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Venezuela steht Kopf: Geldautomaten ohne Geld und der Petro als einzigen Rettungsanker

18.01.2018, 14:15  |  5347   |   |   

Vor einem Jahr war ein Dollar 3.100 Bolivar wert. Seitdem hat der Bolivar 98 Prozent seines Wertes verloren. Am Morgen des 11. Januar 2018 hatte man für einen Dollar ungefähr 151.000 Bolivar bekommen. Der Petro könnte der Hyper-Inflation womöglich Einhalt gewähren.

Venezuela hat nicht nur mit seiner Landeswährung ein immer größer werdendes Problem, sondern auch mit den Banken. Die Bürger stehen mehrere Stunden vor den Geldautomaten an, um die eigene Währung zu bekommen. Ein Reporter auf CNN berichtet aus Caracas - der Hauptstadt Venezuelas - von dem Selbstversuch, an einem üblichen Wochentag Bargeld zu bekommen. Stefano Pozzebon schreibt: "Supermärkte und Banken sind zu Schauplätzen von Verwirrung und Chaos geworden: Sind sie offen? Haben sie Geld oder Lebensmittel? Wieviel kann ich bekommen?".

In Venezuela gibt es zwei Wechselkurse: den offiziellen und den Schwarzmarkt-Wechselkurs. Jedoch spielt der offizielle Wechselkurs im Alltag der Bevölkerung kaum eine Rolle, so Pozzebon. Was das Leben auch erschwert ist die Tatsache, dass Venezuelas Bankbehörde jeden Monat den Banken mitteilt, wie viel Geld Kunden auf einmal abheben können. Dies erfährt der Kunde jedoch erst bei der Bank, denn es gibt darüber keine öffentliche Mitteilung. Zudem hat die Bank Association of Venezuela, die die Bankfilialen vertritt, vor sechs Monaten ihre Pressestelle geschlossen. Einige Banken geben kein Bargeld mehr aus und erlauben nur elektronische Transaktionen. 

Bei dem Selbstversuch von Stefano Pozzebon in Caracas Bargeld zu bekommen stellt sich heraus, dass es am 11. Januar 2018 kein Geld am Automaten gab, in einer der getesten Banken nur 5.000 Bolivar pro Kunde am Tag (3 Cent) ausgezahlt wurde und die Abhebung am Schalter nicht mit der Karte möglich war. Nach vier Stunden bekam Pozzebon endlich Bargeld: 10.000 Bolivar oder 6 Cent. Schnell folgte die Ernüchterung, denn mit den 10.000 Bolivar in der Tasche trifft er einen Freund auf einen Kaffee: der Cappuccino kostete 35.000 Bolivar.

Dabei war Venezuela eines der reichsten Länder Lateinamerikas. Stets war es von einer extremen Ungleichheit geplagt. Der sozialistische Führer, Hugo Chávez, versprach, die tiefe Kluft zwischen Arm und Reich zu beseitigen, als er 1999 Präsident wurde. In der Folge stiegen die Staatsausgaben in astronomische Höhen, um den armen Bürgern eine Absicherung zu geben. Chávez starb 2013 und sein Nachfolger, Nicolas Maduro, behielt die sozialistische Politik bei, auch wenn die Staatskassen leer geräumt waren. Nahrungsmittelknappheit und Stromausfälle wurden immer häufiger. Das Land geriet nach einem Ölpreissturz im Jahr 2014 in wirtschaftliche und soziale Unruhen. Die Organisation "Observatorio Venezolano de Conflictividad Social" (OVCS) teilte mit, dass es 2017 insgesamt 9.787 Proteste gab, was laut NZZ weltweit ein Spitzenwert sein dürfte. Zudem gilt Caracas als eine der gefährlichsten Städte der Welt. 

Auf der anderen Seite besitzt Venezuela mehr Öl als jede andere Nation auf der Erde und es stellte lange Zeit die Haupteinnahmequelle des Landes dar. Staatliche Misswirtschaft und weit verbreitete Korruption haben dazu geführt, dass die Ölförderung stark zurückgegangen ist, so CNN. Nun soll das Öl die neue Kryptowährung, den Petro, absichern. Durch die geplante Ausgabe von 100 Millionen Petro, gesichert von 100 Millionen Barrel der Erdölreserven, will Maduro 5,9 Milliarden Dollar einnehmen. Jedoch gibt es heftige Debatten um den Petro. 

Das von der venezolanische Opposition kontrollierte Parlament hatte am 10. Januar 2018 den Petro für illegal erklärt und seine Einführung als Verfassungsbruch eingestuft, so Gruenderszene. In den Augen des Parlaments handelt es sich bei dem Vorhaben um eine verfassungswidrige Schuldaufnahme, wenn jeder Petro-Coin mit einem Barrel Erdöl hinterlegt wird. Der Abgeordnete Jorge Millan meinte über das Vorhaben: „Das ist keine Kryptowährung, das ist ein Ausverkauf von venezolanischem Öl“, so Reuters.

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