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Kanadische Marihuana-Aktien brauchen die USA nicht

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
22.01.2018, 13:00  |  2375   |   |   

Es gibt einen guten Grund, warum die Industrie hinter legalisiertem Marihuana als grünes Gold bezeichnet wird. Jede Menge Leute haben jetzt Dollarzeichen in den Augen. Die meisten Marihuana-Aktien mit einer Marktkapitalisierung von 200 Millionen US-Dollar oder mehr haben sich im Laufe des letzten Jahres verdoppelt oder verdreifacht.

Diese Renditen folgen einem außergewöhnlich starken Umsatz in der Branche und einer deutlichen Verschiebung der öffentlichen Wahrnehmung. Das führende Cannabis-Forschungsunternehmen ArcView prognostiziert für Nordamerika ein Umsatzwachstum von 26 % bis 2021. Wenn sich diese Prognose als zutreffend erweisen sollte, könnten wir schon bald auf fast 22 Milliarden US-Dollar an jährlichen Marihuana-Umsätzen blicken.

Wir können auch sehen, dass der Rückhalt in der Öffentlichkeit für die Legalisierung immer weiter zunimmt. Seit April 2017 haben vier Umfragen in den USA gezeigt, dass es eine überwältigende Unterstützung für Marihuana gibt. Fast zwei Drittel der Befragten einer Gallup-Umfrage vom Oktober 2017 bestätigten das. Das ist ein Anstieg von nur 25 % im Jahr 1995, dem Jahr, in dem Kalifornien der erste von 29 US-Bundesstaaten wurde, wo medizinisches Cannabis legalisiert wurde.

Das Potential der Cannabis-Industrie in den USA ist aber begrenzt. Trotz der unglaublichen Gewinne der Aktien und des Umsatzwachstums gibt es in den USA eine Obergrenze. Das liegt daran, dass Cannabis immer noch als illegale Substanz eingestuft wird, die angeblich ein hohes Missbrauchspotential und keinen anerkannten medizinischen Nutzen hat.

Das ist mit einer Reihe von negativen Auswirkungen für Unternehmen verbunden, die in dieser Branche tätig sind.

Zum Beispiel können profitable Cannabis-Unternehmen gezwungen werden, einen effektiven Steuersatz von bis zu 90 % zu zahlen, da das amerikanische Steuergesetz ihnen verbietet, normale Abzüge auf die Körperschaftssteuer geltend zu machen. Sie haben auch einen geringen oder gar keinen Zugang zu grundlegenden Bankdienstleistungen wie Kredite oder Kreditrahmen, ganz zu schweigen von einem Girokonto.

Zusätzlich hat Generalstaatsanwalt Jeff Sessions seine Absicht angedeutet, der heimischen Marihuana-Industrie den Krieg zu erklären. Er hat sich offen dafür ausgesprochen, die Legalisierung zurückzunehmen, die medizinischen Cannabis-Unternehmen vor Strafanzeigen schützt. Er möchte auch das Cole-Memo aufheben, nach dem Cannabis in Bundesstaaten legalisiert werden kann, die sich bereit erklären, bestimmte Regeln zu respektieren. Nach diesen Regeln muss Cannabis auch von Jugendlichen ferngehalten werden und das Cannabis darf den Bundesstaat nicht verlassen.

Diese ganzen Dinge werden schon in der Investment-Community als eine große Enttäuschung gesehen. Als Reaktion auf die Forderung von Sessions, das Cole-Memo abzuschaffen, fielen Marihuana-Aktien um 15 bis 33 % am 4. Januar.

Die harte Wahrheit: Kanadische Marihuana-Aktien brauchen die USA nicht, um sich gut zu entwickeln.

Obwohl die USA der lukrativste Marihuana-Markt der Welt sein könnten, wenn es legalisiert würde, ist die Tatsache, dass kanadische Marihuana-Aktien seit mehr als einem Jahr stark ansteigen und keinen Zugang zum amerikanischen Markt benötigen, genug, um deren Erfolg zu bestätigen. Sie haben auch alleine genug Wachstumstreiber.

Medizinisches Cannabis ist seit 2001 in Kanada legal und es wird von Health Canada beaufsichtigt. Diese Regierungsbehörde hat bemerkenswerte Arbeit dabei geleistet, die Produktion und Lizenzierung zu kontrollieren. Einige Anbauer (MedReleaf (WKN:A2DTAQ) und Aphria (WKN:A12HM0)) schaffen es allein damit schon, profitabel zu arbeiten. Eine Pressemitteilung von Health Canada stellte im Mai 2017 fest, dass die Patientenrekrutierung für das medizinische Marihuana-Programm mit einer Rate von 10 % pro Monat wächst.

Abgesehen von medizinischem Cannabis scheint Kanada auch, die Legalisierung von Marihuana zum Freizeitgebrauch im Juli 2018 anzustreben. Obwohl Premierminister Justin Trudeau anfänglich mit Einwänden konfrontiert war, konnten diese überwunden werden. Es gibt anscheinend mehr progressive Mitglieder im Parlament als konservative, und vor kurzem wurde einen Vertrag mit den 13 kanadischen Provinzen über die steuerliche Aufteilung der Erlöse aus dem Marihuana-Verkauf geschlossen. Sollte Marihuana im Juli für den Gebrauch durch Erwachsene legal werden, könnten bis zu 5 Milliarden US-Dollar an Umsatz generiert werden.

Abgesehen davon gehört Kanada zu einer kleinen Gruppe von Ländern, die den Export von getrocknetem Cannabis genehmigt haben. Zum Beispiel hat Deutschland kürzlich medizinisches Marihuana legalisiert, aber es hat praktisch keine eigene einheimische Wachstumskapazität. Daher muss getrocknetes Cannabis von kanadischen Anbietern importiert werden.

Die Branche ist in Kanada darüber hinaus schon recht konsolidiert. Der US-amerikanische Markt wird von kleinen Unternehmen dominiert, in Kanada gibt es große und mittelgroße Unternehmen. Das mag zwar nicht jedem gefallen, aber es ist die perfekte Formel für Investoren und niedrige Produktionskosten.

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