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Ist das eine Rakete? Raumfahrt- und Technologie - Aktie kaufen?

Gastautor: Volker Glaser
15.02.2018, 00:06  |  834   |   |   

„2017 war für OHB ein sehr erfolgreiches Jahr“, sagt Firmenchef Marco R. Fuchs bei unserem Besuch auf dem Capital Market Day in Bremen. Der Raumfahrt- und Technologiekonzern erzielte im vergangenen Jahr einen Ordereingang von sage und schreibe 1.3 Mrd. Euro. Das ist der höchste Auftragseingang in der Geschichte des Unternehmens. Im Jahr 2017 erhielt OHB beispielsweise den Auftrag über 8 weitere Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo von der ESA.

Das Unternehmen ist bereits Hauptauftragnehmer für den Bau von bisher 22 Satelliten. Von insgesamt 34 Satelliten sind bereits 18 im Weltraum. Weitere 4 sind in der Testphase und 12 in der Entwicklung. Die Bremer haben sich bei diesem Projekt gegen namhafte Wettbewerber erfolgreich durchgesetzt. Zudem hat OHB für die nationale Heinrich Hertz-Satellitenmission einen Vertrag über 310 Mio. Euro mit dem DLR-Raumfahrtmanagement unterschrieben. Neben dem wissenschaftlich-technischen Missionsanteil im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) wird auf diesem Telekommunikationssatelliten der Heinrich Hertz-Mission im Wege einer Kooperation mit dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) eine operationelle Kommunikationsnutzlast der Bundeswehr mitgeführt. MT Aerospace, eine Tochtergesellschaft von OHB, hat im Jahr 2017 einen Vertrag über die Entwicklung wesentlicher Tank- und Struktur-Bauteile für die neue europäische Trägerrakete Ariane 6 abgeschlossen. Der Auftrag beinhaltet alle erforderlichen Entwicklungsarbeiten im Bereich "Tanks und Strukturen" bis zum geplanten Erstflug der Rakete im Jahr 2020 sowie den Aufbau der Produktionskapazitäten für bis zu zwölf Raketen pro Jahr. Das Volumen hierfür beträgt 170 Mio. Euro. Highlight im Orderbuch des Jahres 2017 ist allerdings ein Vertrag für die Realisierung eines Satellitensystems zur weltweiten elektro-optischen Aufklärung. Das Auftragsvolumen liegt bei 400 Mio. Euro. „Das ist eines unserer bedeutendsten Neuakquisitionen der letzten Jahre“, sagt Fuchs. "Wir sind sehr stolz darauf, dass die Bundesrepublik Deutschland uns das Vertrauen geschenkt hat, nach SAR-Lupe und SARah ein weiteres satellitengestütztes Aufklärungssystem zu liefern“. Weitere Großaufträge dürften in diesem Jahr folgen. „Wir sind zuversichtlich, in den nächsten Jahren weiter deutlich zu wachsen“, sagt der CEO. Die Nachfrage wird nicht weniger werden. Themen wie die Erdbeobachtung, die weitere Erforschung des Weltraums und die bemannte Raumfahrt sind Trends, von denen die Bremer in der Zukunft weiter profitieren wollen.

Für das Jahr 2017 hatte Fuchs eine Gesamtleistung von 800 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Das EBITDA sollte sich auf 60 Mio. Euro belaufen und das EBIT auf 44 Mio. Euro. „Wir gehen davon aus, dass wir diese Ziele erreicht haben“, so Fuchs. Für das Jahr 2018 stellt der Firmenchef ein kräftiges Wachstum bei der Leistung in Aussicht. Erwartet wird ein Plus von 25 % auf rund 1 Mrd. Euro. Das Wachstum ist sehr stark. Etwas moderater fällt der Zuwachs beim Ertrag aus. Das EBITDA soll sich auf 65 Mio. Euro nur leicht verbessern und das EBIT moderat um 3 Mio. Euro auf 47 Mio. Euro wachsen. Auf den ersten Blick etwas enttäuschend. Gegenüber dem Vorjahr wird sich die EBIT-Marge von 5.5 % auf unter 5 % verschlechtern. Ein Teil der schwächeren EBIT-Marge geht auf deutlich gestiegene Abschreibungen zurück. OHB hat 2017 deutlich mehr investiert als in den Vorjahren. Von dem starken Wachstum in 2018 entfällt ein Teil des zusätzlichen Volumens auch auf Zulieferer, was zwar den Umsatz puscht, aber keine Marge bringt. Für die Zukunft verspricht Fuchs steigende Margen. An der einstigen Aussage, die Marge auf bis zu 10 % zu steigern, hält er auf unsere Nachfrage fest.  Ziel ist, in der Zukunft die eigene Wertschöpfungstiefe zu erhöhen. Fuchs will 2019 als auch 2020 sichtbar wachsen und auch den Ertrag weiter steigern. Die Visibilität ist aufgrund des stark aufgefüllten Orderbuchs sehr gut.

2016 erzielte das Unternehmen einen starken operativen Cashflow von mehr als 70 Mio. Euro. Dieses Niveau ist nicht in jedem Jahr darstellbar. Nach 9 Monaten des Jahres 2017 war der operative Cashflow noch deutlich negativ. Er sollte aber in Q4 noch ins Positive gedreht haben. 2018 und 2019 wird der Cashflow aber zunächst negativ ausfallen. Auch perspektivisch wird der Cashflow jeweils stark schwanken. Das hängt jedoch mit den großen Projekten zusammen, für die entsprechend Vorleistungen anfallen, die erst deutlich später abgerechnet werden. Das sieht nicht schön aus, ist aber unserer Meinung nach für das Unternehmen kein größeres Problem.

Vorstandswoche-Altfavorit OHB hat sich in den letzten 12 Monaten sehr gut entwickelt. Die Aktie hat sich in der Spitze mehr als verdoppelt. Das Rekordhoch der Aktie erreichte jüngst ein Niveau von mehr als 48 Euro. Mit dem Ausblick für 2018 und der Margenthematik sowie der allgemeinen Korrektur an den Märkten, kam auch das OHB-Papier unter Druck. Aktuell handelt die Aktie bei 38 Euro. Das entspricht einem KGV für 2018 von etwa 22. Für ein solides Unternehmen mit dem Fokus Raumfahrt ist das alles andere als teuer. Bleiben Sie weiter investiert. Bei erneuten Rückschlägen weiter kaufenswert.

www.vorstandswoche.de

 

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