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Marihuana-Aktien: Gras muss unbedingt ins Depot, doch welche Aktie hat das beste Geschäftsmodell?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
30.01.2018, 09:03  |  4161   |   |   

Marihuana, Gras, Pot, Dope, Weed – alles ist Hanf oder auch Cannabis genannt. Marihuana ist ein boomendes Milliardengeschäft. Marktbeobachter gehen von einem Marktvolumen von 22,6 Mrd. US-Dollar und jährlichen Wachstumsraten von 27 % bis zum Jahr 2021 aus. Deshalb meinen viele: Jetzt kiffen für die Rendite und Gras ins Depot. Doch welche Aktien sind nicht schon zu teuer und wie sieht es mit dem Geschäftsmodell aus?

Die Ratio zur Legalisierung von Marihuana

Marihuana wird sehr bald in mindestens acht der 50 US-Bundesstaaten erlaubt sein. Und in Kanada plant die liberale Regierung ebenfalls die Freigabe von Marihuana zum 1. Juli 2018, auch um die Nummer 1 in der weltweiten Produktion des Rauschmittels zu werden.

Die von mir in vieler Hinsicht bewunderten Holländer waren uns allen ohnehin voraus. Aber warum nur dieser Sinneswandel in Nordamerika?

Man könnte glauben, dass die jeweiligen Regierungen zum überwiegenden Teil aus Kiffern bestehen, die deshalb für die Legalisierung der Droge votieren. Das mag auch so sein, doch andere Gründe scheinen gewichtiger: die Cannabis-Legalisierung verhindert nämlich die Marihuana-Kriminalität, und damit wird das Dope Bestandteil der normalen Wirtschaft. Das führt zu neuen Jobs, Steuereinnahmen und somit zu Wachstum.

Und wo gibt es noch jährliche Wachstumsraten von 27 %, die für Marihuana bis 2021 vorausgesagt werden? Bedenklich ist, dass Marihuana bei häufigem Gebrauch süchtig macht, allerdings vergleichen Anhänger die Droge mit Nikotin oder Alkohol und fordern deshalb eine Legalisierung.

Überlegungen zur Marihuana-Marktentwicklung

Unstrittig ist dagegen der Einsatz in der Medizin, wo Marihuana zur Schmerzlinderung bei Krebs- und Aidspatienten eingesetzt wird und als erprobtes Mittel gegen Schmerzen, Übelkeit und Schlaflosigkeit gilt.

Große Aktienunternehmen aus diesem Bereich kommen vor allem aus Kanada wie beispielsweise die Aurora Cannabis Inc. (WKN:A12GS7) mit ca. 4 Mrd. Euro Marktkapitalisierung oder die Canopy Growth Corp. (WKN:A140QA) mit ca. 4,4 Mrd. Euro Marktkapitalisierung (Stand 29.1.2018). Beide sind allerdings (noch) nicht in der Gewinnzone.

Ich persönlich habe Bedenken, was die weitere Entwicklung dieses Marktes angeht:

  1. Wird der polternde Donald Trump alles wieder rückgängig machen und Marihuana in den USA verbieten?
  2. Wie werden sich die Preise für Marihuana entwickeln, wenn der Markt gesättigt sein wird? Produzenten der Drogen sprießen nämlich wie Pilze aus dem Boden, so dass niedrige Preise auch die Gewinne der Unternehmen drücken werden.

Diese Marihuana-Aktie hat es in sich

Die britische GW Pharmaceuticals (WKN:693692) produziert kein Marihuana für die breite Masse an Kiffern, sondern nutzt die vorteilhaften Eigenschaften der Droge für die Entwicklung sicherer Medikamente in der Medizin.

Am weitesten fortgeschritten ist die Entwicklung für Epidiolex, ein pures Cannabinoid aus Hanfpflanzen. Kürzlich wurden positive Daten aus einer Klinischen Phase III-Studie bekannt gegeben, bei der Epidiolex gegen bestimmte Formen der Epilepsie eingesetzt wurde. Bei Epilepsie kommt es zu Anfällen, die durch überschießende Neuronen-Aktivität im Gehirn der Patienten ausgelöst werden.

Dass eine Zulassung erwartet wird, zeigen auch die erfolgreiche Kapitalerhöhung von 236 Mio. US-Dollar sowie die Vorhersage von Evaluate Pharma, dass Epidiolex zum Blockbuster mit Jahresumsätzen jenseits der 1 Mrd. US-Dollar im Jahr 2022 werden sollte.

Interessanterweise ist die exakte Wirkungsweise des in Epidiolex enthaltenen Cannabidiols unbekannt, aber es wirkt unter anderem bei Epilepsie und beruhigt die Nerven. Bisher wurden bei der FDA (US Food and Drug Administration) zwei Zulassungsanträge gestellt, nämlich die Anwendung von Epidiolex beim Lennox-Gastaut-Syndrom sowie beim Dravet-Syndrom.

Eine Entscheidung wird nun zum 27. Juni 2018 erwartet, und es sieht aus rein statistischen Gründen schon gut aus. Denn ca. 90 % aller eingereichten Zulassungsanträge bekommen einen positiven Bescheid von der FDA.

Zudem hat GW Pharmaceuticals ganze drei Phase III-Studien durchgeführt und Sicherheitsdaten für stattliche 1500 Patienten zur Verfügung gestellt, von denen ca. 400 seit über einem Jahr kontinuierlich in Behandlung sind.

Aber braucht der Markt Epidiolex? Für das Dravet-Syndrom gibt es keine zugelassenen Medikamente und beim Lennox-Gastaut-Syndrom treten bei bisherigen Therapien Resistenzen auf. Mitbewerber wie Zogenix (WKN:A14V7E) sind weiter zurück in der Entwicklung, d.h. der Markt ist da und wartet.

Und der Rest der Pipeline? Epidiolex wird auch noch bei tuberöser Sklerose und bei infantilen Spasmen in Phase II bzw. Phase I geprüft. Mit GWP42006 gegen Epilepsie in Phase II sowie GWP42002/GWP42003 in Phase II gegen Glioblastom und Schizophrenie gibt es noch weitere Wirkstoffe bei Krankheiten mit bisher wenig Alternativen und gleichzeitig großem Marktpotenzial.

Fazit

Bei einer Marktkapitalisierung von knapp 3 Mrd. Euro (Stand 29.1.2018) sind sicherlich einige Vorschusslorbeeren im Kurs mit drin. Kommt es jedoch zur Zulassung und sollte sich das erwartete Umsatzpotenzial von mehr als einer Mrd. US-Dollar bis 2022 bewahrheiten, dann hat die Aktie sicher noch Schwung nach oben.

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