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Russland, Nordkorea und Venezuela Diktatoren und Kryptowährungen: Eine gefährliche Mischung?

16.01.2018, 15:39  |  8851   |   |   

Das Finanzministerium von Wladimir Putin will Krypto-Währungen an offiziellen russischen Börsen handeln lassen. Kim Jong Un's Hacker stahlen im vergangenen Jahr Bitcoins durch Angriffe auf Handelsplätze. Nicolás Maduro hofft, dass eine Krypto-Währung: der Petro, die mit Öl gedeckt ist, Investitionen nach Venezuela zurücklocken wird.

Alle drei Staats- und Regierungschefs wagen sich auf ganz unterschiedlichen Wegen in das Krypto-Abenteuer, während ihre Regime mit dem gleichen Problem konfrontiert sind: Sanktionen, die ihren Zugang zum globalen Finanzsystem einschränken. Jedoch ist der Markt zu jung, um die von den USA initiierten Wirtschaftsblockaden zu umgehen, so das Nachrichtenmagazin Fortune. Trotzdem muten die jüngsten Versuche an, als suchten einige Staaten über Digitalwährungen den Weg raus aus der Isolation.

Noch in diesem Monat will Venezuelas Regierung eine Kryptowährung lancieren, so berichtet es DW. Die Bedeutung dieses Schrittes wird u. a. darin deutlich, dass der Staatschef bei seiner sonntäglichen TV-Show den Zuschauern den Petro ankündigte. Jeder Petro soll durch ein Barrel Rohöl gedeckt sein. Damit wäre es die erste Kryptowährung, die durch einen Rohstoff gedeckt wäre und von einem Staat aufgelegt wurde, so DW. In Venezuela büßte der Bolivar gegenüber dem Dollar im vergangenen Jahr 97 Prozent seines Wertes ein. Für 2018 geht der IWF von einer Inflation i. H. v. 2.350 Prozent aus. Trotz der größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt, steht der südamerikanische Staat am Rande der Pleite und somit könnte die Sicherheit nur bedingt Garantien bieten. Die DW schrieb: "Die angeblichen Sicherheiten, die den Petro stützen sollen, sind also überhaupt nicht vorhanden." Selbst wenn Maduro die Skepsis der Investoren überwinden und Unterstützung für Venezuelas ölunterstützten "Petro-Coin" gewinnen kann, könnten diejenigen, die den Token benutzen, sich nicht vor Sanktionen schützen, so Fortune.

Im Oktober 2017 berichtete das Handelsblatt, dass unter russischer Führung der Krypto-Rubel eingeführt werden könnte. Lange Zeit war die Anonymität und Dezentralität des Zahlungsverkehrs Moskau stets suspekt. Dies war jedoch nur die halbe Wahrheit, denn bereits im Juni 2017 hatte sich Wladimir Putin beim Petersburger Wirtschaftsforum mit dem Erschaffer von Ethereum, Witalik Buterin, getroffen. Schnell dürfte Putin klar gewesen sein, dass über die Blockchain gegebenenfalls internationale Sanktionen umgangen werden könnten. Zum Krypto-Rubel hieß es: "Der Krypto-Rubel soll in reale Rubel umtauschbar sein, Kauf und Verkauf werden von der russischen Regierung mit 13 Prozent besteuert.", so das Handelsblatt. Laut den Nachrichten der vergangenen Woche unterstützt der russische Finanzminister Alexei Moiseev die Legalisierung vom Handel von Kryptowährungen auf öffentlichen Börsen. Ein erster Schritt war die Aufstellung von Bitcoin-Automaten - im November 2017. Es bleibt spannend, ob sich das Finanzministerium gegen die Zentralbank durchsetzen wird.

Im Dezember 2017 titelte die Bild-Zeitung: Macht der Bitcoin-Rausch Kim steinreich? Es ging um den bekannt gewordenen Fall aus Nordkorea, dass nordkoreanische Hacker hinter der Schadsoftware WannaCry standen. Seinerzeit mussten die Betroffenen User ihre blockierten PCs freikaufen und dafür Bitcoins überweisen: 300.000 Computer waren betroffen. Im September kam ein neues Fall ans Tageslicht, denn das Software-Unternehmen FireEye berichtete von Nordkorea-Hackern. Es ging um den Diebstahl von Bitcoins durch gezielte Angriffe auf Handelsplätze. So könnte sich Kim Jong-un unfassbar bereichert haben, indem die Bitcoins in harte Währungen getauscht wurden. Gegenüber CNN bestätigte der Direktor der südkoreanischen "Internet and Security Agency", Lee Dong-geun, den Fall: "wir wissen, dass die Polizei die Hacker-Versuche des Regimes bestätigt hat". Südkorea, aber auch Nordkorea und China gehört zu den wichtigsten Ländern der Bitcoin-Industrie. Der gesamten Asien-Pazifik-Raum ist das Herzstück des Krypto-Universums. Immerhin 50 Prozent aller weltweiten Miner haben hier ihren Sitz, ebenso wie 27 Prozent der Handelsplattformen. 

Jeder Staatschef, der Bitcoin als Sanktions-Retter betrachtet, muss sich mit einer einfachen Frage auseinandersetzen: Alle digitalen Token der Welt sind derzeit etwa 700 Milliarden Dollar wert. Das ist etwa ein Siebtel des täglichen Devisenmarktes. "Denken Sie darüber nach, wie viele US-Dollar im Umlauf sind und wie viel jeder Bitcoin wert sein müsste, um diesen Wert zu erreichen - es wäre eine lächerlich große Zahl", sagte Tom Uren, Gast am International Cyber Policy Centre des Australian Strategic Policy Institute. "Langfristig ist das möglich, aber wir sprechen von Jahrzehnten und nochmals  Jahrzehnten. Das Bargeld verschwindet nicht so schnell.", so Uren. Vorerst noch eröffnen Krypto-Währungen neue Wege für isolierte Regime und ihre politische Eliten, um Bargeld über Grenzen hinweg zu schmuggeln.

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