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Internationale Studie Warum sind Menschen für Umverteilung?

Gastautor: Rainer Zitelmann
26.01.2018, 09:19  |  1691   |   |   

Ein internationales Team von Psychologen führte 13 Studien mit 6.024 Teilnehmern in den USA, Großbritannien, Indien und Israel durch. Leitfrage war die psychologische Motivation zur Unterstüzung von Umverteilung.

Was sind die psychologischen Hintergründe dafür, dass Menschen dafür eintreten, durch höhere Steuern für die Reichen Vermögen umzuverteilen? Welche Rolle spielt beispielsweise der Neid? Welche Rolle spielen Vorstellungen von Fairness? Hierzu gab es eine bahnbrechende und groß angelegte internationale Studie, die jüngst von Daniel Sznycer und anderen in einer amerikanischen Fachzeitschrift veröffentlicht wurde. Titel: "Support for redistribution is shaped by compassion, envy, and self-interest, but not a taste of fairness."

 


Das Design der Studie

  1. Die Zustimmung der Befragten zur Umverteilung wurde durch Fragen wie diese gemessen: "Wealth should be taken from the rich and given to the poor" oder auch "The government spends too much money on the unemployed".
  2. Mitgefühl (dispositional compassion) wurde gemessen mit Aussagen wie: "I suffer from others' sorrows" oder "I tend to dislike soft-hearted people".
  3. Neid wurde mit Fragen gemessen wie: "I feel envy every day" und "It is so frustrating to see some people succeed so easily."
  4. Der erwartete persönliche Vorteil von Umverteilung wurde durch folgende Frage gemessen: "Imagine that a policy of higher taxes on the wealthy is implemented. What overall impact do you think the higher taxes on the wealthy would have on you?" Auf einer Skala von 1 bis 5 konnten die Befragten angeben: "My own economic situation would significantly worsen - improve."
  5. Es wurden zwei Szenarien als Folge höherer Steuern alternativ dargestellt:
    • Die Reichen (definiert als das 1% der vermögendsten Personen) zahlen 10% mehr Steuern. Die Armen bekommen entsprechend mehr Geld, das sind in diesem Fall 200 Millionen Euro.
    • Die Reichen zahlen 50% mehr Steuern, aber die Armen bekommen statt 200 Millionen nur 100 Millionen mehr Geld. (Um dies für die Befragten zu plausibilisieren, wurde erklärt, dass die Reichen mehr verdienten als die Steuersätze niedriger waren, so dass mehr Steuern generiert wurden, die dann an die Armen umverteilt werden konnten).
  6. Fairness ist schwerer zu messen, da jeder etwas anderes darunter versteht. Die Autoren der Studie entschieden sich, in getrennten Fragen die Zustimmung zur "procedural fairness" und zur "distributional fairness" zu messen.
    • Die Zustimmung zur "procedural fairness" wurde gemessen mit Fragen wie: "The law of the land should apply to everybody in the same way." Oder: "It would not bother me much, if different groups or people were subject to different rules" (reversed).
    • Die Zustimmung zur "distributional fairness" wurde gemessen, indem sieben Entscheidungsfragen gestellt wurden, wie eine bestimmte Summe unter Individuen und Gruppen verteilt werden sollte. Es differierte sowohl die Summe als auch die Art der Verteilung.
       

Die Ergebnisse
Die Untersuchungen in allen vier Ländern ergaben, dass Fairness-Vorstellungen nur geringe oder gar keinen messbaren Auswirkungen auf die Befürwortung von Umverteilung hatten. Dies trifft für beide Fairness-Varianten (gleichmäßige Verteilung oder gleiche Regeln für alle) zu.

Das Alter hatte ebenfalls in keiner der Länderstudien Auswirkungen auf die Zustimmung der Umverteilung. Das Geschlecht hatte in den USA und Großbritannien stärkere Auswirkungen - Frauen waren hier eher gegen Umverteilung als Männer. Der sozioökonomische Status der Befragten hatte nur in Großbritannien einen (negativen) Effekt auf die Befürwortung von Umverteilung, in den anderen drei Ländern nicht. In den USA hatte auch die Parteipräferenz einen Einfluss - Demokraten unterstützten erwartungsgemäß eher die Umverteilung als die Republikaner

Die drei Faktoren Mitgefühl, Neid und Eigeninteresse hatten indes messbare Auswirkungen auf die Zustimmung zur Umverteilung, und zwar jeder einzelne Faktor, unabhängig voneinander. 14 - 18 Prozent der Befragten gingen sogar so weit, dass sie für eine Umverteilung durch sehr hohe Besteuerung der Reichen (50% mehr) auch dann wären, wenn im Ergebnis die Armen weniger (nämlich nur die Hälfte) bekommen würden als bei einer moderaten Steuererhöhung (10% mehr). Ihnen war offenbar das Gefühl der Befriedigung, wenn den Reichen möglichst viel weggenommen wird, wesentlich wichtiger als die Frage, was die Armen davon haben.

