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Bitcoin Bitcoins und der Windfall-Profit

12.01.2018, 12:19  |  4152   |   |   

Je teurer der Bitcoin wird, umso lauter werden die Fragen ob der Tauglichkeit des Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel oder Transaktionsmittel. In erster Linie geht es um den sagenhaften Kursverlauf: von 1030 Dollar im Januar 2017 auf jetzt über 13.000 Dollar im Januar 2018. Die mediale Aufmerksamkeit hängt alleine an dieser Entwicklung und an der Volatilität dieser Kryptowährung. Viele Autoren in der Wirtschaftspresse und einige Wissenschaftler wie Eugene Fama in einem Zeitinterview (Zeit Nr. 1 – 2018) stellen den Bitcoin als nicht reale Assetklasse dar, der nur durch Übertreibung, Spekulation und wirre Motivation (also als Spuk) auf diese Höhe getrieben wurde.

Den „Spuk“ – so meine These - kann keiner mehr beenden: er ist Realität. Virtuelle Währungen sind Realität und sie werden in der Bedeutung wachsen. Ein suboptimales Finanzsystem wirkt verstört und erkennt nicht das Ausmaß dieser Disruption. Immerhin wird anerkannt, dass die hinter den Kryptowährungen stehende Blockchain-Technologie Zukunft haben könnte.

Bitcoins sind errechnetes Geld, das blitzschnell transferiert werden kann und in seinem Umfang auf 21 Mio. beschränkt ist (die letzten Coins werden wohl im Jahr 2040 geschaffen, heute sind bereits über 16 Mio. geschürft worden.) Es ist ein klarer Prozess: wenn die Menschen glauben, dass Wert im Bitcoins steckt, wird er es auch schaffen auf über 20.000 € zu springen; wer es nicht glaubt, kann heute über Derivate dagegen wetten. Die Welt ist, was dies betrifft, nicht unüberschaubar, sondern sehr einfach.

Ein großes Problem des Bitcoin ist aber die technische Überforderung des Systems, die die Transaktionen zu langsam machen. Zurzeit ist das Bitcoinsystem mit den Verarbeitungskapazitäten anderer Zahlungsdienstleister nicht wettbewerbsfähig – verglichen mit Visa und PayPal etc. Hier arbeiten die Entwickler an Erweiterungsmöglichkeiten der Blöcke, die sind allerdings in der Miner-Community nicht unumstritten und führten bereits zu einer Spaltung des Bitcoin im August letzten Jahres (daraus erwuchs die neue Kryptowährung Bitcoin Cash).

Weiterhin muss man genau beobachten, wie sich die Anteile der Mining-Pools entwickeln – immerhin teilen sich die 5 größten Pools rd. 60 % der Hashrate (die Hash Rate ist die Maßeinheit der Rechenkraft des Bitcoin-Netzwerks). Die Konzentration dieser Kraft ist schädlich für das gesamte Netzwerk, so gibt es andere Schätzungen, die davon ausgehen, dass rd. 80 % der Miningaktivitäten in China stattfinden (Artikel hier). Bedenkenswert ist auch der hohe Stromverbrauch für das Mining eines Bitcoin, der die gesamten Miningkosten in die Höhe treibt. So kostet es heute rd. 6000 Dollar Stromkosten einen Bitcoin herzustellen; mit wachsender Tendenz für die Zukunft (siehe auch den Artikel bei Watson). Da viele Miningfarmen in China beheimatet sind und der Strom aus Kohleverstromung kommt, ist die Umweltbeeinträchtigung alarmierend. Verwerfungen könnten auch dadurch entstehen, dass die chinesische Regierung diese Miningfarmen schließen möchte.

Hoffnungsfroh könnte stimmen, dass die Gewinner aus den Kryptowährungen – es sind Windfall-Profits – ihre Mittel in viele gute ICO’s (also Initial Coin Offerings – eine Art virtueller Börsengang) investieren und die Kritiker Lügen strafen, dass diese Entwicklung keine Werte zustande bringt. Hierzu muss allerdings noch geforscht werden, denn dazu liegen noch zu wenige Daten vor.

http://blog.meisnerconsult.de/?p=602

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