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FRWeekly-Briefing Starker Euro drückt die Kauflaune im DAX

Gastautor: Dominik Weiss
02.01.2018, 08:40  |  674   |   |   

Erwartungen an den DAX schwächen sich ab, Bitcoin gerät stärker in die Kritik und Venezuela startet eine eigene Digitalwährung.

Experten sind sich einig: das Börsenjahr war für Daxianer ein gutes. Am Ende steht ein sattes Plus von gut 13% für den deutschen Leitindex. Ein Ergebnis, das kaum jemand in der Bankenwelt so vorausgesehen hatte. Laut dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) prognostizierten die deutschen Finanzhäuser zum Jahresbeginn 2017 im Durchschnitt, dass der Leitindex am Jahresende bei etwa 11.500 Punkten liegen würde – eine Marke die er um mehr als 10 % übersprungen hat.

„Tanzen solange die Musik spielt“

Zum Jahreswechsel war der Kurs allerdings deutlich eingebrochen. Viele Anleger nahmen die Gewinne kurz vor Schluss mit.  Aktuell dotiert der Blue-Chips-Index um die 12.900 Punkte. Nach Meinung von Andreas Büchler, Gründer des Analysehauses Quarat, haben langfristig denkende Anleger keinen Grund zur Sorge. Der positive Trend werde sich 2018 fortsetzen. Der DAX habe Potential von 17.700 bis 19.000 Zähler, so Büchler. Wahrscheinlicher sei allerdings ein moderater Anstieg auf Werte zwischen 14.300 und 15.600 Punkte. 

DAX: Gewinnmitnahmen zum Jahreswechsel

Quelle: Google

Dr. Jürgen Michels, Chefvolkswirt der Bayern LB, rät Anlegern dazu die Laune zu behalten. Die Konjunktur werde in Deutschland weiter Fahrt aufnehmen, „im jahresverlauf werden die Aktienbewertungen an Unterstützung von konjunktureller sowie geldpolitischer Seite verlieren und in Europa per saldo seitwärts tendieren“, so der Ökonom. Davon blieben die Firmengewinne aber unberührt, die Aktienindizes daher weiter auf Wachstumskurs. Die Anleger sollten „Tanzen, solange die Musik spielt“, so Michels.Einen langsamen Ausklang der Hausse sehen auch die Analysten der Commerzbank. Der Wirtschaftszyklus sei weit fortgeschritten, „die Erwartungshaltung an die Performance der Aktienmärkte sollte nicht zu hoch angesetzt werden“, so Andreas Wex, Finanzmarktexperte der Bank.

Starker Euro bereitet Sorgen

In der letzten Woche war die europäische Gemeinschaftswährung auf ein Drei-Monatshoch geklettert. Am Freitag notierte der Kurs bei 1,20 USD – der höchste Stand seit September. Grund dafür ist einerseits, dass in den USA die Erwartungen an eine Zinserhöhung der Fed zurückgingen. Statt mit drei Zinsschritten rechnen Experten wegen der geringen Inflation lediglich mit zweien. Andererseits stabilisierte sich die Wirtschaft im Euroraum zuletzt. Traditionell gilt ein starker Euro unter Anlegern als Indikator für zurückgehender Gewinne in der deutschen Exportwirtschaft. Entsprechend wurde die Entwicklung in den Index eingepreist. 

Venezuela startet den Petro 

Ganz andere probleme gibt es in Venezuela. Um der starken Verschuldung und der Hyperinflation des Landes von über 1400 % entgegen zu wirken, hat Staatspräsident Maduro im vergangenen Monat angekündigt, eine eigene Krypto-Währung auf den Markt zu bringen. Der „Petro“ soll über die zahlreichen Rohstoffvorkommen, wie Erdöl und Erdgas, sowie Gold und Diamantenreserven des Landes abgesichert und über eine staatliche Softwareplattform gehandelt werden. Experten zweifeln an der Umsetzbarkeit des Vorhabens. Es fehle im Land bereits an der nötigen Infrastruktur, um die Digitalwährung zu etablieren. 

Bitcoin weiter kontrovers

An der hochspekulativen Währung Bitcoin mehrt sich die Kritik. Der Bitzcoin-Kurs hatte vor den Feiertagen um gut 30 % nach unten korrigiert. Von seinem Höchststand um die 20.000 USD blieben am Jahresende noch gut 12.000 USD. Experten sehen trotz der Korrekturen großes Potential in der Digitalwährung. Zuletzt hatte Goldman Sachs angekündigt, in den Handel mit Bitcoin Derivaten einzusteigen. Auch die Deutsche Börse will in diesem Jahr im Futures-Handel mitmischen. 

Bitcoin-Kurs der letzten 24-Stunden

Quelle: Bitcoingecko

EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch hält die Währung darum für gefährlich. Der Hype könne Sorgen bereiten, sagte der Luxemburger gegenüber der Börsen-Zeitung, gerade weil sich immer mehr institutionelle Marktteilnehmer daran beteiligten. Das berge Risiken für die Finanzstabilität.

Der neue Chef der US-Bankenaufsicht Joseph Otting, sieht den Bitcoin gelassener. Die Mehrzahl der Banken hätte sich nicht mit der Währung abgegeben. Bitcoin stelle daher kein Risiko dar.

Anleger können sich angesichts der kontroversen Betrachtungen weiterhin auf eine hochvolatile Kursentwicklung einstellen: 3000 USD hoch, 3000 USD runter – und dann ist auch schon Dienstag.

(DW)


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