Unternehmen Achtung, die Zombies sind unter uns

Gastautor: Markus Richert
18.12.2017, 12:43  |  3981   |   |   

Sie sind der Schrecken jedes Horrorfilms und jeder Halloweenparty. Zombies, lebende Tote, die mit halb verwesten Gesichtern willenlos über die Erde wandeln. Bereits aus der Frühgeschichte gibt es Hinweise darauf, dass die Menschen glaubten und fürchteten, die Toten könnten zurückkehren und möglicherweise den Lebenden Leid antun. In den letzten Jahrzehnten spielten Zombies vor allem auf der Leinwand und in TV-Serien eine erfolgreiche Rolle und die Zuschauer in Angst und Schrecken versetzt. In der letzten Woche alarmierte die OECD die Öffentlichkeit mit einer neuen Studie zu Zombie-Unternehmen in Europa.

Als Folge der langanhaltenden Niedrigzinsen bleiben in Europa derzeit viele Unternehmen am Markt, die es nach den Gesetzen der Ökonomie gar nicht geben dürfte. Sie stecken tief in Schulden und sind teilweise auch nicht in der Lage, die von ihnen verkauften Produkte oder Dienstleistungen rentabel zu produzieren.

Normalerweise müssten diese Unternehmen schon lange Insolvenz angemeldet haben. Im Gegensatz zu den Untoten aus Hollywood, werden die Unternehmen jedoch durch das billige Geld der Banken künstlich am Leben gehalten. Dabei sind viele der kreditgebenden Banken ebenfalls schon lange mit dem Zombievirus infiziert. Unsolide finanziert scheuen sie davor zurück, die Kredite fällig zu stellen und damit den betreffenden Firmen den Todesstoß zu versetzen.

Die Gefahr selber mit in den Abgrund gerissen zu werden, erscheint wohl einigen Banken zu groß. Es ist wesentlich einfacher, sie mit weitere Krediten am Leben zu erhalten, die derzeit dank der Niedrigzinspolitik der EZB billig zu bekommen sind. Damit wird ein unheilvoller Teufelskreis in Gang gesetzt. Je schlechter es den Banken geht, desto stärker die Zombiefizierung einer Volkswirtschaft insgesamt.

Mittlerweile, so die OECD Studie, handelt es sich dabei nicht mehr nur um Einzelfälle, sondern um ein immer größer werdendes Problem. Nicht nur für die Banken, sondern zunehmend auch für die gesamte Volkswirtschaft. Denn die Zombie-Unternehmen bremsen den allgemeinen Aufschwung, weil diese die Ressourcen an verfügbaren Krediten reduzieren. Das für die Zombie-Unternehmen investierte Geld fehlt dann, wenn erfolgversprechende Unternehmen Kredite brauchen. Zombiefirmen halten die Produktivität zurück, weil sie Kredite, Investitionen und Fachkräfte binden, die in anderen Unternehmen besser und produktiver eingesetzt werden könnten. Das Wachstumspotenzial sei nicht zuletzt aus diesem Grund seit der Jahrtausendwende stetig gefallen, bemerken die Autoren der Studie.

Auffällig ist, dass in Ländern mit vielen Zombie Firmen die Zahl der Start-ups, als auch der Insolvenzen wesentlich geringer ist. Die OECD wertet das als Hinweis darauf, dass zu viele unproduktive Firmen künstlich am Leben gehalten werden.

Davon betroffen sind insbesondere die Volkswirtschaften in Südeuropa: Allein in Italien ist der Anteil des Kapitals, das in solchen Firmen gebunden ist, zwischen 2007 und 2013 von sieben auf 19 Prozent gestiegen. In Spanien hat sich der Anteil auf etwa 16 Prozent verdoppelt, auch in Portugal ist er deutlich gestiegen. Den mit Abstand größten Anteil (28 Prozent) von in eigentlich toten Unternehmen gebundenem Kapital gibt es, diese Ergebnis wird keinen ernsthaft überraschen, in Griechenland. Selbst in Deutschland liegt der Anteil der Untoten-Unternehmen laut der Studie mittlerweile bei 12 Prozent.

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