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Yves Longchamp (ETHENEA): Unter guten Bedingungen in das Jahr 2018

Nachrichtenquelle: Asset Standard
20.12.2017, 00:00  |  1560   |   |   

Dies war in mehrfacher Hinsicht ein gutes Jahr. Die Wirtschaftsdaten waren insgesamt besser als erwartet, denn das globale Wachstum hat sich beschleunigt, die Arbeitslosigkeit ging schneller zurück, und die Verbraucherpreise haben die gefährliche Deflationszone verlassen, ohne in die ebenso riskante Inflationszone zu geraten. Diese Entwicklungen haben sich positiv auf die Finanzmärkte ausgewirkt. Wir haben nun die Situation, dass einerseits die Aktienmärkte auf einem sehr hohen Niveau liegen und sich die Spreads von Unternehmensanleihen in einem engen Rahmen bewegen, während andererseits langfristige Renditen und Währungen weitgehend stabil geblieben sind. Gleichzeitig ist die Volatilität an allen Standards gemessen gering. Insofern startet die Weltwirtschaft unter guten Rahmenbedingungen ins Jahr 2018.

Abbildung 1 fasst diese positive Dynamik zusammen. Die erste Linie zeigt, wie sich die Wachstumserwartungen für die Eurozone über das Jahr verbessert haben. Vor genau einem Jahr, im Dezember 2016, lag die Prognose für das Wachstum der Eurozone bei 1,4 % für 2017 und bei 1,5 % für 2018 – man vergleiche das mit den aktuellen Zahlen von 2,3 % und 2,0 %. Als Maßstab haben wir die tatsächlichen Zahlen für Wachstum, Inflation und Arbeitslosigkeit im Jahr 2016 hinzugenommen sowie Informationen für weitere Wirtschaftsregionen. Allgemein gesprochen, erkennen wir positive Korrekturen der Prognosen aufgrund höherer Wachstums- und geringerer Arbeitslosenzahlen. Die Inflationsprognosen wurden in einigen Ländern hingegen nach unten korrigiert.


Grafik 1: Korrektur der Prognosen

Abbildung 1: Korrektur der Prognosen

Diese Statistik skizziert ein so gutes Umfeld, dass 2017 bald als das Jahr mit dem schnellsten Wachstum des weltweiten BIP in die Geschichte eingehen wird. Denn das reale BIP, ebenso wie das an der Kaufkraftparität gemessene, wuchsen im Jahr 2017 um 6,7 Billionen USD – stärker als 2007, dem letzten Wachstumsrekordjahr (Abbildung 2).


Grafik 2: Neues Rekordhoch weltweites BIP 2017

Abbildung 2: Das weltweite BIP erreichte 2017 ein neues Rekordhoch

Obwohl der Pessimismus, der auf die globale Finanzkrise (GFK) folgte, kontinuierlich zurückgegangen ist, wurde er dieses Jahr nicht von Euphorie abgelöst. Die GFK und die Eurokrise sind noch immer in lebhafter Erinnerung – und die Finanzmärkte sind nach wie vor mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert, für die keine Lösungen in Sicht sind:

  • Auf geopolitischer Ebene ist es Nordkorea
  • In China ist es die Instabilität des Finanzsystems
  • Die wirtschaftlichen Grundlagen der Euroländer sind noch zu unterschiedlich,
  • In den USA sind es der Konjunkturzyklus, der sich seinem Gipfel nähert, und die täglichen Tweets
  • Und letztendlich erleben wir weltweit ein sich schnell wandelndes und schwieriges Arbeitsumfeld, in dem Digitalisierung und Automatisierung neue Regeln vorgeben

Die Zukunft überrascht uns täglich aufs Neue, und man sollte jegliche Prognose mit Vorsicht genießen. Dennoch ist es unerlässlich, auch einen Blick in die Zukunft zu werfen. Dabei bildet das wahrscheinlichste Zukunftsszenario für uns die Benchmark, an der wir die Realität messen. Dies ist insofern sehr hilfreich, als dass es uns ermöglicht, unser laufendes Szenario rechtzeitig zu korrigieren und unsere Portfolios anhand der eingehenden Informationen adäquat anzupassen. Wir hoffen, dass Sie die Informationen in dieser Ausgabe der Investor Insights hilfreich finden.

Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft entwickelt sich gut und startet unter guten Bedingungen in das Jahr 2018. Laut der Bloomberg-Konsensprognose dürfte das weltweite BIP 2018 um 3,6 % wachsen, im Vergleich zu 3,5 % im Jahr 2017. Zudem ist die Anzahl der Länder, die sich in einer Rezession befinden, gering und wird sich voraussichtlich künftig noch weiter verringern. Der IWF berichtete, dass von den 194 abgedeckten Ländern 2016 nur 24 ein rückläufiges BIP (d. h. eine Rezession) verzeichneten. Er erwartet, dass diese Zahl 2017 auf 12 sinken und 2018 bei nur noch 6 liegen wird (Äquatorialguinea, Nauru, Puerto Rico, Südsudan, Swasiland und Venezuela). Zum Vergleich: Diese sechs Länder machen nur 0,4 % vom weltweiten BIP aus. Bei einem weltweiten BIP, das zu 99,6 % wächst, dürfte 2018 wohl ein Jahr werden, in dem man sich wohl fühlt!

Der IWF nimmt zudem an, dass die Verbraucherpreisinflation im kommenden Jahr um 3,2 % steigen wird, wie schon in diesem Jahr. Interessanter ist aus unserer Sicht, dass mit Ausnahme der Republik Kongo im kommenden Jahr kein Land mit Deflation konfrontiert sein wird. Zudem war in den vergangenen zehn Jahren auch ein rückläufiger Trend des Anteils der Länder mit hoher Inflation zu beobachten (siehe Abbildung 3). Sollten sich die Prognosen des IWF als zutreffend erweisen, wird die Inflation in 50 % der Länder im nächsten Jahr zwischen 0 % und 3 % liegen, was bedeutet, dass die Deflation tot und die Inflation noch nicht wieder auferstanden ist.


Grafik 3: Anteil Länder mit Deflation oder hoher Inflation

Abbildung 3: Der Anteil der Länder mit Deflation oder hoher Inflation ist zurückgegangen

Dem IWF zufolge könnte die Zeit der „Great Moderation“, die Anfang der 1980er-Jahre begann und mit der GFK spektakulär endete, letztendlich durchaus noch präsent sein. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die italienische Wirtschaft eine Schlüsselrolle in der Region spielen wird, da von ihr die Stabilität der gesamten Eurozone abhängt.

Der synchrone Aufschwung des Fertigungssektors ist in vollem Gange und kurbelt den Welthandel an. Der Baltic Dry Index, ein wirtschaftlicher Indikator, der Aufschluss über die Kosten für den Seetransport von Rohstoffen gibt, tendiert aufwärts, nachdem er zwischen 2008 und 2016 spektakulär eingebrochen war. Es scheint sogar eine Nachfrage nach neuen Schiffen zu geben. Auch zyklische Rohstoffpreise etwa für Kupfer und Öl steigen.

Weltweit sind die Wirtschaftsdaten ermutigend und legen nahe, dass der Trend, der 2017 zu beobachten war, wahrscheinlich anhält.

Wirtschaftswachstum in der Eurozone

Die Wirtschaftsindikatoren sind im Einklang: Die Eurozone wird wachsen – in den kommenden Monaten wahrscheinlich sogar noch schneller. Der Economic Sentiment Index der Europäischen Kommission signalisiert, dass die Wirtschaft schneller wächst, als die BIP-Daten nahelegen, nämlich um 4,1 % statt der bereits soliden 2,5 %. Dieser Indikator lässt wie auch die Einkaufsmanagerindizes keine Abschwächung erkennen. Dasselbe gilt für die vier bedeutendsten Volkswirtschaften der Eurozone, nämlich Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien, die etwa 75 % des BIP der Region ausmachen.

