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Blockchain ist überhyped und unterschätzt zugleich

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
14.02.2018, 09:06  |  342   |   |   

Während Bitcoin, Ether und all die anderen Möchtegern-Währungen aktuell mit aller Kraft gegen den wahrscheinlich unvermeidlichen Fall in die Bedeutungslosigkeit kämpfen, ist die Diskussion um das Schicksal der Blockchain-Technik noch längst nicht beendet. Ein Vergleich mit dem Internet der Dinge ist aufschlussreich.

So weit gehen die Meinungen auseinander

Vom durchschnittlichen Beobachter ist aktuell häufig die Aussage zu hören, dass die aktuellen Kryptowährungen noch nicht das Gelbe vom Ei seien, aber die zugrundeliegenden Algorithmen, insbesondere der Blockchain-Technik samt automatisierter Konsensfindung zwischen den Beteiligten, die hätten durchaus Zukunft. Das ist die moderate Sicht.

An den äußeren Enden des Meinungsspektrums liest man hingegen sowohl von grenzenloser Euphorie als auch von extremer Ernüchterung.

Die einen geben sich überzeugt, dass die unterschiedlichsten Branchen davon betroffen sein werden. Makler, Institutionen mit Notarfunktion und Handelsplattformen würden geradezu weggefegt, wenn sich der dezentrale Ansatz erst mal durchzusetzen beginnt. Warum sich auf einen Dritten verlassen, wenn man es auch untereinander regeln kann und die Abmachungen sicher, transparent und nicht manipulierbar als sogenannter Smart Contract in Ethereum oder einer anderen Blockchain gespeichert werden können?

Genau daran glauben aber die anderen nicht. Sie sehen vielmehr unüberwindbare Probleme bei der Implementierung einer solchen dezentralen Lösung. Transparenz bedeutet auch Datenschutzprobleme und die Herausnahme von Dritten einen Know-how-Verlust. Die Effizienz sei gering und die eindeutige Formulierung der Smart Contracts gar nicht so trivial. Außerdem mangele es Blockchain-basierten Lösungen an Flexibilität, weil die gesamte Anwendungslogik von vornherein in Stein gemeißelt werden müsse. Kein Wunder, habe man über die letzten zehn Jahre, seit die Blockchain es zu einer gewissen Bekanntheit gebracht hat, keine echte sinnvolle Anwendung finden können.

Was dabei übersehen wird

Die Kritik der nüchtern Abgeklärten mag im Einzelnen zutreffen, aber es ist dann doch noch einiges dazu zu sagen. So gibt es beispielsweise die verbreitete Ethereum-Umgebung erst seit 2015. Damit haben Entwickler gerade mal gut zwei Jahre Zeit gehabt, sich damit vertraut zu machen, sich Anwendungsfälle auszudenken, zugehörige Lösungen zu implementieren und deren Praxistauglichkeit mit einem Netzwerk an Partnern zu testen. Das bisher Verfügbare ist daher noch längst nicht aussagekräftig.

Zudem werden primär die bisher vorgeschlagenen Applikationen als untauglich kritisiert. Das erinnert mich an die Anfänge des früheren Hypes rund um das Internet der Dinge. Irgendwelche Forschergruppen entwickelten damals Szenarien, damit Politiker und Verantwortungsträger sich ein Bild von den Möglichkeiten des Konzepts machen können. Da wurde dann vom Kühlschrank geredet, der automatisch eine Bestellung rausschickt, wenn die Milch ausgeht, oder vom Toaster, der mit der Kaffeetasse kommuniziert.

Die Presse griff das gerne auf und die Kritiker meldeten sich schlau zu Wort. Wer bräuchte denn bitteschön so etwas Blödsinniges? Das sei doch nur eine Spielerei! Folglich tauge das alles nichts und würde nur vorübergehend sein.

Ganz ähnlich ist es doch bei der Blockchain, wo erste Anwendungsfälle wie der dezentrale Handel von digitalen Gütern und Ähnliches als bedeutungslose Nische abgetan werden.

Man sollte Blockchain nicht überschätzen … aber auch nicht unterschätzen

Euphorie ist bei neuartigen Konzepten, die in ihrer Ausgestaltung so komplex sind wie das Internet der Dinge oder eben die Blockchain-Technik, selten ein guter Ratgeber. Beides sind keine heiligen Grale. Es muss viel Hirnschmalz in individuelle Lösungen gesteckt werden und ob letztlich ein echter Mehrwert herauskommt, ist nicht garantiert.

Nicht umsonst muss SAP (WKN:716460) mit einem Heidenaufwand eine Innovationsumgebung namens Leonardo schaffen, welche viele Entwicklungsschritte vereinfacht. Nur wenn die richtigen Bausteine verfügbar sind, können mit vertretbarem Aufwand großartige Lösungen geschaffen werden, die tatsächlich einen Unterschied ausmachen. SAP Leonardo will ja Künstliche Intelligenz, Blockchain, Analytik und Konnektivität zusammenbringen. Das ist dann doch ein gutes Stück weitergedacht als der olle Kühlschrank.

Beim Thema Blockchain befinden wir uns hingegen eher noch auf Kühlschrank-Niveau. Nur wenige Experten sind bereits in der Lage, den entscheidenden Schritt jenseits des Naheliegenden weiter zu denken.

Ein wirklich klares Bild habe ich natürlich auch noch nicht, aber ich stelle mir vor, dass Blockchain irgendwann ein allgegenwärtiges Werkzeug sein wird, genauso wie es heute immer leichter wird, Gegenstände miteinander zu vernetzen oder einen grenzüberschreitenden digitalen Arbeitsraum einzurichten.

Dabei denke ich auch an Twitter (WKN:A1W6XZ), ein Kurznachrichtendienst, der trotz seines simplen Prinzips ebenfalls lange Zeit nur schlecht verstanden wurde. Dort können Kleinbürger genauso wie Präsidenten Hasstiraden veröffentlichen, wenn es ihrem Naturell entspricht. Andererseits können beispielsweise Veranstaltungsorganisatoren durch den simplen Hinweis auf einen individuellen #Hashtag einen Rückkanal erzeugen. Das war zuvor nicht so einfach.

So ähnlich stelle ich mir die Zukunft der Blockchain-Technik vor. Wann immer Menschen aus verschiedenen Organisationen oder mit unterschiedlichen Hintergründen zusammentreffen, um gemeinsam etwas zu verhandeln oder auf die Beine zu stellen, dann könnte es nützlich sein, mit einem Klick eine Blockchain aufzusetzen, die alle Fortschritte zuverlässig dokumentiert und Vereinbarungen durchsetzt, ohne dass man sich auf eine neutrale Instanz einigen müsste.

Aufbauend auf dieser Basisfunktionalität könnten dann unzählige Nischenanwendungen mit entsprechend implementiertem Domänenwissen für zusätzlichen Mehrwert sorgen. Bis es soweit ist, ist sicherlich noch viel Entwicklungsarbeit zu leisten und ich bin sehr neugierig, was die „Killerapplikation“ sein wird, welche für den endgültigen Durchbruch sorgen wird. Was Bitcoin geleistet hat, hat zweifellos die Wahrnehmung für die Technik geschärft, aber den Weg weisen müssen andere Anwendungen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien oder Kryptowährungen. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Twitter.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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