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Netflix verbrennt weiter Bargeld

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
19.02.2018, 08:30  |  374   |   |   

Beginnen wir zunächst mit den schlechten Nachrichten: Der Streaming-Pionier Netflix (WKN:552484) verbrennt weiter jede Menge Geld. 2017 hatte das Unternehmen einen negativen freien Cashflow (FCF) von über 2 Milliarden US-Dollar und befindet sich damit am unteren Ende seiner Prognose von 2 Milliarden bis 2,5 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen sagt, dass es noch schlimmer wird.

In seinem Aktionärsbrief für das vierte Quartal 2017 wies Netflix darauf hin, dass dies hauptsächlich auf die zeitliche Planung und die Verschiebung einiger Zahlungen in dieses Jahr zurückzuführen sei. Das Unternehmen geht offensiv vor und geht davon aus, dass es in diesem Jahr noch tiefer in die roten Zahlen abrutschen wird. Netflix erwartet einen FCF mit einer Spanne von 3 bis 4 Milliarden US-Dollar für 2018.

Diese Strategie ist nicht neu. Netflix hat bereits früher erklärt, dass man davon ausgeht, dass man diesen FCF-Negativwert „für viele Jahre“ beibehalten wird. Aber das ist nur ein Teil der Geschichte.

Es wird schlimmer, bevor es besser wird

Um seine wachsende Content-Bibliothek zu finanzieren, wendet sich Netflix weiterhin an den Schuldenmarkt. Die folgende Tabelle zeigt die Verpflichtungen, die das Unternehmen im Zusammenhang mit neuem Content eingegangen ist:

Bilanz zum 31.12.2017 Betrag
Kurzfristige Verbindlichkeiten 4,17 Milliarden US-Dollar
Langfristige Verbindlichkeiten für den Content 3,32 Milliarden US-Dollar
Langfristige Finanzverbindlichkeiten 6,50 Milliarden US-Dollar
Content-Verbindlichkeiten gesamt 14 Milliarden US-Dollar

 

DATEN AUS DEN SEC-AKTEN. CHART: AUTOR.

Für die Investoren ist es wichtig, die Logik der Unternehmensstrategie zu verstehen. Die Inhalte von Netflix lassen sich in drei große Kategorien einteilen. Die erste beinhaltet Shows und Filme, die von ihren Besitzern lizenziert sind, wie How to Get Away with Murder und Captain America – Civil War. Dann gibt es Netflix Originals wie House of Cards und Marvel’s Jessica Jones. (Als das Unternehmen mit der Produktion von eigenen Inhalten begann, lizenzierte es das Material). Die dritte Kategorie sind Netflix Originals, die das Unternehmen besitzt und von denen es noch jahrelang profitieren wird, wie Stranger Things, The OA und Bright.

Netflix hat erklärt, dass es für seine eigenen Programme Geld ausgeben muss. Dann vergehen noch zwischen einem und drei Jahre, bevor die Kunden das Programm überhaupt sehen.

Die gute Nachricht

Dann gibt es da noch die gute Nachricht. Netflix hat erklärt, dass es bis 2020 sein Ziel ist, die Hälfte seines Inhalts als Eigenproduktionen vorliegen zu haben, während die andere Hälfte lizenzierte TV-Shows und Filme sein werden. Das bedeutet, dass mehr Geld im Voraus ausgegeben werden muss, aber auch größere finanzielle Vorteile später daraus entstehen werden.

In seinem Aktionärsbrief vom Oktober 2016 erläuterte Netflix, warum man dies für den logischen Weg hält:

“Auf lange Sicht sind wir der Meinung, dass die Eigenproduktion billiger ist, als die Lizenzierung einer Serie oder eines Films, da wir direkt mit der Kreativ-Community zusammenarbeiten und zusätzliche Overheads und Gebühren vermeiden. Darüber hinaus besitzen wir das zugrundeliegende geistige Eigentum, was uns globale Rechte und mehr unternehmerische und kreative Kontrolle verschafft. Zusammen mit dem Erfolg unseres Originalportfolios und den positiven Auswirkungen auf das Mitglieder- und Umsatzwachstum halten wir dies für eine sinnvolle Investition, die langfristig Wert schafft.”

Eigene Inhalte sind auf Abonnentenbasis kostengünstiger, da Netflix diese Programme weltweit für seine wachsende Zahl internationaler Kunden nutzen kann.

In seinem vierten Quartal 2017 enthüllte Netflix, dass populäre Programme wie Stranger Things und Bright eine weltweite Anziehungskraft haben und nannte als Beispiel Dark, eine deutsche Sci-Fi-Serie, die laut dem Unternehmen „von Millionen von Mitgliedern in den USA angesehen wurde und die in ganz Europa und Lateinamerika beliebt ist“. Netflix besitzt Inhalte im Wert von 2,9 Milliarden US-Dollar (Stand Ende 2017).

Es läuft alles nach Plan

Ich habe vorher argumentiert, dass diese Kennzahl nicht in einem Vakuum betrachtet werden sollte. Im vierten Quartal 2017 hat Netflix 8,3 Millionen Abonnenten hinzugewonnen – die höchsten Quartalsgewinne in der Unternehmensgeschichte und ein Plus von 25 % gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz von Netflix stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 33 % und der verwässerte Gewinn pro Aktie stieg im Jahresvergleich um 173 %.

Insgesamt zeigen diese Kennzahlen, dass die Strategie von Netflix funktioniert. Während die Investoren zu Recht weiterhin die Geldverbrennung beobachten werden, sagte Netflix: „Wir erhöhen die operativen Margen und erwarten, dass in Zukunft eine Kombination aus steigenden operativen Gewinnen und weniger Ausgaben für Originalinhalte unser Geschäft FCF positiv beeinflussen wird.”

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