Was dieses Bild jedoch nicht zeigt, ist die Divergenz zwischen den Wachstumsentwicklungen der Mitglieder der Eurozone. Das BIP Deutschlands liegt heute mehr als 10 % über seinem vorherigen Spitzenwert im Jahr 2008, während es in Italien immer noch etwa 6 % unter dem vorherigen Spitzenwert liegt (Abbildung 4). Diese Divergenz veranschaulicht die gravierenden Unterschiede bei der Produktivität, die unter den Mitgliedern nach wie vor besteht. Trotz hoher Arbeitslosigkeit und Lohndeflation in den Peripherieländern ist Deutschland nach wie vor deutlich wettbewerbsfähiger als alle anderen Länder der Eurozone.

Grafik 4 - BIP Entwicklung in der Eurozone

Abbildung 4: Divergierende BIP-Entwicklungen in der Eurozone

 

Vor diesem Hintergrund halten wir Italien für die wichtigste Volkswirtschaft der Region, da von ihr die Stabilität der Eurozone abhängt. Solange es Italien gut geht, geht es der Eurozone gut. Umgekehrt gilt jedoch dasselbe. Aus unserer Sicht bestimmt Italien den risikofreien Zinssatz für den gesamten Kontinent, denn solange die italienische Regierung in der Lage ist, ihre Schulden zu günstigen Bedingungen zu refinanzieren, wie es heute der Fall ist, ist das gesamte System sicher. Italien hat seinen Haushalt jahrelang mit einem Primärüberschuss geführt, was von Sparsamkeit zeugt, war aber nicht in der Lage, seine Staatsschulden in den Griff zu bekommen, bevor die Zinssätze auf Allzeittiefs fielen.

Das Ende des Programms der quantitativen Lockerung der Europäischen Zentralbank (EZB), das unserer Erwartung nach im kommenden Jahr angekündigt wird, ist ein Ereignis, das wir sehr genau beobachten werden. Wenn die Renditen im Anschluss daran zu schnell steigen, kehrt das Problem der Tragfähigkeit der italienischen Schulden zurück und stellt unter Umständen die Stabilität der Eurozone erneut in Frage.

Genau dieses Zusammenspiel von günstigen Bedingungen – solides Wachstum, niedrige Inflation und lockere Geldpolitik – hat den Anreiz verdrängt, das Land zu reformieren. Nach unserem Wissen wurde die Reformagenda auf Landesebene nicht vorangetrieben, und es wurde kein bedeutender Fortschritt bei der Fiskalunion auf europäischer Ebene erzielt. Dieselben grundlegenden Schwächen sind nach wie vor vorhanden.

Solange die Inflation gedämpft bleibt und Mario Draghi als EZB-Präsident amtiert, dürften auch die Zinsen niedrig bleiben. Denn das Mandat der EZB ist die Gewährleistung der Preisstabilität, die als Verbraucherpreisinflation von nahe an, aber unter 2 % definiert ist. An dem Punkt sind wir aus der Sicht der meisten EZB-Ratsmitglieder noch nicht angelangt. Ihnen zufolge sind quantitative Lockerung und niedrige Zinsen daher der angemessene Maßnahmen-Mix.

Stellen wir uns vor, dass ein solides Wirtschaftswachstum und Verbesserungen am Arbeitsmarkt letztendlich den Teufel Inflation wecken und die EZB zwingen würden, ihre Geldpolitik schnell zu „normalisieren“. Das könnte die fragile Stabilität der Eurozone gefährden.

Glücklicherweise ist das konjunkturelle Bild in allen bedeutenden Volkswirtschaften der Eurozone weiterhin positiv, und die Inflation verhält sich immer noch gut, was das oben beschriebene Szenario recht unwahrscheinlich macht.

Die Konjunkturaussichten sind insofern sehr günstig, als dass der private Konsum, der eine Schlüsselrolle beim Aufschwung gespielt hat, von Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt angetrieben wird. Abbildung 5 veranschaulicht die starke Korrelation, die zwischen Beschäftigung, Verbrauchervertrauen und privatem Konsum besteht. Es gibt keinen Grund zu befürchten, dass der Arbeitsmarkt in nächster Zeit einen Dämpfer bekommt. Mit knapp 9 % ist die Arbeitslosigkeit immer noch hoch, sodass eher Spielraum für einen Rückgang gegeben ist.

