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Arme SPD Schmerz über unbefriedigte Neidinstinkte

Gastautor: Rainer Zitelmann
13.01.2018, 11:12  |  4613   |   |   

Insgesamt beansprucht die SPD-Führung für sich, 60 inhaltliche Punkte in den Sondierungen bzw. 80 Prozent ihrer Forderungen durchgesetzt zu haben. Aber es rumort in der Partei, denn was nützen alle sozialen Wohltaten, wenn der Neid unbefriedigt bleibt?

In einer "Erfolgsliste", die die SPD am Freitag verbreitete, wird unter anderem die Vereinbarung aufgeführt, das Rentenniveau bis 2025 auf 48 Prozent abzusichern (das jedoch bis dahin ohnehin nicht unter diese Grenze gesunken wäre). Als Erfolge verbucht die SPD zudem die steuerfinanzierte Grundrente für langjährig Versicherte, das Recht auf Rückkehr in Vollzeit und die Entlastung von Eltern bei Kita-Beiträgen. Weitere soziale Wohltaten sind der staatliche Arbeitsmarkt für Langzeitarbeitslose, ein Sofortprogramm in der Pflege, eine bessere Erwerbsminderungsrente, die Wiederherstellung der Parität bei den Krankenkassenbeiträgen, der Bau von 1,5 Millionen Wohnungen usw.

Neidinstinkt unbefriedigt
Nachdem die Genossen in den vergangenen Jahren ohnehin von der Union fast alles bekommen hatten, was sie wollten (Mietpreisbremse, Mindestlohn, Rente mit 63, Frauenquote in Aufsichtsräten usw.) müssten all diese weiteren sozialen Wohltaten ein Grund zur Freude für die SPD-Klientel sein. Aber wer so denkt, hat das sozialdemokratische Grundgefühl nicht verstanden: Was zählen noch so viele Dinge, die man bekommt, wenn den anderen nichts weggenommen wird?

Und so klagen die Jusos und die SPD-Linke: Es wurde keine Vermögensteuer beschlossen und der Spitzensteuersatz wurde nicht erhöht. Und es bleibt bei der schreienden Ungerechtigkeit, dass der eine Patient im Wartezimmer nicht so lange warten muss wie der andere, weil die sogenannte "Bürgerversicherung" nicht durchgesetzt werden konnte. Warum tut das alles so sehr weh? Weil "soziale Gerechtigkeit" für die Genossen eben nicht vor allem heißt, selbst mehr zu bekommen, sondern vor allem, den anderen etwas wegzunehmen. Zwar wäre es keinem Arbeiter und keiner allein erziehenden Mutter dadurch besser gegangen, dass man "den Reichen" durch Erhöhung des Spitzensteuersatzes etwas wegnimmt und sie in die Einheits-Genossenversicherung zwingt. Aber geht es wirklich vor allem darum, selbst mehr zu haben?

Die "symbolische Wirkung"
Dem Neidischen ist das im Grunde zweitrangig. Er möchte zwar auch mehr für sich selbst, aber noch viel befriedigender ist es, dem anderen - in diesem Fall: "den Reichen" - etwas zu nehmen. Wenn man rechnerisch nachweist, dass eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes oder eine "Bürgerversicherung" dem kleinen Mann gar keine Vorteile bringen würde, dann verweisen Jusos und SPD-Linke stets auf die "symbolische Wirkung", die doch viel wichtiger sei. Gemeint ist damit: "Ja, wir wissen schon, dass uns selbst das nichts bringt, aber es ist doch ein so wichtiges Zeichen von mehr sozialer Gerechtigkeit, wenn die Besserverdiener und die Reichen stärker zur Kasse gebeten werden." Und weil dieses Neidgefühl nicht befriedigt wurde, wird es massiven Widerstand gegen die GroKo geben - trotz der weitreichenden Zugeständnisse der Union. Wenn die Funktionäre und Mitglieder der SPD trotzdem für die Groko stimmen sollten, dann ausschließlich aus der Furcht, dass die SPD bei Neuwahlen weit unter die 20 Prozent rutschen und die AfD noch stärker werden könnte. Dennoch halte ich es noch nicht für sicher, dass der Sondierungs-Kompromiss die Hürden bei Mitgliedern und Funktionären der SPD nimmt. Denn das hieße, zu unterschätzen, wie sehr das Gefühl der unbefriedigten Neidinstinkte schmerzt.

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Kommentare

Der real existierende deutsche Neid-Sozialismus der linken Gerechtigkeitsfanatiker wird Deutschland zu einem würdigen Nachfolger von Venezuela machen.
Das Schlagwort " Soziale Gerechtigkeit " Ist hier sowieso fehl am Platz. Die Spd nimmt das Geld nicht von den Reichen, um es den Armen zu geben. Stattdessen wird damit der Staatsapparat aufgebläht und neue Posten geschaffen. Ich kann auch nicht verstehen, warum so viele Leute der Meinung sind sie müssten ihr Geld unbedingt unfähigen Verschwendern überlassen. Die Groko hat ausreichend bewiesen,
dass sie nicht mit Geld umgehen kann. Die Politik soll umser Geld wieder rausrücken!!! Der Soli gehört abgeschafft, die Begründungen um ihn zu behalten werden immer haarsträubender.
Danke für diesen Artikel! Wie kann man nach Steuererhöhung rufen, wenn die Einnahmen sprudeln wie nie zuvor! Es geht um Neid - anderen etwas wegzunehmen tut gut.

Von mir bekommt die SPD derzeit sicher keine Stimme.
Hallo Claus, ich glaube Sie haben den ganzen Artikel nicht verstanden.

Was ist denn daran "sozial gerecht", wenn die arbeitende und steuerzahlende Mittelschicht in Deutschland immer weiter ausgenommen wird? So wirken sich nämlich die Ziele der Linken aus, z.B.
Grenzsteuersatz Tarifzone 3 von 42% liegt jetzt schon bei etwas über 50.000 € Jahreseinkommen (!), plus Soli, plus ALV, plus Kirchensteuer, plus RV, plus KV. Im Gegenzug wurden Freibeträge über Jahre nicht sonderlich angepasst, Pendlerpauschale seit unzähligen Jahren bei 30 Cent (ein Witz), dazu die kalte Progression und so weiter und so fort.

Also nochmal draufpacken, 45% oder gleich 52% wie immer gesagt wird, weil es das schon früher mal gab. Es wird aber übersehen, dass damals der Grenzsteuersatz beim 18fachen des Durchschnittsgehalts lag und heute beim 1,2fachen (!) --> das ist steuerlich gesehen exakt die Mittelschicht in der Bevölkerung.

Ob diese Zusammenhänge von allen Politikern verstanden werden - ich habe da so meine Zweifel.

Schöne Grüße, O.D.
Wenn Bürger und/oder Politiker (bei letzteren vorausgesetzt, sie meinen es auch wrklich ernst) für mehr soziale Gerechtigkeit sind, sind sie also Neider.

Man könnte den Spieß ja auch mal umdrehen, nicht wahr Herr Zitelmann.

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