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S&P – Baisse voraus?

Gastautor: Klaus Singer
05.02.2018, 21:15  |  1887   |   |   

Der S&P 500 hat in den zurückliegenden fünf Handelstagen 3,9% verloren. Ist das im historischen Kontext viel oder wenig? Sind das nur Gewinnmitnahmen in einem ansonsten intakten Bull-Run? Oder steckt darin der Keim einer Baisse bei Aktien?


Nachdem im Chart des S&P 500 (Chartquelle) zuletzt immer steilere Aufwärtslinien einzuzeichnen waren (siehe hier!), wurde die seit der Jahreswende gültige Aufwärtslinie am 30. Januar mit einer Abwärtslücke gebrochen. Am Folgetag blieb der Versuch erfolglos, diese wieder zu schließen. Am 2. Februar stürzte der Index dann mit einer weiteren kleinen Abwärtslücke ab und stoppte erst an einer weniger steilen Aufwärtslinie aus Mitte November 2017.

Im historischen Kontext zählt das Ausmaß des Kursrückgangs zu den größten wöchentlichen Abschlägen innerhalb der zurückliegenden gut sechs Dekaden. Der folgende Chart (Chartquelle) zeigt ihn im statistischen Zusammenhang mit den wöchentlichen Abschlägen seit Anfang 1955. Deutlich wird, dass er die Zone nach unten verlassen hat, in der die Wochenperformance einer Normalverteilung folgt (blaue Linie im Chart), für die Mandelbrot die Bezeichnung „milder Zufall“ geprägt hat. Wir befinden uns im Bereich des Mandelbrotschen „wilden Zufalls“, in dem das System der Kursmechanik instabil/chaotisch ist und bereits kleine Anlässe große Wirkung entfalten können.

Im Zusammenhang mit historischen Drawdown-Perioden der zurückliegenden gut sechs Dekaden erscheint der aktuelle Kursrutsch im S&P 500 vergleichsweise gering. In der Spitze wurde Ende 2008 –57% gemessen. Das Platzen der dotcom-Blase führte zu einem Rückgang um fast 50%, der Crash vom Oktober 1987 brachte es auf –34%, in der Ölkrise der 1970er Jahre kam es zu einem Kursrückgang um 48%. Das mag zu Sorglosigkeit anstiften, sollte es aber nicht – insbesondere, weil wir uns aktuell bereits im chaotischen Zustand des Systems der Kursmechanik befinden.

Handelt es sich nur Gewinnmitnahmen in einem ansonsten intakten Aufwärtstrend? Der S&P 500 hatte über seinen fast neun Jahren anhaltenden Bull-Run mehrfach einen steileren Aufwärtskanal ausgebildet. Der im folgenden Chart (Chartquelle) braun gekennzeichnete Kanal geht zurück auf 2009, der magentafarbene wurde letztendlich etabliert, als der Index im Herbst 2011 in seine Partizipationsphase eintrat. Der grüne Kanal wurde im zweiten Quartal 2016 aktiv, im November 2016 begann mit der Wahl Trumps zum US-Präsidenten nach einem nochmaligen Test der Unterseite dieses Kanals die nach Dow-Theorie dritte und letzte Phase eines Bull-Runs, die Phase des „spekulativen Exzesses“.

Diesbezüglich wäre der Aufwärtstrend des S&P 500 so lange intakt, so lange die Untergrenze des zuletzt aktiven Aufwärtskanals (grün) nicht gebrochen wird. Diese liegt zurzeit bei 2525, der Kanal steigt um 6,7 Punkte pro Woche. Wird die Oberseite dieses Kanals bei aktuell 2715 gebrochen, dürfte es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zumindest zu einem schnellen Test der Oberseite des Aufwärtskanals aus Herbst 2011 kommen.

Steckt im Kursrückgang der zurückliegenden Woche der Keim einer Baisse bei Aktien? Die Unternehmensgewinne des vierten Quartals 2017 im S&P 500 werden mit +13,6% y/y erwartet. Die Trumpsche Steuerreform soll in 2018 zusätzlich zum normalen Geschäft neun Prozent Gewinnsteigerung bringen. Unternehmensgewinne sind der wichtigste langfristige Treiber für Aktienkurse. „Langfristig“ bedeutet nicht „immer“, besonders wenn das Kurs-Gewinn-Verhältnis wie aktuell eine sehr hohe Bewertung von Aktien anzeigt.

Das hohe Kursniveau führt dazu, dass die Dividendenrendite im Dow Jones Index mit gut 2,1% mittlerweile nur noch so hoch ist wie die Rendite zweijähriger US-Treasurys. Mit den Renditesteigerungen der zurückliegenden Wochen gewinnt die Anlage in Bonds insgesamt an Attraktivität gegenüber Aktien. Dies wird im folgenden Chart gezeigt. Als faires KGV gilt der Kehrwert der Rendite für zehnjährigeTNotes. Je niedriger dieser Wert ist (je höher die Rendite), je teurer sieht der Aktienmarkt (violett) aus. Aktuell beträgt die Überbewertung bei Aktien aus dieser Sicht rund 22%. Die Schere zwischen beiden Anlagealternativen ist weit aufgerissen, eine Balance wäre bei einem Indexstand des S&P 500 von rund 2500 erreicht. Das deckt sich in etwa mit der aktuellen Untergrenze des Aufwärtskanals des S&P 500, der die Dow-Phase „spekulativer Exzess“ seit November 2016 begleitet.

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