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Sechs wichtige Fragen an das Jahr 2018

21.12.2017, 14:33  |  1120   |   |   

Nach Jahren anhaltenden globalen Wachstums und steigender Kurse könnte das kommende Jahr Anleger mit eine Reihe möglicher Wendepunkte konfrontieren. Sechs Anlagethemen sind dabei besonders interessant.

Nach Jahren kontinuierlichen globalen Wachstums hat sich die weltwirtschaftliche Expansion im Jahr 2017 noch einmal beschleunigt. Das hat sich positiv auf die Stimmung an den Märkten und die Kurse ausgewirkt. Trotz politischer Unsicherheiten sowie steigender Zinsen in den USA und in Großbritannien erwiesen sich die Märkte als widerstandsfähig. Selbst der Kurswechsel großer Zentralbanken in Bezug auf das Quantitative Easing hatte nur wenig Einfluss.

Vor diesem Hintergrund beleuchtet Insight-Investment, eine Tochter von BNY Mellon, eine der größten Vermögensverwaltungen weltweit, sechs wichtige Fragen, die Anlagespezialisten und Anleger derzeit beschäftigen.

Die erste Frage: Wie nachhaltig ist das globale Wachstum?

Hintergrund: Nachdem sich das Wirtschaftswachstum besser entwickelte und sich nicht mehr auf die USA konzentrierte, verbesserte sich die Anlegerstimmung 2017. Die Arbeitslosigkeit in den Industrieländern ging zurück, und viele Aktienmärkte erreichten neue Höchststände.

Die Analyse: Im Vergleich zu den Niveaus vor der Finanzkrise wächst die Weltwirtschaft stetig und die entwickelten Märkte verfügen nach wie vor über freie Kapazitäten. Dies steht im Gegensatz zu den Jahren 2005-2007, als die entwickelten Märkte bereits überaus ausgelastet waren – was zu einem Anstieg der Importe von Waren und Dienstleistungen aus den Schwellenländern führte. Im Nachhinein betrachtet, war dies eindeutig nicht nachhaltig. Die gegenwärtige Wachstumsrate sieht stabiler aus und könnte wohl noch einige Jahre andauern, auch wenn Risiken bestehen bleiben – einschließlich des Potenzials für politische Entwicklungen, die die wirtschaftlichen Aussichten verändern könnten. Vor diesem Hintergrund werden Credits und risikoreichere Anlagen, wie z.B. in Schwellenländern, weitgehend unterstützt.

Zweite Frage: Kommt das quantitative Tightening?

Hintergrund: Die EZB hat erklärt, dass sie das Tempo ihrer monatlichen Anleihekäufe von 60 Milliarden Euro ab Januar 2018 reduzieren wird, während die US-amerikanische Notenbank damit begonnen hat, ihre Bilanz um zehn Milliarden US-Dollar pro Monat zu reduzieren und diesen Betrag alle drei Monate um zehn Milliarden Dollar zu erhöhen, bis dieser 50 Milliarden Dollar erreicht.

Analyse: Vorerst wird die Bank of Japan ihr derzeitiges Programm bis 2018 fortsetzen, was es der japanischen Wirtschaft ermöglichen wird, das Inflationsziel der Bank von 2 % bis 2019 zu erreichen. Bis zum vierten Quartal 2018 wird das monatliche Tempo der Käufe von Vermögenswerten durch die großen Zentralbanken insgesamt sehr niedrig sein, da die Käufe in Europa und Japan durch die erwartete Reduzierung der monatlichen Bilanzsumme um 50 Mrd. $ in den USA nahezu aufgewogen werden. Da die festverzinslichen Anlagen mit über 8 Billionen Dollar immer noch negative Renditen aufweisen, wird die Reaktion des Marktes im Jahr 2018 auf eine weitere schrittweise Normalisierung der Politik ein Schlüsselfaktor sein, den es zu beobachten gilt. Die Zentralbanken werden einen allmählichen Anstieg der Renditen wünschen, um das Risiko einer Erschütterung der Finanzmärkte zu verringern.

Dritte Frage: Welche Auswirkungen haben die sehr unterschiedlichen Entwicklungen in den Schwellenländern?

Hintergrund: Die Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich verbessert, mit einer breit abgestützten Wachstumsbeschleunigung. Dies unterstützt generell Anlagen in Schwellenländern. Trotzdem variieren die Bewertungen der Schwellenländer je nach Markt und Region erheblich.

Analyse: Die nächsten Jahre könnten eine große Chance für die Schwellenländer sein, die aufgrund der Exporte und der Rohstoffpreise generell empfindlicher auf den globalen Konjunkturzyklus reagieren. Die Renditen sind auch im Vergleich zu den entwickelten Märkten attraktiv, und zwar sowohl für Staatsanleihen in lokaler Währung als auch für Unternehmensanleihen in Hartwährung. Die regionalen und marktbedingten Unterschiede innerhalb der Schwellenländer sind hoch, wobei die Bewertungen führender Indizes stark variieren. Diese Unterschiede, kombiniert mit politischen Risiken, sowohl auf nationaler Ebene in bestimmten Ländern als auch aufgrund der globalen Risiken, wird einen flexiblen Investment-Ansatz im Jahr 2018 zu einem wichtigen Faktor machen.

