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'Daran gibt es nichts kleinzureden' - GroKo-Streit unter Genossen

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
15.01.2018, 21:40  |  780   |   |   

(neu: SPD-Landesvorstände Berlin und Brandenburg, 2. Abs.)

BERLIN/DORTMUND (dpa-AFX) - Knapp eine Woche vor dem Parteitag der SPD zur Aufnahme von Koalitionsverhandlungen verhärten sich die Fronten zwischen Parteispitze und GroKo-Kritikern aus den eigenen Reihen. Die SPD habe bei den Sondierungen mit der Union "eine große Liste von Erfolgen" vorzuweisen, betonte der SPD-Vorsitzende Martin Schulz am Montagabend in Dortmund vor einem Treffen mit Parteitagsdelegierten aus Westfalen. Das Erreichte gehe teilweise auch über das vom SPD-Parteitag vor Aufnahme der Sondierungsgespräche Geforderte hinaus. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte Schulz, die SPD habe natürlich nicht alles bekommen. "Aber das, was wir durchgesetzt haben, rechtfertigt die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen."

Dies sah der Landesvorstand der Berliner SPD am Montagabend anders: Er sprach sich mit 21 zu 8 Stimmen gegen Koalitionsverhandlungen aus. Berlin stellt 23 der 600 Delegierten. Der Landesvorstand der SPD in Brandenburg befürwortete gleichzeitig mit 9 zu 2 Stimmen die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen. Die Brandenburger SPD schickt 10 Delegierte zum Sonderparteitag nach Bonn.

Seit Abschluss der schwarz-roten Sondierungen ist in der SPD eine kontroverse Debatte zu den ausgehandelten Inhalten entbrannt. Fraktionschefin Andrea Nahles warf den Gegnern einer großen Koalition auch in der eigenen Partei vor, dass Sondierungsergebnis "mutwillig" schlechtzureden. "Da wird ein Ergebnis schlecht geredet von einigen, die egal, was wir verhandelt hätten, gegen die GroKo sind", sagte Nahles am Montag im Deutschlandfunk. "Das akzeptiere ich nicht, da werde ich dagegenhalten." Die SPD habe in den Sondierungen viele Erfolge erreicht, etwa die Absicherung des Rentenniveaus.

Ein SPD-Sonderparteitag wird am Sonntag darüber entscheiden, ob die SPD in Koalitionsverhandlungen mit der Union einsteigen wird. Von Seiten der Union ist der Weg für Koalitionsverhandlungen frei: Nach dem CDU-Vorstand am Freitag billigte am Montag auch der CSU-Vorstand die Aufnahme förmlicher Verhandlungen über eine Neuauflage der großen Koalition - auf Basis des Sondierungspapiers. Sowohl die CDU- als auch die CSU-Spitze wollen noch am Sonntagabend direkt nach der Entscheidung des SPD-Parteitags über die Konsequenzen beraten.

Zahlreiche SPD-Politiker kritisierten den Sondierungskompromiss. Dieser könne "nur die Basis sein für Koalitionsverhandlungen", sagte SPD-Vize Ralf Stegner der "Bild"-Zeitung. "Es wird jetzt so getan, als sei alles schon verhandelt - das ist es mitnichten." Stegner sagte in Kiel, er gehöre nach wie vor zu den Skeptikern einer neuen großen Koalition. Er rechne beim Parteitag aber mit einer Mehrheit für Koalitionsverhandlungen. "Aber ich glaube, dass das schwierig sein wird, weil ich die Kritikpunkte für berechtigt halte."

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sieht noch die Chance für Nachbesserungen. "Das Sondierungspapier trägt eine deutlich sozialdemokratische Handschrift für die Zukunft unseres Landes", schrieb die SPD-Vizechefin, die an den Gesprächen beteiligt war, bei Facebook. "Klar ist aber auch: Sondierungsgespräche und Koalitionsverhandlungen sind zwei verschiedene Paar Schuhe."

Die Nachbesserungsforderungen der SPD betreffen zum Beispiel die Einführung der Bürgerversicherung und ein Verbot der Befristung von Arbeitsverträgen ohne sachlichen Grund. Schulz will diese Woche bei Parteitagsdelegierten für ein Ja zu Koalitionsverhandlungen werben - unter anderem in NRW, von wo die meisten Delegierten kommen. Montagabend warb er in Dortmund bei der kritischen Basis.

Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert, ein entschiedener Gegner einer neuen großen Koalition, hält das Ergebnis der Abstimmung auf dem Parteitag für offen. "Wetten würde ich im Moment keine abschließen", sagte er der "Berliner Zeitung" (Montag). "Abseits der Parteiführung gibt es in der SPD aktuell ein extrem kontroverses Stimmungsbild", ergänzte Kühnert in der "Rheinischen Post".

Die Forderungen nach Nachverhandlungen sorgen in der Union für Ärger. "Was jetzt als Konsens auch der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, an dem gibt es nichts mehr zu rütteln", sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) der "Bild"-Zeitung. Auch die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner lehnte Änderungen ab. "Einseitiges Nachverhandeln kann es nicht geben, sondern nur Vertiefungen des Vereinbarten in möglichen Koalitionsverhandlungen", sagte die CDU-Vizevorsitzende der "Rheinischen Post" (Dienstag).

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Kommentare

die Aussage von Herrn Heil ist generell sehr interessant. Man rechnet sich bei Ergatterung von Schlüsselministerien weitgehende gestalterische Freiheiten aus, weil man weiss, wie in der Vergangenheit die "Richtlinienkompetenz" der Kanzlerin wahrgenommen wurde. Diese Dame kümmerte sich nicht um interne Angelegenheiten (weitgehende Freiheiten für jedermann) sondern betrieb ihr Hobby Europa und Parallelaussenpolitik.

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