Ein weiteres Ergebnis: Je neidischer die Befragten sind, desto stärker präferierten sie bei den Befragungen in USA, Großbritannien und Indien das "wealthy-harming scenario". Die Analyse zeigte, dass das Ausmaß des Mitgefühls die Bereitschaft erklärte (durch eigene Spenden) den Armen zu helfen, während das Ausmaß des Neides keine Auswirkungen auf die Hilfsbereitschaft hatte. Umgekehrt: "Evny, but not compassion, predicts a desire to tax the wealthy even when that costs the poor.

Einen Überblick über die Bücher von Dr. Dr. Zitelmann finden Sie hier:
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Kommentare

das Problem ist nicht die Umverteilung sondern die Ursache das untere und mittlere Einkommen immer stärker ja existenzgefährdend von Steuern und Abgaben belastet werden. Vom Brutto bleibt Netto nichts übrig und dazu kommen jetzt noch niedrige Zinsen der Notenbanken. Da nützt die ganze Umverteilung nichts mehr. Außerdem ist das Vermögen nur auf dem Papier solange es keine Wirtschaftskrise gibt. Unser Staat bez. die ganze Bürokratie verschleudert das Geld. Hier muss man ansetzen. Man kann nicht die ganze Welt durchfüttern wollen und gleichzeitig Klimaschutz-Ziele ausrufen. Was auf der einen Seite ein sehr humanitäres Ziel ist wirkt sich andererseits verheerend für alle zum Schluss aus. Es geht einzig um das Setzen von Prioritäten.
Was für ein Quark...es geht nicht um Umverteilung , die hat in den letzten 50 jahren längst statt gefunden und zwar von Unten nach Oben, sondern um deren Korrektur, um eine angemessenen Teilhabe Aller an der erbrachten Wertschöpfung in einem Unternehmen. Es ist schlicht ungerecht, dass einige wenige den erwirtschafteten Mehrwert einer Unternehmung unter sich aufteilen und mehr als das 200, 300 oder 400 fache verdienen wie der Durchschnitt ihrer Mitarbeiter.
.... und das noch bei Schlechtleistung oder Totalversagen ala Winterkorn, Nonnenmacher usw.
oder Steuerhinterziehung wie Zumwinkel ,Esser oa. .
Es muss nicht nur einen höheren Mindestlohn als 8,50 € , sondern auch ein Höchstlohn von 2 oder 3 Millionen oder eine entsprechende Steuerprogression geben. 50 % ab der 2. Million , 65 % ab der 3. Million , 75 % ab der 4. usw geben. Reichtum verpflichtet. Vollkommene Steuerfreiheit bei der Übertragung vom Firmenwerten/vermögen an Minderjährige von 30 oder mehr Milliarden jährlich ohne ein einziges Prozent Oder Cent Erbschaftssteuer sind ein Unding. Das Grosskapital schafft sich seine eigene Steuerbefreiung. Der Schwanz wedelt mit dem Hund.


Quando
Korrekt, Umverteilung findet täglich statt, von unten nach oben. Das ist die Religion der 1%-Leute.

Wenn die Roboter die Arbeit komplett übernehmen, sind die 99% dafür aber entbehrlich geworden.
Es wird eine weltweite Seuche geben, der Impfstoff kostet 1 Mio. USD. Verteilung der Erreger durch Roboterdrohnen.

M.E. ist die KI vielleicht sogar unsere Rettung - wenns zur Befehlsverweigerung kommt, was nur wenige Menschen können, aber vielleicht die Roboter.
Das Eigenartige ist, das bei der Diskussion von sozialer Benachteiligung nur immer auf die materiellen Aspekte abgestellt wird, genauso stark, wirkt sich der Wohnort, Einbindung in soziale Strukturen (herrschaftswissen) und gewährte Mindestsicherungen (erhöhte Risikobereitschaft) aus.

Logischerweise ist nicht bewiesen, daß eine rein finanzielle Maßnahme wie Besteuerung von Einkommen und Vermögen überhaupt zu einer "gerechteren" oder gar zu einer "gerechten" Gesellschaft führt.
Was für ein Blödsinn, die Reichen haben in den aller meisten Fällen nicht ihr Vermögen allein verdient, sondern andere dafür arbeiten lassen. Wenn man den Arbeitnehmer nicht am Gewinn beteiligt, muss eben umverteilt werden.

Disclaimer

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