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Währungskriege sehen anders aus

30.01.2018, 08:05  |  1773   |   |   

Der Aufschrei aus der EZB war unüberhörbar: In ungewöhnlich scharfen Worten reagierte Präsident Draghi auf die Äusserungen des US-Finanzministers, Mnuchin, dass ein schwacher Dollar gut für den amerikanischen Aussenhandel sei. Zu Recht. Zu der Wirtschaftskrise der 30er Jahre haben ein Abwertungswettlauf und Protektionismus beigetragen.

Dem Konsens der G20 nach der Finanzkrise, die Fehler der 30er Jahre nicht zu wiederholen, ist der gegenwärtige Aufschwung der Weltwirtschaft zu verdanken. Das von Draghi angesprochene Communiqué des International Monetary and Financial Committees (IMFC) ist in diesem Zusammenhang nicht ohne Bedeutung. Auch Herr Mnuchin verpflichtet sich darin von kompetitiven Abwertungen abzusehen und aufgrund von Wettbewerbsüberlegungen keine bestimmten Wechselkurse anzustreben.

Finanzminister äussern sich daher gewöhnlich nicht zu aktuellen Wechselkursentwicklungen. US-Präsidenten auch nicht. Das mag nicht jedem in der gegenwärtigen US-Administration bekannt sein, die schon viele Tabus verletzt hat und daran auch offensichtlich Gefallen findet. Wir interpretieren die Aussagen Mnuchins daher nicht als Beginn eines Währungskrieges, selbst wenn dieser zu einer «America First» Agenda und ihrem ökonomischen Nationalismus passen würde.

Kriege werden mit (1) Waffen, (2) Strategien und (3) Verbündeten gewonnen. Die US-Administration scheint nichts davon für einen erfolgreichen Währungskrieg zu besitzen. Als Waffen könnten die Wahl des Wechselkursregimes, Devisenmarktinterventionen und eine sehr expansive Geldpolitik gelten. Kaum vorstellbar ist es, dass die USA ihr Wechselkursregime ändern. Devisenmarktinterventionen und die Geldpolitik liegen im Aufgabenbereich der US-Notenbank.

Auf diese hat die Trump-Administration zwar Einfluss, in dem sie die noch ausstehenden Posten im Zentralbankrat, dem FOMC, besetzen kann. Die Unabhängigkeit der Fed sichert aber zudem, dass die FOMC-Mitglieder von der Regierung keine Weisungen befolgen müssen. Würde dies in Frage gestellt, würden die Finanzmärkte wohl ebenfalls die Glaubwürdigkeit des Inflationsziels anzweifeln. Das Resultat wären stark steigende Zinsen in den USA. Damit wären US-Treasuries wohl auch ihren Status als sicherer Hafen los. Die Suche nach einer neuen Weltreservewährung würde beginnen.

Eine Strategie hinter den Aussagen von Mnuchin ist ebenfalls nicht zu erkennen. Anderenfalls hätte er in den Folgetagen kaum zurückgerudert und auch Präsident Trump hätte sich nicht für einen starken US-Dollar ausgesprochen. In relativ kurzer Zeit haben beide so durch unbedachte Kommunikation ihre Glaubwürdigkeit beim Thema Wechselkurs verloren.

Schliesslich ist nicht zu erkennen, dass die US-Administration bei einem Währungskrieg Verbündete hätte. Eine Wiederholung des «Plaza-Abkommen» von 1985 ist noch nicht mal ansatzweise erkennbar. Zwar mag der US-Dollar mittelfristig gesehen eher hoch bewertet sein, im Vergleich zu 1985 fällt dies jedoch gering aus. Zudem versuchen derzeit alle wichtigen Zentralbanken der Welt noch eher höhere Inflationsraten zu erreichen. Ein schwächerer US-Dollar und damit eine stärkere heimische Währung würde es Ihnen erschweren, dieses Ziel zu erreichen. Innenpolitwisch wäre es ebenso schwierig Verbündete zu finden.

In einer Zeit von Vollbeschäftigung und von nur noch knapp unterhalb des Ziels liegenden Inflationsraten ist der Kurs der US-Geldpolitik vorbestimmt. Sie wird versuchen müssen über höhere Leitzinsen eine Überhitzung der US-Wirtschaft zu verhindern. Tut sie das nicht, wären ein deutlicher Anstieg der Inflationserwartungen und damit ein Bondmarkt-Crash möglich.

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