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Gründe des Wohnungsmangels, über die niemand redet

Gastautor: Rainer Zitelmann
05.02.2018, 12:01  |  3194   |  28   |   

Die Koalitionsvereinbarung enthält eine Verschärfung der Mietpreisbremse, durch die keine einzige Wohnung neu geschaffen wird. Und sie enthält Subventionen wie ein Baukindergeld, durch die ebenfalls keine einzige Mietwohnung geschaffen wird. Die Probleme liegen an anderer Stelle.

Dieses Buch könnte ein Bestseller werden - doch ich fürchte, es wird nie geschrieben: Das Schwarzbuch Wohnungsbauverhinderung. Regelmäßig publiziert der Bund der Steuerzahler ein Schwarzbuch über Steuerverschwendung, aber mindestens ebenso viel zu berichten gäbe es über die täglichen Be- und Verhinderungen des Neubaus von Wohnungen.

Ich kenne Hunderte skandalöser Begebenheiten, weil ich seit über 20 Jahren täglich mit Projektentwicklern spreche und in den Metropolen Berlin, Frankfurt, München, Hamburg und Köln Veranstaltungen mit den führenden Projektentwicklern durchführe. Jeder in der Branche kennt die Probleme, aber sie werden so gut wie nie öffentlich gemacht. Die meisten Bürger wären erstaunt, wenn man ihnen sagte, dass die reine Bauzeit in der Regel die kürzeste Phase ist, die zwischen dem Ankauf eines Grundstückes und der baulichen Fertigstellung liegt.

Dazwischen liegen Jahre des Kleinkrieges mit den Behörden und der Politik. Die Gründe, warum dies so lange dauert, sind vielfältig:

  • Die Behörden sind meist unterbesetzt. Die Krankheit eines Mitarbeiters, der eine wichtige Bescheinigung ausstellt, kann ein Projekt durchaus ein halbes Jahr oder sogar ein Jahr verzögern.
  • Viele Beamte begreifen sich nicht als Dienstleister für den Bürger, sondern sehen Investoren - aus ideologischen Gründen - als ihre Feinde, denen sie Steine in den Weg legen.
  • In Städten wie Berlin stehen die Bezirkspolitiker unter dem Druck von selbsternannten "Initiativen", deren oberstes Ziel es ist, kapitalistische Investoren zu bekämpfen.
  • Verzögerungen gibt es in vielen Fällen, weil beispielsweise ein Baum nicht gefällt werden darf oder weil irgendeine Insektenart oder Kleintiere entdeckt wurden, für die die Bebauung des Grundstückes ein Problem sein könnte. Gutachten zur Zahl der vermuteten Tiere können lange dauern, und manchmal werden sogar deren Ergebnisse von den Behörden bezweifelt, so dass Zweitgutachten angefertigt werden müssen. Im Anschluss daran müssen Verfahren entwickelt und umgesetzt werden, wie etwa das Anlegen von künstlichen Pfützen, die Insekten anziehen sollen oder der Bau von Klettervorrichtungen, damit die Tiere das Grundstück verlassen. Auch das dauert lange. Durch solche Themen verzögern sich die Genehmigungsverfahren im besten Fall um Monate, nicht selten jedoch um Jahre.


Jeder Projektentwickler bzw. Bauträger kann Stunden über solche Fälle berichten. Aber er würde dies - verständlicherweise - nie öffentlich tun. Journalisten erfahren darüber nichts. Zu groß ist die Angst, dass man es sich "endgültig" mit der Politik oder den Beamten in den Behörden verderben könnte, auf die der Projektentwickler angewiesen ist. Daher wird das "Schwarzbuch Wohnungsbauverhinderung" wohl leider nie geschrieben werden. Und die Gründe, warum vom Kauf eines Grundstücks bis zur Fertigstellung manchmal zehn Jahre oder sogar mehr vergehen, selten jedoch weniger als fünf Jahre, bleiben der breiten Öffentlichkeit verborgen

Im Februar erscheint das neue Buch von Dr. Dr. Rainer Zitelmann: "Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung." Leseproben und Bestellmöglichkeit hier: http://kapitalismus-ist-nicht-das-problem.de/

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Kommentare

Wer Ahnung hat und differenziert argumentieren kann, lässt sich schnell erkennen. In jedem Falle ist es völlig unsachlich, einfach mal die puren Zahlen gegeneinander zu stellen.

