DAX-0,25 % EUR/USD+0,37 % Gold+0,49 % Öl (Brent)+1,21 %

Milliardenschwerer Börsengang? Bringt United Internet ein IPO?

Gastautor: Volker Glaser
18.01.2018, 00:04  |  1659   |   |   

Ralph Dommermuth, CEO von United Internet, hat einen Börsengang der Sparte Business Applications bereits angekündigt. In den letzten Wochen ist es um ein solches IPO allerdings etwas ruhiger geworden. Wenn Dommermuth die Einheit jedoch an die Börse bringen will, sollte er sich beeilen. Das Umfeld ist aktuell ideal für einen solchen Börsengang. Da sich die Hausse schon im Jahr 9 befindet, ist es fraglich, ob 2019 ein solcher Börsengang noch reibungslos gelingt.

Wir gehen davon aus, dass dieser Börsengang in 2018 erfolgt und bald angekündigt wird. Falls nein, dürfte es sich Dommermuth anders überlegt haben. Im Segment Business Applications hat sich bereits die Heuschrecke Warburg Pincus mit einem Drittel eingekauft. Warburg Pincus dürfte einen Börsengang sicherlich begrüßten. Für die Heuschrecke rechnet sich der Deal bestimmt. Der Investor hat für den Anteil im Jahr 2016 bis zu 450 Mio. Euro bezahlt. Dem Einstieg wurde eine Bewertung von 2.55 Mrd. Euro zu Grunde gelegt. Das entsprach dem 12.5-fachen EBITDA Multiple des für 2016 damals geplanten EBITDA. Die Einheit erzielte 2016 einen operativen Gewinn von mehr als 200 Mio. Euro bei einem Umsatz von über 600 Mio. Euro. In den ersten 9 Monaten des Jahres 2017 erzielte das Segment einen Umsatz von 557 Mio. Euro und ein operatives Ergebnis von mehr als 186 Mio. Euro. Im Gesamtjahr 2017 könnte sich dieses Betriebsergebnis auf bis zu 250 Mio. Euro erhöhen. Unterstellen wir nur denselben Faktor wie beim Verkauf an Warburg Pincus, könnte die Einheit Business Applications mit einer Bewertung jenseits der Marke einer Kapitalisierung von mehr als 3 Mrd. Euro an die Börse gebracht werden. Der auf United Internet anfallende Anteil hätte einen Wert von mehr als 2 Mrd. Euro. Zudem könnte Dommermuth mit dem IPO wieder Musik in die eigene Aktie bringen. Ein Teil der Analysten hält die Aktie derzeit für ausreichend bewertet, was sich durch diesen Börsengang ändern würde.

United Internet bringt es aktuell an der Börse auf einen Wert von rund 11.8 Mrd. Euro. In der neu firmierten 1&1 Drillisch AG, die ebenfalls im TecDAX notiert, liegt die Kapitalisierung bei rund 12 Mrd. Euro. An dieser Gesellschaft hält United Internet einen Anteil von rund 75 %. Dies entspricht einem Wert von 9 Mrd. Euro. Addieren wir nunmehr die Einheit Business Applications hinzu, für die wir den Wert von 2 Mrd. Euro kalkulieren, errechnet sich für United Internet ein Wert von 11 Mrd. Euro. Das restliche Geschäft von United Internet, vor allem mit Consumer Applications, der Beteiligung an Rocket Internet sowie das Gemeinschaftsunternehmen zwischen Axel Springer und United Internet, also der Zusammenschluss von affilinet und Awin in die AWIN AG, dürfte den Wert von 800 Mio. Euro locker überschreiten. Bei einer Zerschlagung in Einzelteile wäre United Internet nicht wirklich hoch bewertet. An der AWIN AG, für die ebenfalls ein IPO geplant ist, hält United Internet einen Anteil von 20 %. Im Jahr 2016 erzielte Awin immerhin einen Umsatz von 576 Mio. Euro und ein EBITDA von 25.5 Mio. Euro. Affilinet brachte es 2016 auf einen Umsatz von über 150 Mio. Euro bei einem EBITDA von rund 5 Mio. Euro.

Auf der Zahlenseite ist United Internet wie gewohnt auf Rekordkurs. Dommermuth, der 2016 sogar auf seine komplette Vergütung verzichtet hatte, obwohl er angesichts seiner Leistungen sicherlich einen Millionenbetrag als Gehalt verdient hätte, präsentiert am Bande immer wieder neue Rekorde. Nach 9 Monaten in 2017 lag der Umsatz bei über 3 Mrd. Euro, und das operative EBITDA erreichte ein Niveau von 684 Mio. Euro. Das berichtete EBITDA lag bei fast 1 Mrd. Euro, da im Zusammenhang mit der Drillisch-Transaktion ein positiver Einmaleffekt von über 300 Mio. Euro verbucht wurde. Das operative EBIT lag nach 9 Monaten bei über 511 Mio. Euro. Traditionell ist United Internet eine Cash-Maschine. Per Ende September 2017 lag der operative Cashflow bei mehr als 460 Mio. Euro und der Free Cashflow bei über 350 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr hat Dommermuth einen Umsatz von 4.2 Mrd. Euro in Aussicht gestellt. Das EBITDA soll sich auf 970 bis 1 Mrd. Euro belaufen. Wie wir hören, war United Internet in 2017 gut unterwegs. Gut möglich, dass die Gesellschaft die Marke von 1 Mrd. Euro beim EBITDA knackt. Addieren wir die Einmaleffekte hinzu, wird United Internet für 2017 ein EBITDA von über 1.3 Mrd. Euro ausweisen. Im Jahr 2018 dürfte der Konzern den bisherigen Erfolgskurs fortsetzen. 2018 sollte der Umsatz die Marke von 4.5 Mrd. Euro überschreiten. Das EBITDA könnte sich in Richtung 1.1 Mrd. bewegen und das EBIT auf bis zu 850 Mio. Euro steigen. Unterm Strich halten wir erstmals einen Nettogewinn ohne Einmaleffekte von mehr als 500 Mio. Euro für darstellbar.

United Internet ist voll auf Kurs. Das Schwergewicht im TecDAX ist und bleibt eine Perle, auch wenn Dommermuth zwischendurch immer mal wieder einen heißen Reifen fährt; er aber stets für das Risiko belohnt wird. Nächstes Highlight wäre ein IPO des Bereichs Business Applications. Sicher ist: Dommermuth gelang es bisher immer, den Kapitalmarkt mit spannenden Neuigkeiten zu überraschen. Nachdem die Transaktion Drillisch abgeschlossen ist, dürfte der United Internet-CEO wieder Platz für neue Deals haben. Rücksetzer sind in der Aktie Kaufkurse.

www.vorstandswoche.de

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel