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Stand Crowdinvesting Ende 2017

09.02.2018, 15:00  |  733   |   |   

Der Wunsch nach alternativen Finanzierungen für KMU’s und Start Ups ist ungebrochen, doch entsprechen die Wachstumsraten nicht den Erwartungen eines „abhebenden Marktes“. Nur 31 Mio. € wurden in Deutschland in 2017 für Crowdfunding von Start Ups und kleinen Unternehmen eingesammelt – im Immoblilienbereich sind es 131,7 Mio. € in diesem Zeitraum; zusammen mit dem Ökologiebereich werden Projekte im Wert von 172, 5 Mio. € über Crowdinvesting finanziert (siehe hierzu die aktuellen Marktdaten von Crowdfunding Marktdaten.) Für den Unternehmensbereich sind das zwar Steigerungen von über 60 % gegenüber dem Vorjahr, dennoch sind die Zahlen einigermaßen ernüchternd, weil mit größeren Wachstumsraten gerechnet wurde.

Das Statistische Bundesamt nennt andere Zahlen für Crowdinvesting in Deutschland (für 2017 werden rd. 99,8 Mio. € in Deutschland aufgezeigt – verglichen mit 148 Mio. € für Frankreich und 782,1 Mio. € für Großbritannien). Die Zahlen unterschiedlicher Quellen unterscheiden sich zuweilen deutlich. Offensichtlich ist aber das Volumen in anderen großen europäischen Ländern deutlich höher.

Interessant ist auch, dass nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes das durchschnittliche Funding pro Kampagne nur leicht von rd. 261T€ in 2016 auf 282 T€ angewachsen ist.

Der Immobilienboom beim Crowdfunding in Deutschland kommt nicht von ungefähr, denn die Deutschen haben in den letzten Jahren vermehrt in (eigene) Immobilien investiert. Bezeichnenderweise scheint auch das schwache Aktienengagement der Deutschen mit dem sich nur schwach entwickelnden Crowdinvestingmarkt korreliert. In einer Umfrage des Stat. Bundesamtes gaben 11,7 % der Befragten an, sich einmal an einem Crowdfunding-Projekt beteiligt zu haben. Laut dem Deutschen Aktieninstitut hielten im Jahr 2016 knapp unter 9 Mio. Personen ein Aktieninvestment. Dies entspricht einem Anteil von 14 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahre. Diese Grenze aufzubrechen würde vielleicht auch die Entwicklungschancen des Crowdinvesting verbessern.

Was sind die weiteren Ursachen? Hier wäre zum einen die Regulierung zu nennen, die insbesondere mit der Einschränkung der Investitionssummen und der anwendbaren Instrumente (nur Nachrangdarlehen) die Entwicklung behindert hat. Steuerliche Erleichterungen – wie in UK – sind ebenfalls nicht gegeben worden.

Andererseits gibt in der Öffentlichkeit häufig ein sehr ambivalentes Interesse an Crowdfunding. Es wird häufig dann berichtet, wenn ein Projekt gescheitert ist.

Was zurzeit diskutiert wird, ist eine Ausrichtung der Finanzwirtschaft in Richtung innovativer Konzepte. Dabei wird die Blockchain-Technologie eine Schlüsselgröße sein, aber die modere Finanzwirtschaft lebt nicht nur von neuen Technologien und Produkten (zu den Initial Coin Offering’s gibt es in den nächsten Monaten von mir Kurzberichte), sie lebt von der Überzeugung, dass neue Finanzierungsformen möglich, erfolgreich und vor allem sehr hilfreich für Unternehmen und Start Ups sein können.

Alternative Finanzierungen wie Crowdfunding sind am Beginn der Reifephase, aber ohne mediale Unterstützung und – ja auch – staatliche Unterstützung wird es nicht gehen. Aufklärungsarbeit tut hier not – hier sollten sich die Plattformen mit ihren Verbänden intensiver zusammen tun und für die „neue Finanzwirtschaft“ werben. Die Unternehmen und Start Ups erkennen noch viel zu selten das Potential dieser Modernisierung.
 


 

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