Grafik 5: Arbeitsmarkt verleiht Konsum in der Eurozone Auftrieb

Abbildung 5: Ein starker Arbeitsmarkt wird wahrscheinlich dem Konsum in der Eurozone Auftrieb verleihen

Die Investitionen – die zweite Säule des Aufschwungs – sind bislang moderat. Sie haben sich in Einklang mit den Krediten entwickelt, die in der Folge der GFK schwach blieben. Mit der steigenden Industrieproduktion erhöht sich allmählich die Kapazitätsauslastung, und irgendwann wird der Bedarf an Investitionen in Anlagen notwendig, sodass auch die Investitionsausgaben anziehen werden. Wenn es zu dieser Entwicklung kommt, wird der Zyklus länger andauern.

Die Konjunkturaussichten für Europa sehen auf der Basis der heutigen Wirtschaftsdaten gut aus, sodass mit einem weiteren Wachstum der Wirtschaft im nächsten Jahr zu rechnen ist. Andererseits müssen wir im Auge behalten, dass die Erwartungen bereits hoch sind und dass die Eurozone ein fundamental fragiles Konstrukt bleibt.

Gute Leistung der US-Wirtschaft

In den USA hat sich die Wirtschaft über das gesamte Jahr 2017 gut entwickelt, wobei sich das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte sogar noch beschleunigt hat. Die Arbeitslosigkeit ist weiter zurückgegangen, und die aktuellen Konjunkturaussichten sind zweifellos positiv. Wir bleiben jedoch bei unserem Szenario, dass sich die US-Wirtschaft in einer späten konjunkturellen Phase befindet¹.

Zwei Hinweise sind aus unserer Sicht besonders überzeugend: Erstens geht die Zahl neu geschaffener Stellen allmählich zurück. In den vergangenen zwölf Monaten stieg die Zahl der Beschäftigten außerhalb des Landwirtschaftssektors im Durchschnitt um 170.000 pro Monat. Im Vergleich hierzu waren es im Vorjahr 200.000, und im Jahr davor sogar 230.000.

Zweitens genießt die Renditekurve weithin den Ruf, ein Frühindikator für eine Rezession zu sein. Ihre Aussagekraft ergibt sich aus ihrer Steilheit, d. h. dem Unterschied zwischen den Niveaus der langfristigen und der kurzfristigen Zinsen oder zwischen den 10-jährigen Renditen und der Fed Funds Rate, wie in Abbildung 6 dargestellt. Wenn die Steilheit gemäß dieser Definition die Nulllinie kreuzt, spricht man von einer inversen Renditekurve. Allen Rezessionen der vergangenen 50 Jahre ging ausnahmslos eine inverse Renditekurve voraus, die sie somit korrekt vorhergesagt hat.

Grafik 6: Spätes Stadium Konjunkturzyklus in USA
 

Abbildung 6: Spätes Stadium des Konjunkturzyklus in den USA

Die Steigung der Kurve ist eindeutig positiv, da ihre Steilheit bei etwa 100 Basispunkten liegt. In Relation zur derzeitigen Arbeitslosenquote ist sie jedoch ungewöhnlich steil. Dies ist nicht durch die langfristigen Zinssätze bedingt, da diese auf historischen Tiefständen liegen, sondern durch den von der Fed festgesetzten kurzfristigen Satz. Die Fed und viele andere Zentralbanken haben die kurzfristigen Zinssätze länger als in der Vergangenheit niedrig gehalten, was es schwieriger als früher macht, die gesamte Renditekurve zu lesen. Die Fed normalisiert nur ganz allmählich ihre Geldpolitik. Dieser langsame Prozess erzeugt künstlich Steilheit und könnte Anleger in die Irre führen oder anders herum. Die in Relation zur Steilheit sehr niedrige Arbeitslosigkeit deutet darauf hin, dass die Fed in der Lage ist, den Zyklus länger als erwartet auszudehnen.

