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Aus für CFDs/FX und Klagewelle gegen Knock-Out Zertifikate?

30.01.2018, 11:23  |  1369   |   |   

Die ESMA schießt mit geplanten Einschränkungen für CFD/FX-Trading weit über das Ziel des Anlegerschutzes hinaus. Und bedroht damit ein wichtiges Handelsinstrument.

Es rumort gewaltig in der Branche. Die ESMA, zuständig für die EU-weite Regulierung der Finanzmärkte, hat weitreichende neue Regeln unter anderem für den CFD- und Forex-Handel vorgeschlagen. Jene Forderung, die maximal erlaubten Hebeln drastisch nach unten zu schrauben, sorgt zwar für den lautesten Aufschrei. Dabei liegt das größte Problem in einem anderen Vorschlag versteckt. Der hoffentlich nicht übersehen wird in der nun laufenden Einspruchphase, sonst gute Nacht viele Broker und Trader. WENN die geplanten Änderungen tatsächlich so umgesetzt werden, wird das wohl nicht nur eine Konsolidierung in der Brokerlandschaft nach sich ziehen. Auch sehr viele Trader werden ihren Handelsansatz so nicht mehr durchführen können. Dabei wollen die Beamten doch nur den Kunden schützen, oder? Werfen wir dazu einen Blick auf die Kernforderungen der ESMA.

Verbot Binärer Optionen

JAAAAA, grandios, das wird aber auch endlich Zeit. Hinfort mit dem abzockerischen Unsinn. Darauf haben wir nicht bloß einmal hingewiesen. Wunderbar, das fängt doch gut an, was haben sich die Beamten denn außerdem noch für Gedanken gemacht?

Abschaffung der Nachschusspflicht

Ist ja für deutsche Trader nichts Neues, diesen für Trader grundsätzlich erfreulichen Aspekt haben wir bereits vor längerer Zeit in diesem Artikel ausführlich beleuchtet.

Die spürbarste Folge davon war, dass die meisten Broker mit dem Hebel standardmäßig runtergegangen sind auf 1:50 bis 1:100. Und vor wichtigen News bzw. Wochenenden gerne situativ die Margin erhöht haben. Alles noch kein Problem bislang. Aber jetzt kommt der erste Aufreger.

Hebelbeschränkung auf 1:5 bis 1:30

Die CFD/FX-Branche hat sich mental schon länger auf eine Obergrenze von 1:50 eingestellt. Und das ist auch begrüßenswert im Kampf gegen unnötige Lockangebote unseriöser Broker, die mit Hebeln von 1:500 oder gar 1:1000 werben. Was große Probleme mit sich bringt bei extrem volatilen Ereignissen, wenn so ein Broker dann auf dem falschen Fuß erwischt wird war es das für ihn, der meldet lieber Insolvenz an als Millionen auftreiben zu müssen für den Ausgleich negativer Konten. Was dann natürlich wiederum nicht nur den betroffenen Tradern, sondern auch allen seriösen Brokern schadet.

Aber eine Obergrenze von bis zu 1:5 für volatile und nicht sehr liquide Basiswerte wird natürlich nicht ohne Folgen bleiben. Selbst die strengen US-Regulierungsbehörden haben sich mit 1:50 zufrieden gegeben. Beispielhafte konkrete Auswirkungen wären etwa:

  • statt 100 EUR Margin (100:1) für ein Mini-Lot EUR/USD würden dann 333 EUR (30:1) benötigt
  • statt 130 EUR Margin (100:1) für 1 CFD des DAX30-Index würden dann 650 EUR (20:1) benötigt
  • für 1.000 Aktien-CFDs der Commerzbank braucht man dann Intraday nicht mehr bloß 685 EUR (20:1), sondern 2.740 EUR (5:1) Margin
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Gerade für Einsteiger sind CFDs ein wunderbar transparentes und bisher kostengünstiges Produkt. Die 5 EUR Flat Fee eines beliebten Online-Brokers für jede Zertifikate- und Optionsscheinorder etwa sind doch für ein kleines 1.000 EUR-Konto gar nicht finanzierbar. Diese Kleinanleger werden sich nun vermehrt von "Freetrade"-Aktionen locken lassen. Die entweder immer zeitlich begrenzt sind, oder nur für wenige Emittenten gelten. Langfristig kommt man dann um die schmerzhaften Provisionen nicht herum.

Während der CFD-Handel sehr viel günstiger ist. Künftig aber dickere Kapitalpolster benötigt, siehe Beispiel am Ende des Artikels. Ein Gesprächspartner, der anonym bleiben möchte, ließ sich sogar zu der Aussage hinreißen

Ein so massiver Hebel-Cut wird den Brokern mehrere hundert MillionenEuro Einbußen bescheren.

Das mag eine etwas hochgegriffene Zahl sein, aber leichter wird das Business sicher nicht. Und was schlecht für die Broker ist, ist nicht automatisch gut für uns Trader, oft ganz im Gegenteil.

Darüber, dass Knock Outs-Zertifikate im Hebel nach oben hin gar nicht begrenzt sind, will ich erstmal noch gar nicht sprechen, denn jetzt kommt erst noch jene Spaßbremse, die viele noch gar nicht realisiert haben.

Neue Stop-Out Regeln

Bisher hatte jeder Broker eigene Regeln, wie und wann Positionen im Verlust automatisch vom Broker geschlossen werden. Um den Kunden zu schützen, aber natürlich auch um den Broker selbst zu schützen. Schließlich drohen manche überinvestierten Konten ohne vernünftige Stopps in volatilen Phasen ins Minus zu geraten. Und seit Wegfall der Nachschusspflicht müsste das der Broker ja aus eigener Tasche berappen. Die einen gingen nach dem First In, First Out-Prinzip vor, andere haben die größte Verlustposition geschlossen etc.

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