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Linke Sprachpolizei Der Unsinn mit dem (Un)wort des Jahres

Gastautor: Rainer Zitelmann
16.01.2018, 14:54  |  1490   |   |   

Das "Unwort des Jahres" 2017 heißt "alternative Fakten". Das verkündete die Jury um Linguistik-Professorin Nina Janich. Mit "Sprachwissenschaft", wie es unkritisch in Medienberichten heißt, haben die "Worte" und "Unworte des Jahres" indes nichts zu tun. Hier wollen sich Linksintellektuelle ihrer Deutungshoheit versichern und Andersdenkende lächerlich machen.

Die Bezeichnung "alternative Fakten" sei, so begründet die Jury ihre Entscheidung, "der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen". "Alternative Fakten" ist ein Begriff, der von Kellyanne Conway, einer Beraterin von Donald Trump, verwendet wurde, um die (falsche) Behauptung zu stützen, dass zur Amtseinführung von Trump mehr Zuschauer gekommen seien als bei früheren Amtseinführungen anwesend waren.

Meine Meinung: Natürlich ist "alternative Fakten" ein schwachsinniger Begriff, der jedoch überhaupt nicht in die Sprache eingegangen ist - weder in die deutsche noch in die englische. Er wird allenfalls von politisch Korrekten verwendet, um Andersdenkende lächerlich zu machen und als Lügner und Idioten darzustellen - nach dem Motto: Jeder Andersdenkende ist ein kleiner Trump. Die Behauptung der Jury, "alternative Fakten" sei auch in Deutschland zum Sinnbild für besorgniserregende Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch geworden, ist abwegig.

Die Juroren rügten zudem den Begriff "Shuttle Service" im Zusammenhang mit Seenotrettungseinsätzen von Nichtregierungsorganisationen im Mittelmeer für Menschen, die in Schlauchbooten flüchten. Außerdem prangerten sie die Formulierung "Genderwahn" an. Mit diesem Ausdruck würden in konservativen bis rechtspopulistischen Kreisen zunehmend Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit in undifferenzierter Weise diffamiert, so die Jury. Damit sollen also Kritiker der Genderideologie gemaßregelt werden. Auf der Liste der Vorschläge zum "Unwort des Jahres" stand auch die "Sprachpolizei" - ein Begriff, der sich gegen die Sprachvorschriften durch politisch Überkorrekte wendet (und damit natürlich selbst unerwünscht ist).

Wort des Jahres 2016 war "postfaktisch"
Untersucht man die Begriffe, die in früheren Jahren als Worte bzw. Unworte des Jahres gekürt wurden, dann wird deutlich, dass sich darin die Weltsicht der Linksintellektuellen verdichtet. "Unworte", die von politisch Linksstehenden verwendet werden, gibt es nach dieser Lesart nicht. "Unworte" sind vorwiegend Begriffe, die - tatsächlich oder vermeintlich - von Liberalen, Konservativen oder Rechten verwendet werden.

Im vergangenen Jahr wurde "postfaktisch" zum "Wort des Jahres" gekürt. Für mich war es tatsächlich das UNWORT des Jahres, denn es steht für eine intolerante Haltung gegenüber Andersdenkenden. Die Jury begründete damals ihre Entscheidung, "postfaktisch" zum Wort des Jahres zu küren, damit, "dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht". In der Begründung hieß es im vergangenen Jahr, dass "immer größere Bevölkerungsschichten … in ihrem Widerwillen gegen ‚die da oben' bereit (seien), Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren". Es gehe im "postfaktischen Zeitalter" nicht mehr um einen Anspruch auf Wahrheit. Vielmehr genüge das Aussprechen einer "gefühlten Wahrheit", um zum Erfolg zu kommen. So weit die damalige Jurybegründung.

Meine Meinung: Diejenigen, die vom "postfaktischen Zeitalter" sprechen, unterstellen damit Andersdenkenden, sie ignorierten prinzipiell die Fakten und ließen sich ausschließlich von irrationalen Emotionen leiten; dabei seien sie bereit, jede Lüge begierig aufzugreifen. "Postfaktisch", ein Begriff der auch von Merkel gegen Kritiker ihrer Zuwanderungspolitik verwendet wurde, ist nichts anderes als ein Kampfbegriff zur Diffamierung Andersdenkender, denen man damit jedwede Rationalität abspricht. Zugleich impliziert man damit, selbst im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein: "Wir haben die Fakten, ihr habt nur irrationale Emotionen" oder: "Wir sind im Besitz der Wahrheit, ihr wollt nur noch Lügen hören!" Und so ist es auch jetzt mit dem Begriff "alternative Fakten": Die Linken wollen uns sagen: Die Fakten (z.B. zu Themen wie Ausländerkriminalität) sind stets auf unserer Seite. Und wer das bezweifelt, ist ein Idiot, der uns "alternative Fakten" (= Lügen) auftischen will.

"Unworte" vergangener Jahre: "Gutmensch" und "freiwillige Ausreise"
Das Unwort 2015 lautete "Gutmensch". Warum eigentlich? Ich finde den Begriff "Gutmensch" gut. Dass er zum "Unwort" erklärt wurde, ist bezeichnend, denn der Begriff wendet sich meist kritisch gegen Linke und Grüne, die sich für moralisch überlegen halten.

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2 Kommentare

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Kommentare

Es gibt die "besseren Menschen" auf beiden Seiten, aber es sind tatsächlich v.a. "Linke". Was soll das eigentlich sein "links"? Steht das für sozial? Für mich nicht. Der Ostblock bestand aus Monarchien, nur dass die Bosse sich nicht Adlige nannten.

Es hat auf der ganzen Welt noch keinen sozialistischen bzw. kommunistischen Staat gegeben und die heutigen Linken wollen es auch weiterhin nicht. Daher wohl auch die Angst vor Industrie 4.0 und einem bedingungslosen Grundeinkommen. Die Partei hat immer Recht ist immer noch der Kern der Linken.
Zitat: "Zugleich impliziert man damit, selbst im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein..."

Sauberes Eigentor, Zitelmann! Die eigene Strategie mal eben als Werkzeug der bösen linken Unterdrücker darzustellen...

Das sollte einem neoliberalen Chefhetzer eigentlich nicht passieren.

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