zwar ist es heute noch zu früh, um abschließend zu befinden, wann und selbst ob sich die Hinwendung der deutschen Automobilindustrie hin zur Elektromobilität vollziehen wird, da dies immer noch von der Klärung einiger Fragen abhängt. Was sich aber schon heute klar sagen lässt ist, dass eine solche Entscheidung für die Wende hin zur Elektromobilität eines bedeutet: Die deutsche Automobilindustrie wird hinsichtlich der Neustrukturierung ihres Personalbestandes dann vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte stehen.

Zurzeit arbeiten rund 812.000 Menschen in der Autoindustrie, davon sind rund 250.000 in Bereichen beschäftigt, die direkt an der Antriebstechnik hängen, da aber diese Technik unmittelbar an einen Verbrennungsmotor gekoppelt ist, sind diese Arbeitsplätze in unmittelbarer Gefahr. Hinzu kommen weitere 50.000 bis 100.000 Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie, die in Technikbereichen (Stoßdämpfer, Kupplung Partikelfilter etc.) arbeiten, die letztlich aber auch vom Vorhandensein eines Verbrennungsmotors abhängen, Damit wären auch diese Arbeitsplätze in Gefahr. Das heißt also, dass in der für uns so wichtigen Industrie fast jeder zweite Arbeitsplatz gefährdet sein könnte.

Allein die sozialverträgliche Ausgestaltung des Abbaus dieser Arbeitsplätze wird die Industrie vor eine ungeheure Aufgabe stellen. Ungleich wichtiger noch – weil in die Zukunft gerichtet - wird die Umschulung großer Teile der Belegschaft sein, denn dem Verschwinden alter Berufe steht die Schaffung neuer entgegen. Ein Schwerpunkt, der sich jetzt schon abzeichnet, wird auf der Software und Elektronik liegen, da beispielsweise die gesamte Entwicklungsarbeit softwarebasiert sein wird. Das ist eine ungeheure Herausforderung, denn schon heute übersteigt in Deutschland die Nachfrage an IT-Entwicklungstechnikern das verfügbare Angebot deutlich, und es ist heute schon absehbar, dass sich die Schere weiter öffnet. So gab es im vergangenen Jahr 42.000 offene IT-Jobangebote – und in diesem Jahr sind es schon 30 Prozent mehr. Dies hat dann zur Folge, dass deutsche Unternehmen einen Teil ihrer IT-Entwickler im Ausland anwerben oder Teile ihrer Entwicklungsarbeit ins Ausland verlegen. Beides stellt ein Unternehmen vor große Aufgaben. 

Kurzum: Im Falle der Entscheidung hin zur Elektromobilität steht die deutsche Automobilindustrie vor der Herkulesaufgabe, den Bestand ihres Personals umfassend neu zu strukturieren. Das heißt aber, dass die Unternehmen sich schon jetzt auf die Aufgabe vorbereiten müssen, diesen Prozess einzuleiten. Einige OEMs und vor allem die Systemlieferanten sind bereits dabei, mit Ihren Arbeitnehmervertretern Regelungen zu finden, wie Produkte und insbesondere die Montage von allen Automobil-Varianten, einschließlich der Elektromobile, neu aufzustellen sind. Dabei wird berücksichtigt, dass Mitarbeiter andere Aufgaben übernehmen werden müssen. Keine Frage, dies wird erhebliche Ressourcen in den nächsten Jahren binden – personell wie finanziell. Doch wird vom Erfolg der personellen Restrukturierung es letztlich abhängen, ob die Wende hin zur Elektromobilität überhaupt gelingen wird. 

Gastbeitrag von: Dr. Eckart Eller

Der Autor ist Gründer und Vorsitzender des Vorstands der EL-NET GROUP, einem auf Restrukturierung und Outplacement spezialisierten Personalberatungsunternehmen.



3 Kommentare

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Kommentare

Woher nehmen wir denn den Strom,wenn ein PKW ca. 17 kWh pro 100 km benötigt? In Deutschland sind ca. 60 Millionen PKW angemeldet. Das sollen mir die Grünen doch einmal vorrechnen.
Alleine die Kobaltvorräte dieer Erde reichen nur für einen Bruchteil der Batterien aus, die für eine mäßige Elektrifizierung des Personenverkehrs notwendig wären. Auch eine deutlich Reduzierung dieses Verbrauchs würde nichts an der Unmöglichkeit des Vorhanbens ändern! Bei Graphit ist es nicht anders! Und eine Elektrifizierung des Güterverkehrs über Batterien wäre dann immer noch ein Ding der Unmöglichkeit! Da die Grundvorraussetzung nicht gegeben sind, ist die Folgerung absolut obsolet! Batterietechnik wird zudem benörigt für die Autonomisierung der Produktionstechnik und Servicetechnik: Gebäudereingungstechnik, Robotertechnik, all das wird mobil werden und entsprechende Stromspeichertechnik benötigen. Dort ist sie viel effektiver und produktiver als in Autos! Zudem würde eine weltweites Verbot von Heizölfeuerungen und Ersatz durch Wärmepumpentechnik die Infrastruktur wesentlich weniger belasten und zugleich den Wirkungsgrad deutlich über dem von E-Autos liegen lassen und zudem deutlich kostengünstiger sein! Das eingesparte Heizöl kann über lange Zeiträume noch als hochenergetischer Treibstoff genutzt werden!
Und künftig geht es vor allem darum "selbst" gute Batterien zu bauen, weshalb beispielsweise "Cape Lambert" mit seinen Beteiligungen an verschiedenen Lithium und Kobalt Minen eine TOP Chance haben wird....

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