Laut der jüngsten Bekanntgabe der FED gab es 2017 insgesamt drei Leitzinserhöhungen, und möglicherweise werden im kommenden Jahr drei weitere um jeweils 25 Basispunkte folgen. Wenn wir außerdem davon ausgehen, dass die langfristigen Zinsen im nächsten Jahr weitgehend unverändert bleiben, wäre die Steilheit der Kurve um Heiligabend 2018 herum verschwunden. Sollte dieses Szenario eintreten, wäre Ende 2019 ein möglicher, aber früher Zeitpunkt für den Beginn der nächsten Rezession und 2018 das letzte Jahr des aktuellen Konjunkturzyklus.

Während das Szenario eines späten Konjunkturzyklus absehbar ist, gibt es Hinweise aus der Vergangenheit, dass dies für den Aktienmarkt nicht zutrifft. Wir haben gezeigt², dass sich der Aktienmarkt in dieser Phase bis zwölf Monate vor Beginn einer Rezession üblicherweise positiv entwickelte. Wenn wir uns an der Vergangenheit orientieren, wird 2018 wahrscheinlich ein weiteres attraktives Jahr für Aktien werden.

Dennoch ist das „R-Wort“ weder in den Köpfen von Anlegern noch von Ökonomen. Schließlich eilen die Aktienmärkte von Höchststand zu Höchststand. Frühindikatoren und Verbrauchervertrauen deuten auf ein weiterhin solides Wachstum hin. Die Konjunkturaussichten für die USA sind dieselben wie für Europa – sie sind gut.

Um beim Vergleich der USA mit der Eurozone zu bleiben, spielt der private Konsum eine wichtige Rolle beim Aufschwung in den USA (Abbildung 7). Nach unserer Einschätzung dürfte sich der private Konsum auch weiterhin gut halten, da auf dem Arbeitsmarkt ständig neue Stellen entstehen, die Löhne allmählich steigen und das Verbrauchervertrauen hoch ist.

Grafik 7: BIP-Wachstum in USA

Abbildung 7: BIP-Wachstum der USA

 

Die jüngste Beschleunigung des BIP-Wachstums ist auf die Verbesserung der Entwicklung der Handelsbilanz und auf die Rückkehr einiger Investitionen zurückzuführen. Die Aussichten für Investitionen sind jedoch weiterhin mäßig, da sich an den Kreditkennzahlen kein positiver Impuls ablesen lässt. Ähnlich wie in der Eurozone sollten positive Wachstumsaussichten in Verbindung mit zunehmender Kapazitätsauslastung zu Investitionsausgaben führen, die den Zyklus verlängern.

Auf der Grundlage der derzeitigen Wirtschaftsdaten ist unser Konjunkturausblick für die USA positiv. Wir gehen davon aus, dass die Wirtschaft im kommenden Jahr ein solides Wachstum verzeichnen, und die Fed ihre Geldpolitik weiter normalisieren wird. Wir werden den Verlauf der Renditekurve und die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt genau im Auge behalten, weil sie frühzeitig Hinweise auf den Stand des Konjunkturzyklus liefern könnten.

¹ http://www.ethenea.com/eo/media?id=3512

² http://www.ethenea.com/eo/media?id=3512

Reformpläne in China

China befindet sich in einem ständigen Wandel. Die Zutaten für den Erfolg von gestern sind nicht dieselben wie die von morgen, und können heute sogar eine Gefahr sein. Das Politbüro ist sich darüber absolut im Klaren und wird dementsprechend in den kommenden fünf Jahren Reformen umsetzen, um die Wirtschaft Chinas auf die Zukunft vorzubereiten.

Auf dem 19. Parteitag im Oktober 2017 kündigte Xi Jinping, der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas und Präsident der Volksrepublik China, unter anderem drei Reformen an, die für Anleger von besonderem Interesse sind:

  • Die Restrukturierung und Stärkung staatseigener Unternehmen
  • Die Entschuldung des Finanzsystems und eine moderate Wohnungspreisinflation
  • Die Bekämpfung von Armut und die Verbesserung der Wachstumsqualität

Alle diese drei Ziele betreffen den heimischen Markt und sollen zum einen bedeutende wirtschaftliche Schwächen und die Instabilität des Finanzsystems ausräumen, und zum anderen das Wohlergehen der chinesischen Bevölkerung verbessern.

