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Vereinigtes Königreich: Produktion und Investition unterdurchschnittlich

21.12.2017, 10:35  |  3979   |   |   

Der Internationale Währungsfonds warnte vor den Folgen des Brexit für Großbritannien. Der IWF gab am Mittwoch seinen Ausblick für die britische Wirtschaft bekannt und prognostizierte für 2018 ein BIP-Wachstum von 1,5 Prozent - gegenüber 1,6 Prozent im Jahr 2017. Ein Scheitern der Verhandlungen mit der EU könnte schwere Folgen haben.

"Trotz einer kräftigen Erholung des globalen Wachstums und einer starken makroökonomischen Politik haben die Auswirkungen der Entscheidung, aus der Europäischen Union auszusteigen, die private Binnennachfrage belastet", schreibt der IWF in seinem am Mittwoch veröffentlichten Länderbericht zu Großbritannien.

"Unsere Prognose für 2018 liegt bei 1,5 Prozent, da die Unsicherheit über die Form des Brexits höchstwahrscheinlich fortbesteht und die Inflation über dem Ziel bleibt", sagte IWF-Geschäftsführerin Christine Lagarde am Mittwochmorgen in London. "Je weniger Unsicherheit, desto größer das Aufwärtsrisiko - je mehr Unsicherheit, desto mehr ist die Prognose gefährdet."

Inmitten eines weitgehend einheitlichen globalen Wachstums verliert die britische Wirtschaft infolge der (Brexit-)Entscheidung - höhere Inflation, Druck auf die Löhne, verzögerte Investitionen allein aufgrund der Unsicherheit", fügte Lagarde hinzu. Der IWF prognostizierte im September für 2017 und 2018 ein globales Wachstum von 3,6 Prozent und 3,7 Prozent.

Inflation, Produktion und Investition unterdurchschnittlich

Der IWF erwartet, dass sich die Inflation in den kommenden Monaten abschwächen wird, wenn auch nicht unter den Zielwert der Bank of England von 2 Prozent. Die Inflation erreichte im November 3,1 Prozent, was auf einen anhaltenden Druck auf Einkommen und Konsum der privaten Haushalte hindeutet.

Das Produktivitätswachstum bleibt auch weiterhin eine Last für das Land und wurde als "extrem schwach" bewertet. Neue Handelshemmnisse für den grenzüberschreitenden Waren- und Arbeitsfluss werden die Produktivitätsleistung negativ beeinflussen, warnte der IWF.

Lagarde beschrieb das Vereinigte Königreich als "unterinvestiert", wenn es um Infrastruktur und Innovation ging. Die Unternehmensinvestitionen liegen bei 2,1 Prozent, eine Zahl, von der sie glaubte, dass sie bei 6 Prozent liegen sollte.

Staatsverschuldung und doch noch ein Lob

Die Staatsverschuldung Großbritanniens liegt bei beachtlichen 87 Prozent des BIP - was im internationalen Vergleich hoch ist. Positiv zu vermerken ist, dass der IWF die britische Regierung dafür lobte, dass sie es geschafft hat, ihr Defizit seit der Finanzkrise durch eine nachhaltige Konsolidierung deutlich zu reduzieren.

Die Folgen eines Scheitern der Brexit-Gespräche sind für das Land kaum fassbar. Ein ungeordneter Austritt aus der EU könnte zu einem Einbruch an den Finanzmärkten führen. Vor diesem Hintergrund könnte Großbritannien gut beraten sein, wenn es die EU-Übergangsregelung nach dem Brexit akzeptiert. Die Europäische Union bietet der britischen Regierung im Anschluss an den Brexit eine Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2020 an. Das teilte EU-Unterhändler Michel Barnier in Brüssel und nach Rücksprache mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit, so die ZEIT.

Während der Übergangsphase müsste sich das Land sowohl an alle Regeln des EU-Binnenmarkts und der Zollunion halten sowie neue Entscheidungen und die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshof anerkennen, so die ZEIT. Gleichwohl wird die Regierung in London keine Mitsprache mehr in den europäischen Institutionen haben, machte Michel Barnier klar.

Bisher hieß es, dass Großbritannien während der Übergangsphase nach dem Brexit alle Vorteile des EU-Binnenmarkts und der Zollunion genießen werde, ohne aber noch im Europäischen Rat, in der EU-Kommission oder im Parlament vertreten zu sein, so der SPIEGEL.

Großbritannien tritt Ende März 2019 aus der Europäischen Union aus. Der Zeitrahmen wird immer enger.

 

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