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Marktkommentar: Guy Wagner (BLI): Anlagestrategie 2018
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Marktkommentar Guy Wagner (BLI): Anlagestrategie 2018

Nachrichtenquelle: Asset Standard
31.01.2018, 00:00  |  744   |   |   

„Um zu wissen, wo man hingeht, muss man zuerst wissen, wo man steht!“- Wo also stehen die Finanzmärkte zu Beginn dieses Jahres?

Das mindeste, was man sagen kann, ist, dass die Börsen 2017 eine hervorragende Wertentwicklung hingelegt haben. Es ist schwierig, nicht wenigstens einen Index zu finden, der nicht um mindestens zehn Prozent in lokaler Währung zugelegt hat. In Euro ausgedrückt ist ihre Performance weniger spektakulär aufgrund der Aufwertung der Gemeinschaftswährung. Nur wenige Beobachter hätten eine solche Wertentwicklung noch vor einem Jahr vorausgesagt.

Im Rückblick erwies sich das Umfeld vergangenes Jahr als quasi perfekt für Aktien.

Zunächst einmal hat sich die Weltwirtschaft beschleunigt und ihr stärkstes Wachstum seit der Krise erreicht. Darüber hinaus haben alle Regionen zu diesem Wachstum beigetragen, wobei sich vor allem die Lage im Euroraum verbessert hat. Zudem hat die Wachstumsbeschleunigung keinen Wiederanstieg der Inflation verursacht. In fast allen Industrieländern blieb die Inflation sogar unter den Zielen der Zentralbanken (blieb aber gleichzeitig ausreichend hoch, um keine neuen Deflationsängste auszulösen). Schließlich, und ungeachtet der durchgeführten Zinserhöhungen durch die Federal Reserve in den USA, blieb die Geldpolitik der Zentralbanken sehr expansiv und die Liquidität ergiebig. Eine anhaltende Inflation und sehr niedrige Leitzinsen haben dafür gesorgt, dass es keinen Wiederanstieg bei den langfristigen Zinsen gegeben hat, umso mehr, als dass einige Zentralbanken ihre Anleihe-Kaufprogramme fortgesetzt haben. Zusammenfassend profitierten die Aktienmärkte also von einer Beschleunigung des Wirtschaftswachstums, die zu einer Erhöhung der Gewinnschätzungen der Unternehmen führte, ohne jedoch einen Wiederanstieg der Zinsen auszulösen. Die strukturellen Risiken, die mit einer noch nie dagewesenen Verschuldung verbunden sind, sind sicherlich nicht verschwunden. 2017 hat jedoch einmal mehr bewiesen, dass Anleger diese vorübergehend vergessen können beziehungsweise, dass die Art und Weise wie sie diese betrachten, von ihrer Tageslaune und dem Marktverhalten abhängen. MMA: Markets Make Opinions.

 

Aktienbewertungen sind hoch

2017 sind die Aktienkurse generell stärker gestiegen als die Unternehmensgewinne. Die Bewertungskennzahlen, die bereits vor einem Jahr hoch waren, sind demnach noch weiter gestiegen; dies gilt vor allem für den US-amerikanischen Markt. Rund zwei Drittel der vom Index S&P 500 seit Februar 2016 registrierten Hausse erklärten sich durch eine gestiegene Aktienbewertung. Darüber hinaus hat dieser Bewertungsanstieg im Kontext einer geldpolitischen Straffung der Federal Reserve stattgefunden, wobei die Bewertungen in der Vergangenheit eher fielen, wenn die US-amerikanische Zentralbank ihre Zinsen anhob.

 

Die Bewertungskennzahlen von Aktien gehören heute zu den höchsten, die jemals verzeichnet wurden. Die Geschichte zeigt, dass eine direkte Verbindung zwischen der Bewertung der Aktienmärkte und ihrer zukünftigen Rendite besteht. Die Renditen, die ein Anleger angesichts der gegenwärtigen Bewertungsniveaus erwarten kann, sind infolgedessen sehr niedrig. Es ist jedoch herauszustellen, dass die Verbindung zwischen dem gezahlten Preis (also den Bewertungen) und der zukünftigen Rendite nur über langfristige Zeiträume gilt. Die Tatsache, dass Aktien heutzutage teuer sind, erhöht sicherlich das Baisse-Risiko im Falle einer Trendumkehr, hilft aber wenig, wenn es darum geht, ihr Potenzial für 2018 vorherzusagen. Ein teurer Markt kann noch teurer werden.

 

S&P 500: Bewertungsniveau und Baissemärkte


Grafik: S&P 500: Baissemärkte und Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis

Quelle: CLSA

 

Was treibt die Aktienkurse?

Das vorteilhafte Umfeld, von dem die Aktienmärkte im abgelaufenen Jahr profitiert haben, besteht derzeit nach wie vor. Das Wirtschaftswachstum zeigt gegenwärtig keinerlei Anzeichen einer Verlangsamung. Die Inflation bleibt unter Kontrolle, und die Geldpolitik der Zentralbanken war noch nie so transparent wie heute. Es ist also nicht überraschend, dass die Hausse der Aktienmärkte auch zu Beginn dieses Jahres anhält. Dennoch sollte man sich in Erinnerung rufen, dass eines der folgenden Szenarien eintreffen muss, wenn die Aktienkurse weiter steigen sollen:

  • die Unternehmensgewinne und die für diese Gewinne bezahlten Bewertungen steigen,
  • die Gewinne steigen, die Bewertungen sinken, aber der Anstieg der Gewinne ist stärker als der Rückgang der Bewertungen,
  • die Bewertungen steigen, die Gewinne sinken, aber der Anstieg der Bewertungen ist stärker als der Rückgang der Gewinne.

 

Das erste dieser Szenarien wäre am vorteilhaftesten für die Aktienkurse, und der Anstieg dieser Kurse wäre weitaus moderater in den beiden anderen Szenarien. Baisse-Märkte charakterisieren sich durch umgekehrte Bedingungen, und die bedeutendsten unter ihnen zeichnen sich durch sinkende Gewinne und Bewertungen aus.

 

Was den ersten Punkt, die Unternehmensgewinne, betrifft, kann man allgemein nur festhalten, dass sie von der Fortsetzung einer verbesserten weltweiten Konjunktur profitieren werden Ein Großteil dieser Verbesserung ist jedoch bereits in den gegenwärtigen Kursen einkalkuliert. Würde die Entwicklung an den Börsen allerdings nichts anderes machen, als die Unternehmensgewinne widerspiegeln, wären die Kursschwankungen weitaus moderater. Die Tatsache, dass diese Fluktuationen so bedeutend sind, erklärt sich durch Veränderungen in den Aktienbewertungen. Große Hausse-Märkte zeichnen sich durch eine Erhöhung der Bewertungen aus, große Baisse-Märkte durch rückläufige Bewertungen.

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