Die staatseigenen Unternehmen kennzeichnet eine hohe Verschuldung in Verbindung mit geringer Produktivität in Sektoren, in denen hohe Überkapazitäten bestehen. Nach der GFK stiegen die Kredite an Nicht-Finanzinstitute von 100 % des BIP auf heute 165 % (Abbildung 8). Mit diesen massiven Kreditspritzen seitens der Regierung lässt sich weitestgehend die solide wirtschaftliche Leistung der vergangenen zehn Jahre erklären. Doch mittlerweile werden das hohe Maß der Verschuldung und die geringe Produktivität als potenzielle Risiken betrachtet.

Grafik 8: Chinesische Schulden in Prozent vom BIP

Abbildung 8: Chinesische Schulden in Prozent vom BIP

 

Das Reformieren der staatseigenen Unternehmen bedeutet nichts anderes als die Schließung der weniger produktiven Betriebe und die Restrukturierung der übrigen, um die nationalen Spitzenreiter von morgen zu schaffen und sie letztendlich auf den weltweiten Wettbewerb vorzubereiten. Dieser Restrukturierungsprozess wird dabei sowohl gesellschaftliche, als auch finanzielle Kosten verursachen, da einige Arbeitnehmer ihre Stellen verlieren werden und einige Kredite nicht zurückgezahlt werden.

Die vier staatseigenen Banken, die zugleich die größten Banken der Welt sind³, haben die staatseigenen Unternehmen mit Krediten finanziert und sind nun mit einem großen Anteil der faulen Kredite konfrontiert, die vom Finanzsystem absorbiert werden müssen. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass einige dieser faulen Kredite zurzeit auf spezielle Vehikel übertragen werden, die in den Bilanzen dieser Mega-Banken nicht erscheinen. Diese Kredite werden dann neu verpackt und an Investoren verkauft, die eine höhere Rendite anstreben als die, die sie üblicherweise auf Einlagenkonten bekommen.

Bei diesen Vehikeln handelt es sich um Finanzinstitute aus dem Nichtbanken-Sektor, auch Schattenbanken genannt, die einer schwachen Regulierung unterliegen. Aus Sicht des Bankensystems insgesamt stellt die Zunahme risikobehafteter Vehikel außerhalb des streng regulierten Bankensystems ein systemrelevantes Risiko dar. Auch wenn dies auf allen Ebenen der chinesischen Regierung bestens bekannt ist, bleibt es dennoch ein Risiko.

Die erwarteten Reformen der Regierung betreffen aber auch einen weiteren bedeutenden Sektor der chinesischen Wirtschaft. Die Immobilienpreise sind in den letzten Jahren rasant gestiegen, insbesondere in den Tier-1-Städten (Abbildung 9). In China hat der Mangel an Anlagemöglichkeiten die Bürger dazu veranlasst, eine Wohnung zu kaufen, was zur Entstehung einer Mittelklasse und der Entwicklung des Massenkonsums beigetragen hat.

Grafik 9: Wohnungspreise in China

Abbildung 9: Wohnungspreise in China

 

Doch die Wohnungspreise sollen nicht weiter ungebremst ansteigen, denn „Wohnungen werden gebaut, um bewohnt zu werden, und nicht zum Spekulieren“, sagte Xi Jinping⁴. Durch die explodierenden Preise werden die Wohnungen für die meisten Menschen unerschwinglich. Gerade diejenigen, die zum ersten Mal Wohneigentum erwerben möchten, werden dadurch allmählich vom Markt ausgeschlossen. Zudem gehen Spekulation und Blasenbildung Hand in Hand, was dramatische Konsequenzen für die privaten Haushalten und das Finanzsystem hat, sobald die Blase platzt. Daher hat sich die Regierung das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Wohnungspreisinflation zu dämpfen, ohne jedoch einen Abverkauf auszulösen.

