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Grundeinkommenstest in Finnland "Das Grundeinkommen bedeutet das Ende meiner Sklaverei"

In Finnland ist vor einem Jahr ein Pilotprojekt zum Grundeinkommen gestartet. 2000 zufällig gewählte Arbeitslose erhalten für zwei Jahre 560 Euro Grundeinkommen. Betroffene berichten nun, wie es ihnen bisher ergangen ist.

Finnland testet seit knapp einem Jahr das Grundeinkommen. Das Sozialversicherungsinstitut Kela loste 2000 Arbeitslose aus, die für zwei Jahre monatlich 560 Euro Grundeinkommen erhalten. Nebenjobs sind, anders als beim Arbeitslosengeld, erlaubt. Ziel des Pilotprojektes ist es herauszufinden, wie sich das Grundeinkommen auf das Leben der Menschen auswirkt. Mehrere Betroffene berichten nun darüber, wie das Grundeinkommen ihr Leben verändert hat.

Mika Ruusunen ist einer der 2000 Menschen. Ruusunen war vorher 16 Monate arbeitslos, jetzt hat er einen festen Job bei einer IT-Firma. Gegenüber CNBC sagte er: 

Das Grundeinkommen ermutigt die Menschen, Arbeit anzunehmen, sogar in Teilzeit oder mit niedriger Bezahlung. Es ist eine Art Win-Win-Situation für die Gesellschaft.

Juha Järvinen, Handwerker, Künstler und Vater, wohnt in einem kleinen Dorf drei Zugstunden nordwestlich von Helsinki. Er sieht das Grundeinkommen sehr positiv. Gegenüber dem Hamburger Abendblatt sagte er:

Das Grundeinkommen bedeutet das Ende meiner Sklaverei.

Er wolle sich nun vermehrt auf seine Tischlerarbeit konzentrieren und sich damit etwas Geld hinzuverdienen. Vorher war dies wegen dem Arbeitslosengeld nicht möglich. 

Doch nicht alle sehen den finnischen Grundeinkommenstest als einen Erfolg. Gewerkschaften und Sozialverbände sehen es kritisch, dass Arbeiternehmer durch das Grundeinkommen ermutigt würden schlecht bezahlte Jobs anzunehmen. Antti Jauhiainen, Autor des finnischen Buchs „Der Sozialstaat schlägt zurück“, sagte gegenüber CNBC:

Es sollte nicht unser Ziel sein schlecht bezahlte Jobs zu schaffen, sondern die Ausbildung von Menschen zu verbessern.

Joni Forsblom, Anfang 30 und Vater, ist seit einem Jahr Empfänger des Grundeinkommens. Er sieht das Grundeinkommen eher kritisch. Gegenüber dem Deutschlandfunk sagte er:

Bei mir hat das Grundeinkommen im Prinzip nichts verändert. Im Gegenteil, es hat vor allem viel Papierkrieg verursacht.

Laut Forsblom würden nur Menschen, die einen Nebenjob nachgehen, vom Grundeinkommen profitieren:

Ich finde einfach keinen Job, aber für die, die Arbeit haben, ist es gut. Mir bleiben vom Grundeinkommen nur 480 Euro. Die Behörde übernimmt 80 Prozent der Wohnkosten, den Rest muss ich auch noch selbst zahlen.

Pertti Honkanen, Projektleiter der finnischen Sozialversicherung Kela, hält sich mit einer Bewertung des Projektes bisher zurück. Er sagte gegenüber dem Deutschlandfunk:

Der Versuch hat enormes Interesse geweckt, sowohl in Finnland, als auch international. In den Medien gab es zahlreiche Interviews mit Versuchsteilnehmern mit widersprüchlichen Meinungen. Manche waren enttäuscht, andere haben sich gefreut und sind mit dem Versuch zufrieden.

Die gesellschaftliche Debatte rund um das Grundeinkommen wird durch das Pilotprojekt weiter angeheizt. Der dm-Gründer Götz Werner fordert schon seit Jahren die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens. Dieses würde einerseits Menschen motivieren einen Job zu ergreifen, der wirklich ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht. Mitarbeiter seien dadurch motivierter, innovativer und produktiver. Andererseits würde das bedingungslose Grundeinkommen die Wirtschaft ankurbeln (siehe hier).

Die Wallstreet:Online-Redaktion hat bereits mehrere Artikel zum Grundeinkommen veröffentlicht:

 

Quellen:
Bloomberg: „What If Everyone Got a Monthly Check From the Government?“
CNBC: „One year on: Is Finland’s free money experiment working?“
Deutschlandfunk: „Manche sind Gewinner, manche Verlierer“
Hamburger Abendblatt: „In Finnland ist das bedingungslose Grundeinkommen ein Erfolg“





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