 

Vierte Frage: Wie sehr profitieren Hochzinsanleihen vom weltweiten Aufschwung?

Hintergrund: Sogenannte Rising Stars sind Emittenten, die von High Yield auf Investment Grade heraufgestuft werden. Gefallene Engel sind Emittenten, die auf High Yield herabgestuft werden. Die Zahl der Rising Stars ist nun zum ersten Mal seit 2014 höher als die Zahl der gefallenen Engel.

Analyse: Wenn sich das globale Wachstum verstärkt, verbessert sich die Kreditdynamik im Allgemeinen, insbesondere für diejenigen, die am stärksten vom Konjunkturzyklus betroffen sind. Für High-Yield-Investoren ist dies ein wichtiges Anlagethema, da etablierte Unternehmen aufgewertet werden, wodurch sich die Spreads ihrer Schulden im Vergleich zu Staatsanleihen verengt, während die positive Stimmung neuen Emittenten den Markteintritt ermöglicht und neue Chancen eröffnet. In den Jahren 2015 und 2016 waren die Unternehmen der Sektoren Öl und Gas sowie Bergbau besonders negativ betroffen. Die Situation stabilisierte sich als die Rohstoffpreise zu steigen begannen. Unternehmen, die die Kosten unter Kontrolle hatten und Schulden abbauten, haben seither davon profitiert. So musste Anglo American - eines der größten Bergbauunternehmen der Welt – im Jahr 2016 eine Bonitätsverschlechterung hinnehmen, die erst 2017 wieder höhergestuft wurde. Wenn sich die Dynamik der Weltwirtschaft bis 2018 fortsetzt, dann dürfte sich auch die starke technische Dynamik im High-Yield-Markt fortsetzen.

 

Fünfte Frage: Welche Chancen bieten Asset Backed Securities auf der Suche nach Werthaltigkeit?

Hintergrund: In den Köpfen vieler Investoren werden  Asset Backed Securities (ABS) nach wie vor  mit der Finanzkrise assoziiert. Im Markt kann der wahre Wert daher Anleger oft überraschen.

Analyse: So sind beispielsweise britische Residential Mortgage Backed Securities (RMBS) auch während der Höhe der Finanzkrise nie am oberen Ende der Kapitalstruktur ausgefallen. Laut einer Analyse von JP Morgan bieten Senior UK RMBS-Investitionen den Anlegern genügend Schutz, um 56-mal den maximalen Verlusten standzuhalten, die in der größten britischen Immobilienkrise in den frühen 1990er Jahren zu verzeichnen waren. Viele ABS-Märkte – darunter UK RMBS, Global Collateralised Loan Obligations und innovativere Lösungen im Bereich Private Lending – bieten beträchtliche Kreditrisikoprämien gegenüber vergleichbaren Unternehmensanleihen, was die relative Komplexität der Vermögenswerte widerspiegelt. Diese Spread-Divergenz hat sich im Laufe des Jahres 2017 ausgeweitet. Dies bietet eine attraktive Möglichkeit für Investoren, in einem Umfeld niedriger Renditen und geringer Kreditaufschläge attraktive risikoadjustierte Renditen zu erzielen, ohne zusätzliche Kreditrisiken eingehen zu müssen.

 

Sechste Frage: Wo liegen beim Thema Nachhaltigkeit die größten Chancen?

Hintergrund: Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen (ESG) werden für Investoren immer wichtiger. Insbesondere im Anleihen-Bereich ergeben sich neue Chancen.

Analyse: Die Emission von spezialisierten Nachhaltigkeitsanleihen, wie z.B. Green Bonds, nimmt rasant zu und die Investmentmanager müssen ESG in ihre Anlageprozesse integrieren. Die erste Gleichstellungsanleihe wurde 2017 emittiert mit Zeichnungen über dem 20-fachen des Ausgabebetrags. Neuemission von Green Bonds in Euro und US-Dollar erhielten Zeichnungen, die im Durchschnitt mehr als doppelt so groß waren wie das Emissionsvolumen im Jahr 2016 und im ersten Halbjahr 2017. In einer Umfrage von YouGov, die von der UK Sustainable Investment and Finance Association in Auftrag gegeben wurde, meinten 57% der britischen Rentner dass Investment-Management- Gesellschaften eine Verantwortung dafür tragen, dass die Unternehmen, in die sie investieren, auf eine Weise geführt werden, die positiv für die Gesellschaft und die Umwelt ist. BNY Mellon erwartet für 2018 weitere Innovationen auf dem Markt für Impact Bonds, da das Bewusstsein wächst und Investoren zunehmend darauf bedacht sind, sowohl finanzielle als auch nicht-finanzielle Ziele in Einklang zu bringen.

Der komplette Marktausblick als PDF-Dokument.

(MvA)

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