Neben den beiden oben beschriebenen Zielen, die im Hinblick auf das Wachstum zweifellos einen restriktiven Charakter haben, verlagern sich Chinas Ambitionen auf kluge Weise weg vom Bestreben nach einem rein quantitativem Wachstum, hin zur Schaffung qualitativen Wachstums. „Schönes China“, ein Synonym für eine saubere Umwelt und besseres Wohlergehen nach den Worten von Xi Jinping, bedeutet, dass Wachstum um jeden Preis nicht länger das primäre Ziel ist.

All diese Reformen deuten in letzter Konsequenz darauf hin, dass sich das zyklische Wachstum Chinas in den kommenden Jahren abschwächen wird. Es geht nicht nur die Bautätigkeit zurück, auch die Stabilität der Wohnungspreise setzt der Schaffung von Wohlstand vieler Haushalte eine Obergrenze und ist daher ein Hemmschuh für den Konsum. Dabei ist zu beachten, dass die Regierung Verbraucherkredite entwickelt, um ein Gegengewicht hierzu zu schaffen.

China hat uns mehr als einmal mit seiner Robustheit und mit seiner Fähigkeit überrascht, Probleme schneller zu lösen, als dieser Satz geschrieben ist! Im Januar 2016 beispielsweise, als die chinesischen Aktienmärkte einbrachen und die Währungsreserven dahinschmolzen wie Schnee in der Sonne, packte die „sichtbare Hand“ kräftig zu und stellte das Vertrauen wieder her. Mit diesem Beispiel vor Augen sollte uns klar sein, dass es selten eine gute Strategie ist, die chinesische Regierung zu unterschätzen. Selbstgefälligkeit ist das genaue Gegenteil von Unterschätzung; und auch hier müssen wir im Hinterkopf behalten, dass politische Fehler von Zeit zu Zeit vorkommen können.

Die Bekämpfung von Armut ist wahrscheinlich eher eine Utopie als ein realistisches Ziel, aber eine Landreform, die Landbesitz in ländlichen Gebieten einführen würde, könnte viele Menschen aus der Armut führen. Wenn man etwas besitzt, kann man es verpfänden, um einen Kredit zu bekommen, den man für den Kauf einer Maschine, die Steigerung der Produktivität und für ein besseres Leben verwenden kann. Neben dieser Reform würde eine Steuerreform, die lokalen Regierungen ermöglicht, Erlöse mit Land und Immobilien zu generieren, für einen kontinuierlichen Erlösstrom sorgen, statt einige Bezirke zu zwingen, Land zu verkaufen. Derartige Reformen werden in Zukunft umgesetzt, wodurch sich das Wachstumspotenzial massiv erhöht.

Zurzeit ist China jedoch mit Problemen konfrontiert, die so groß sind wie seine Bevölkerung und die in relativ kurzer Zeit gelöst werden müssen. Die Ungleichgewichte im Land sind enorm. Einerseits sind die Wachstumsprognosen weiterhin gut, wobei es eher ein statistisches Detail ist, ob die Wirtschaft nun um 6 % oder um 7 % wächst, aber andererseits ist und bleibt das Finanzsystem labil. Immer wenn China seinen Griff lockerte, geriet das Finanzsystem unter Druck. Vor diesem Hintergrund vollziehen die chinesische Regierung und insbesondere Xi Jinping einen Drahtseilakt. Fehler können sie sich kaum leisten.

³ http://www.snl.com/web/client?auth=inherit#news/article?id=40223698&am ...

https://www.bloomberg.com/news/articles/2017-10-18/xi-renews-call-hous ...

Fazit

Die Weltwirtschaft wird unter guten Bedingungen in das Jahr 2018 starten. Jedoch könnten drei Risiken die Aussichten möglicherweise trüben: eine Abschwächung des Wachstums, die darauf hindeutet, dass wir näher am Ende des Zyklus sind als derzeit angenommen, ein Anziehen der Inflation, das die Renditekurven in die Höhe treiben würde, und die Instabilität des chinesischen Finanzsystems.

Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie fröhliche Feiertage und ein erfolgreiches neues Jahr. Möge 2018 ein gutes Jahr werden!

 

 

 

 

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