Nur 1 Beispiel: der Spitzensteuersatz war tatsächlich früher zeitweise höher als heute, ABER (jetzt bitte Großhirn einschalten, statt mit dem Stammhirn reflexhaft zu reagieren):

der Grenzsteuersatz, bei dem der Spitzensteuersatz fällig wird, war zu dieser Zeit wesentlich höher, nämlich beim ca. 16 fachen des Durchschnittsverdienstes (!).

Dagegen liegt er heute nur noch beim ca. 1.5 fachen des Durchschnittsverdienstes (!), sodass ein Alleinstehender mit etwas über 50.000 € brutto (z.B. Einstiegsgehalt Ingenieur) so belastet werden.

Das ist eiskalte Enteignung über die kalte Progression. Ich kann das nur als Ausbeutung der bürgerlichen Mitte bezeichnen, als total leistungsfeindlich und sozial ungerecht!!! Und dafür stehen unsere Altparteien seit Jahrzehnten ein und plädieren wie die Linke, Grüne und SPD diese Ausbeutung noch weiter zu intensivieren, weil ja "die Schere so auseinandergeht".

Das ist einfach nur dumm und hat mit dem Thema Superreiche im übrigen überhaupt nichts zu tun.

Die bürgerliche, arbeitende, steuerzahlende Mitte in D wird in dieser Art ausgebeutet. Und die Einkommensteuer ist nur ein Beispiel.

Schöne Grüße, O.D.


Zitat von maxmaier: werden die Superreichen geradezu obszön subventioniert und behaupten dann noch voller Selbstmitleid, sie seien die übermäßig belasteten
nur mal so, damit Sie sich der Realität annähern: einseitige Steuergeschenke für Arbeitgeber, Industrie und Finanzwirtschaft durch Steuergesetzesänderungen in der Zeit zwischen 1998 und 2013 in Höhe von ca. 490 Milliarden Euro. (Bontrup: Durch Umverteilung von unten nach oben in die Krise, Seiten 15 – 16.). Die politische Verantwortung hierfür lag von 1998 bis 2005 bei Rot-Grün, bei Schwarz-Rot von 2005 bis 2009 und bei Schwarz-Gelb von 2009 bis 2013.

Hier zudem Steuersätze von 1996 und 2012 im Vergleich:

Spitzensteuersatz: 53% (1996) - 45% (2012)

Kapitalertragsteuern: 53% (1996) - 25% (2012)

Körperschaftssteuer: 45% (1996) - 15% (2012)

Körperschaftssteuer auf Veräußerungsgewinne: 45% (1996) - 0% (2012)

Vermögenssteuer: 1% (1996) - 0% (2012)

Erbschaftssteuer: 30% (1996), seit 2008 ist das Vererben von Betriebsvermögen in der Regel steuerfrei

Das eingesparte Geld in Höhe von 490 Milliarden Euro war eine vollständig einseitige Subvention an Arbeitgeber, Industrie und Finanzwirtschaft.
"Sozialwohnungen"
Warum zum Teufel sollte ich auch noch sowas subventionieren müssen?
Für den Syrer mit 4 Frauen und 23 Kindern?
Schluß mit Sozialblödsinn!
Wenn man in der Suchmaschine im Internet "Verkauf Sozialwohnungen" eingibt, wundert man sich, wie viele Sozialwohnungen von Städten und Gemeinden an Investoren verkauft wurden. 2013 verkaufte die Landesbank in München bspw. 32000 Wohnungen an einen ausländischen Investor. Da ist es kein Wunder, dass jetzt Wohnungen für einkommenschwächere Personen fehlen. Ich frage mich, warum die Kommunen so einen finanziellen Druck haben, alles zu verkaufen, was irgendwie Geld einbringt.

Bei einigen Immobilienobjekten muß ich Herrn Zitelmann recht geben:
Da stehen abrissreife Bruchbuden unter Denkmalschutz. Wenn die "versehentlich" abbrennen, muß man sie eins zu eins wieder aufbauen. Wird man beim Abriss eines denkmalgeschützten Hauses erwischt, drohen hohe Strafen.

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