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Betriebliche Altersvorsorge Milliardenloch bei Börsencrash

Gastautor: Dieter Fischer
19.12.2017, 10:50  |  1288   |   |   

Die Versicherungsaufsicht Eiopa warnt vor größeren Problemen bei Betriebsrenten in Europa. Käme es zu einem größeren Börsencrash, stünden 700 Milliarden EUR im Feuer. Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin teilt die Sorgen.

Die in Frankfurt ansässige Eiopa hat 195 Betriebsrenten-Einrichtungen in 20 Ländern untersucht. Sie wollte wissen, was bei einem sogenannten Doppeltreffer-Szenario passiert: Börsencrash - fallende Zinsen - steigende Last der künftigen Verpflichtungen in den Büchern der Pensionseinrichtungen - starke Verluste in den Aktienportfolios. Das Ergebnis: Bereits heute übersteigen nach Berechnungen von Eiopa die Verpflichtungen das Vermögen der Betriebsrenten-Einrichtungen um 349 Mrd. EUR. Käme es zu einem schweren Börsencrah, wären es 702 Mrd. EUR, berichtet die Süddeutsche Zeitung. 

Die Folgen: Eigentlich müssten die Arbeitgeber die Lücke finanziell schließen oder zumindest ihre Zahlungen aufstocken (unterstellt, die Börsenkurse erholten sich nicht). Dennoch wären Kürzungen bei den Betriebsrenten möglich. Einige Firmen könnte die zu schließende Lücke überfordern, mutmaßt die Eiopa. Bei einem Viertel der Unternehmen würden die Nachzahlungen die Börsenwerte um mehr als 60 Prozent übersteigen.

Problem: Wie die Lebensversicherer haben auch der Betriebsrenten-Anbieter den Arbeitgebern hohe Garantiezinsen versprochen. In einer durch einen Börsencrash weiter verlängerten Niedrigzinsphase wären diese immer schwerer zu erwirtschaften 

Georg Thurnes, Chefmathematiker des Beraters Aon Hewitt, hält den Stresstest der Eiopa für Panikmache. Der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung zur SZ: "Die Situation der Betriebsrenten-Einrichtungen in Deutschland ist nicht rosig, aber auch nicht so gravierend, wie Eiopa sie darstellt". Die Garantiezinsen in den Büchern der Pensionskassen und -fonds seien im Vergleich zu dem, was momentan an den Märkten zu verdienen sei, durchaus hoch. Deshalb halte die Bafin die Arbeitgeber an, so viel wie möglich in die Betriebsrenten zu stecken: "Die Arbeitgeber stellen sich dieser Verpflichtung". 

(DIF) 

 

 

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