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DAX: Wie konnte es nur dazu kommen?

Gastautor: Jochen Stanzl
07.02.2018, 13:32  |  2452   |   |   

Wie konnte es nur zu so einem Absturz kommen? War es wirklich die vorhersehbarste Korrektur aller Zeiten, wie es der amerikanische Notenbankgouverneur James Bullard ausdrückte? Nun, es gab zwei Indizien, die sich vor dem Crash auftaten.

 

Das eine Indiz war der Anstieg der Zinsen. Zweijährige und fünfjährige US-Staatsanleihen rentieren mit 2,2% und 2,6% und damit jeweils einen ganzen Prozentpunkt höher als im September des vergangenen Jahres. Steigende Zinsen können ein Hinweis für Inflation sein.

 

Das andere Indiz waren die Hinweise auf Inflation aus den Makrodaten. Im vierten Quartal sank die Produktivität vorläufigen Schätzungen zufolge in den Vereinigten Staaten um 0,1%, wo ein Anstieg um ein Prozent erwartet wurde. Die Lohnstückkosten stiegen gleichzeitig um 2%, wo nur +1% erwartet wurden. Weniger Output, höhere Kosten: Das ist inflationär. Am vergangenen Freitag wurde dieser Anstieg der Lohnkosten im Arbeitsmarktbericht der USA für Januar bestätigt.

 

Das war offenbar der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

 

Was folgte war ein Markteinbruch, den ich in dieser Form selbst noch nicht gesehen habe. Vergleichbar war vielleicht der Flashcrash vom 6. Mai 2010, der aber aus einem Marktversagen resultierte. Es gab die große Korrektur der Finanzkrise, die sich aber auf längere Zeit ausdehnte. So starke Kursverluste in so kurzer Zeit bei gleichzeitig gewahrtem reibungslosen Funktionieren des Handels ist auch für mich nach 20 Jahren eine neue Erfahrung.

 

Einerseits zeigt dies, dass die Betreiber der Handelsplätze deutliche Fortschritte bei der Handelsaufsicht und der Abwicklung von Orders gemacht haben. Ich freue mich sagen zu können dass über 10.000 Märkte bei CMC Markets trotz der extremen Volatilität fortlaufend handelbar gewesen sind. Als der DAX am 6. Februar um kurz nach 5 Uhr morgens ein Tief bei 11695 Punkten ausbildete konnte man das bei CMC Markets handeln. Anderenseits zeigt der gleichzeitige Einbruch der am Markt vorhandenen Liquidität auf ein Zehnjahrestief bei gleichzeitiger Ausweitung der Spreads in den Futures tiefere Probleme. Ebenso Besorgnis erregend finde ich die Tatsache, dass einfach alles gleichzeitig gesunken ist. Wie es Blackrock einmal ausdrückte: Wir sind alle wie die informierten Bürger Pompejis, vor uns die angenehme Aussicht auf das Meer, aber wohlwissentlich um den brodelnden Vulkan im Hintergrund. Ich habe hierzu mal ein Video gemacht, das Sie sich anschauen sollten.

 

Am Ende kam dann eines zum anderen. Einer verkaufte, zwei verkauften, drei und so weiter und am Ende wollten alle (wie es immer ist) zu einer Türe nach draussen. Es war wie bei der Reise nach Jerusalem - jeder wusste, dass er irgendwann keinen Platz mehr finden wird. Und am Freitag und Montag hat die Musik aufgehört zu spielen.

 

Dabei hätte die Musik auch noch zwei Tage, zwei Wochen oder zwei Jahre weiterspielen können. Tatsächlich war es lange Zeit ein einträgliches Geschäft Volatilität zu shorten. Grundlage war die Annahme, dass die Aktienkurse trotz der herrschenden Euphorie und trotz der hohen Bewertungen weiterhin ansteigen werden, und dass die Volatilität nicht zu stark zunehmen wird. Das hat sich lange Zeit als richtig erwiesen. Dann als falsch.

 

Dabei steht jetzt der Credit-Suisse-ETN mit dem Nasdaq-Symbol XIV im Zentrum der Aufmerksamkeit. Der Kurs des Produkts stieg über sieben Jahre um gut 3000%. Sie lesen richtig. Von $4,91 im November 2011 auf $146,44 am 11. Januar dieses Jahres. Dann war es vorbei. Der Schlusskurs, der gestern festgestellt wurde, lag bei $7,35. Nachbörslich wurden nur noch $5,65 bezahlt. Hier wurden $3,2 Milliarden vernichtet. Die Credit Suisse kündigte heute Morgen an, das Produkt am 21. Februar auslaufen zu lassen und nicht weiter anbieten zu wollen.

 

In meinem Ausblick auf das Börsenjahr 2018 habe ich die Inflation und die Gefahr steigender Zinsen als die Hauptgefahr, steigende Volatilität als eines der Kennzeichen des neuen Börsenjahres vermutet. Ob die bisherige Erholung im DAX nachhaltig sein und ob bereits der Boden vor dem nächsten Anstieg gefunden wurde wird daher maßgeblich von den Inflationsdaten und den Zinsen abhängen. Die gestiegene Volatilität wird Einhalt finden in die Risikobewertungsmodelle von Hedgefonds und anderen Marktteilnehmern. Sollten die Zinsen weiter steigen und Hinweise auf eine schnellere Inflation erkennbar werden könnte die Korrektur noch nicht ausgestanden sein.

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Kommentare

Leute investiert in Gold-Aktien !


Dort sind Tagesverluste von 5-20 % normal. Gar nicht so selten geht dort auch die eine oder andere hochgelobte Mine pleite .

Wenn ihr das eine Weile mitgemacht habt, werdet ihr reumütig zu DAX und Co zurückkehren, garantiert !

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