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Ausblick 2018 Japan: Zehn möglicherweise überraschende Marktentwicklungen im Jahr 2018

Gastautor: w:o Gastbeitrag
02.01.2018, 09:26  |  1915   |   |   

Alljährlich legen Wirtschaftsexperten und Strategen zu dieser Zeit ihre Prognosen für
das kommende Jahr vor. Quantitative Prognosen beruhen auf
Wahrscheinlichkeitsmodellen, die zwangsläufig von einer zwischen der vergangenen
und künftigen Entwicklung bestehenden Korrelation ausgehen. Qualitative Szenarien
basieren dagegen in gewisser Weise auf einer Kombination aus Erfahrung und
gesundem Menschenverstand. In beiden Fällen lassen die angewandten Methoden
offenbar meist nur wenig Spielraum für die Diskussion von echten Extremszenarien
und Überraschungen.

Der vorliegende Beitrag unternimmt den Versuch, diese Lücke zu schließen. Er stellt
Extremszenarien dar, die sich aus meiner Sicht drastisch auf Anlageoptionen in Japan
auswirken könnten. Bereits definitorisch liegen diese zehn überraschenden
Entwicklungen außerhalb des Marktkonsenses. Vor allem sollen sie aber den Leser zu
selbstständigem Denken anregen. So unwahrscheinlich die Szenarien erscheinen
mögen, würde eine Entwicklung in Richtung ihrer Extreme doch nahezu zwangsläufig
zu einer Kehrtwende im Marktkonsens führen. Ich wünsche Ihnen eine spannende
Lektüre und ein gutes und erfolgreiches Jahr 2018.

1) Premierminister Abe besucht Pjöngjang und vereinbart eine
Modernisierung der nordkoreanischen Infrastruktur im Volumen von
USD 1 Bio. unter Federführung Japans

Zum Ende des Jahres 2017 sollte man nicht unbedingt von einer positiven Wendung
bei der Lösung der Probleme im Zusammenhang mit Nordkorea ausgehen. Dennoch
erscheint der Weg zu einer konstruktiven Lösung noch immer möglich – unter der
Voraussetzung, dass sich unter den Akteuren Besonnenheit durchsetzt. Aus Sicht der
wirtschaftlichen Entwicklung passen Nordkorea und Japan perfekt zusammen: auf der
einen Seite Rohstoffe und Arbeitskräfte in Hülle und Fülle, auf der anderen Seite
weltweit führende Technologien und verfügbares Kapital. Premierminister Abe hat sich
als Förderer von Infrastrukturprojekten unter der Führung Japans eine herausragende
Reputation aufgebaut. Eine konstruktive Einbindung von Nordkorea würde nicht nur
der japanischen Konjunktur entscheidende Impulse verleihen, sondern sicher auch ein
historisches Erbe schaffen, mit dem Abe zu einem Kandidaten für den
Friedensnobelpreis würde. Ein leider unwahrscheinliches Szenario – das Gleiche gilt
aber auch für eine friedliche Lösung des Konflikts ohne engere Kooperation auf
wirtschaftlicher Ebene. Aus meiner Sicht wird es früher oder später dazu kommen.

2) Ein beschleunigtes Nachgeben des Yen/USD-Kurses in Richtung 150:1
zwingt China zu einer Abwertung des Yuan um 30%

Nicht miteinander synchronisierte geldpolitische Zyklen erhöhen die
Wahrscheinlichkeit für voneinander entkoppelte Preis- und Kursschwankungen im
Allgemeinen und für Überreaktionen der Devisenmärkte im Besonderen. Aus meiner
Sicht besteht für den Yen im Jahr 2018 weiterhin diesbezüglich ein hohes Risiko.
Sicher hat sich die Entkopplung der Zyklen der Bank of Japan und der Fed in den
Jahren 2016 und 2017 nicht so drastisch wie erwartet entwickelt. Dennoch ist eine
solche Entwicklung für 2018 nicht auszuschließen, denn die US-Geldpolitik war jüngst
Veränderungen unterworfen. Aus meiner Sicht noch wichtiger: Sobald der US-Dollar
im nächsten Zyklus erneut an Stärke gewinnt, könnte sich China als entscheidende 
„Stellgröße“ erweisen. In vielen Märkten stehen Japan und China heute in direktem
Wettbewerb, beispielsweise in der High-Tech-Branche und bei
Hochgeschwindigkeitszügen. Ein nachgebender Yen wäre daher eher für die
chinesische als für die US-amerikanische Exportindustrie problematisch. Je schwächer
der Yen, desto höher das Risiko einer Abwertung des chinesischen Yuan. Sobald der
Yen/USD-Kurs die Schwelle von 140:1 unterschreitet, erscheint für mich eine
Abwertung des chinesischen Yuan um 30% wahrscheinlicher als eine entsprechende
Gegenbewegung seitens der USA.

3) Der neue Chairman der Federal Reserve „importiert“ das operationelle
Modell der Bank of Japan und legt die Rendite von zehnjährigen USStaatsanleihen
auf 2,5% fest

Wenn sich die Wünsche von Präsident Trump erfüllen und die US-Wirtschaft nachhaltig
um 3,5-4% wächst, entstünde für die Renditen von US-Staatsanleihen ein erheblicher
Aufwärtsdruck. Dann läge für über zehn Jahre laufende Anleihen ein Renditeniveau
von 6% oder mehr im Bereich des Möglichen. Denn ein reales BIP-Wachstum von 3,5-
4% impliziert einen nominalen Anstieg um mindestens 5,5-6%. Die Renditen von USStaatsanleihen blieben in der Vergangenheit nur selten deutlich hinter der

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