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US-Aktien in der Fahnenstange

Gastautor: Klaus Singer
28.01.2018, 17:35  |  2327   |   |   

Die US-Aktienmärkte gehen in einen exponentiellen Verlauf über. Eine solche Fahnenstangen-Situation ist oft kennzeichnend für die letzte Phase eines Bull-Runs. Gut für die, die schon länger dabei sind, in solchen Phasen werden die schnellsten Gewinne erzielt. Schlecht für die, die bisher an der Seitenlinie standen und sich jetzt selbst in den Markt drängen. Während die einen tief kaufen und hoch verkaufen, machen es die anderen umgekehrt, sie kaufen hoch und verkaufen tief.


Die einen, das sind die „Smarten“, setzen in der Spätphase eines Bull-Runs darauf, ihr über die Jahre angesammeltes Material auf die „Unsmarten“ abzuladen. Da der Bull-Run in seinem zehnten Jahr ist und die Zentralbanken in den zurückliegenden Jahren mit vollen Händen für billiges Geld gesorgt haben, ist hier einiges zusammengekommen, das möglichst kursschonend unter die Leute gebracht werden muss.

Während die Kurse sich nach oben beschleunigen, zeigt das Verhältnis der auf steigende und fallende Aktien Volumina seit Mitte Dezember Tempoverlust, zu erkennen an der sich abflachenden türkisen Linie. Die Indikation ist zudem jetzt in Distribution gekippt. Aus dieser Auswertung ergibt sich, dass kurzfristig die Luft für weitere Kursanstige sehr dünn geworden ist. Die Wahrscheinlichkeit einer mehr oder weniger scharfen Korrektur ist hoch.

Übergeordnet ist das Bild noch nicht so “gestresst”. Das aktuelle Volumenverhältnis liegt 8% unter dem jüngsten lokalen Hoch von Anfang August 2016. Bezogen auf das Rekordhoch seit 2008, erreicht Anfang August 2009, liegt das aktuelle Volumenverhältnis etwa 18% tiefer. „Stunde Null“ der Volumenverteilung war Anfang November 2008.

Im August 2016, nach dem jüngsten lokalen Maximum bei der Volumenverteilung, kippte der S&P 500 von 2185 aus in zwei Etappen auf knapp 2090 (per Anfang November 2016) ab, also um rund 5%. Zuvor war er seit Anfang Juli 2016 um gut neun Prozent angestiegen. Der jüngste beschleunigte Anstieg seit Mitte Dezember 2017, so spektakulär er sich auch anfühlt, brachte einen Kursgewinn von lediglich gut sieben Prozent.

Die Auswertung der fraktalen Oszillatoren zeigt einerseits ein stark überzogen expansives Bild, andererseits ebenfalls Tempoverlust („nt“ im Chart). Die Linearität liegt bei sehr hohen 81%, 76% der Kursmuster entfallen auf Expansion. Lineare Merkmale bei der „Kursmechanik“ überwiegen, aber seit Mitte Januar gewinnen zyklische Kursmuster an Bedeutung, die eher normalem Marktverhalten entsprechen. Auch von hier aus erscheint noch kurzfristiges Restpotenzial auf der Expansionsseite möglich. Aber wetten würde ich darauf nicht.

Treiber der bullischen Herde war (und ist noch) die Trumpsche Steuerreform, die Ende 2017 Gesetz wurde. Hier wird erwartet, dass sie die Unternehmensgewinne in 2018 um etwa neun Prozent ansteigen lässt. Auch der Verlauf der Quartalssaison half bis jetzt – für das vierte Quartal 2017 wird eine Steigerung der Unternehmengewinne im S&P 500 um jetzt 13,2% erwartet. Die Zahlen besonders von Energiefirmen konnten von steigenden Ölpreisen profitieren. Nichtsdestotrotz hat das Shiller-KGV mittlerweile fast 35 erreicht – nur 2000 war es mit 44 höher, 1929 kam es auf 30.

Viel wird bei den Wirkungen der Steuerreform darauf gewettet, dass repatriierte Auslandsgewinne zu verstärkten Aktienrückkäufen und zu ansteigender M&A-Aktivität führt. Natürlich will sich jeder gerne seine Aktien (zu einem höheren Kurs als heute) abkaufen lassen, deshalb wird jetzt nicht verkauft. Die großen Tech-Firmen, deren Kursentwicklung die Aktienentwicklung insgesamt in den zurückliegenden 18 Monaten stark geprägt hat, sind da besonders im Fokus. Mit starken Aktienrückkäufen könnte das KGV wieder in normalere Regionen laufen, so eine weitere Hoffnung. Die große Unbekannte dabei ist, wie viel von den Auslandsgewinnen in „cash“ oder aber in US-Assets wie Aktien und Anleihen, auch „sicheren“ Staatsanleihen, investiert ist.

Viel ist von den „Segnungen“ der Trumpschen Politik in den Kursen eingepreist. Das lässt den S&P 500 nun 13% über seiner EMA200 zu notieren, mit Abstand der höchste Wert seit mindestens 2004. Man kann es drehen und wenden, wie man will, alles in allem ergibt sich eine starke Überdehnung der Aktienkurse. Das macht anfällig schon gegen „nicht so gute“ Nachrichten.

Der US-Finanzminister hat kürzlich die Dollar-Schwäche begrüßt, sie würde US-Multis im internationalen Wettbewerb helfen. Natürlich verschafft ihnen das Extraprofite, sie nutzt auch denjenigen, die in Dollar verschuldet sind, wie etwa vielen Emerging Markets. Andererseits treibt ein schwächer werdender Dollar die Rohstoffpreise global an, das stärkt inflationäre Bewegungen insgesamt. Besonders betroffen sind davon die USA, deren ohnehin schon vergleichsweise hohe Inflationsrate durch importiertte Pressteigerungen noch beschleunigt wird. Das mag zwar Aktionäre über Inflationsillusion noch eine zeitlang beglücken, aber wenn die Illusionsblase erst einmal platzt, wird es nicht lustig.

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