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Asset-Allokation 2018 Der Mehrwert von Smart Beta

Gastautor: Dominik Weiss
23.02.2018, 13:09  |  688   |   |   

Digitalisierung und neue Technologien schreiten in rasendem Tempo voran. In unserer Serie Asset-Allokation 2018 zeigen wir gegenwärtige Wachstumsbranchen und Entwicklungen, die zukünftig wichtig werden. Im dritten Teil geht es um Factor Investing.

Smart Beta gilt aktuell als eine der zukunftsträchtigen Strategien im Anlagemarkt. Dabei verbirgt sich bei genauerem Hinsehen kein echtes Beta hinter der Bezeichnung. Dennoch steckt in ihr großes Potential.Die populärsten Beta-Produkte hatten in den letzten Jahren regen Zulauf. Europäische ETFs verzeichneten allein im letzten Jahr Nettomittelzuflüsse in Höhe von 94,2 Mrd. Euro – gut 23 Mrd. Euro mehr als im Vorjahr. Die Beliebtheit der Index-Fonds ergibt sich aus ihrer Struktur. Sie orientieren sich allein an der Marktkapitalisierung und bilden auf diese Weise das Marktrisiko eins zu eins ab. Mit dem Vorteil, dass sie nicht schlechter als der Markt bzw. ihr zugrunde liegender Index rentieren können. Zugleich entsteht der Nachteil, dass  sie auch nicht besser abschneiden können als der Markt. 

Wegen dieser Abhängigkeit werden die Index-Fonds passiv genannt. „Als passiv kann jeder Ansatz, bezeichnet werden, der sich – wie bei einem klassischen ETF - allein an der Marktkapitalisierung orientiert“, meint Stephan Schrödl, Fondsanalyst bei Research Haus Fondsconsult München. Der Management-Aufwand dieser Strategie ist vergleichsweise gering, daher kosten die Fonds den Anleger weniger Gebühren. 

Konträr verhält es sich mit aktiv gemangten Fonds. Aktives Management geht mit dem Ziel in den Markt, eine Überrendite (positives Alpha) zu generieren. Der Aufwand ist größer und schlägt sich entsprechend in höheren Kosten wieder. 

In diesem strukturellen Unterschied und der daraus resultierenden Risiko-Rendite-Verhältnis hat sich zuletzt eine hitzigen Debatte über die zu präferierende Management-Strategie entsponnen: die Frage, ob aktives oder passives Management erfolgsversprechender ist.

Vermittler zwischen zwei Welten

Factor Investing kann als ein eleganter Mittelweg gesehen werden, denn es vereint beide Ansätze in sich. Was die Marketingabteilungen heute neu anmuten lassen, hat eine lange Geschichte hinter sich. In den sechziger Jahren entwickelten William Sharpe, John Lintner und Jan Mossin das Capital Asset Pricing Model (CAPM), mit dem der Anteil der Marktbewegungen, der passive Anteil, aus der Rendite herausgerechnet werden konnte. Der verbleibende Ertragsanteil wurde als Alpha bezeichnet und dem Fondsmanager gutgeschrieben. In den neunziger Jahren nahm Eugene Fama diesen Ansatz auf. Er begann einen Zusammenhang zwischen einzelnen Aktieneigenschaften wie Momentum, Value, Marktkapitalisierung oder Volatilität herzustellen – das Factor Investing war geboren. 

Da diese Faktoren bzw. Eigenschaften nicht vom Portfoliomanager beeinflusst werden können, spricht man bei Ansätzen, die ein Portfolio anhand bestimmter Eigenschaften der Wertpapiere zusammenstellen, weiterhin von Beta-Strategien. Weil sie versuchen, eine Überrendite zu erzielen, werden sie als Smart Beta bezeichnet.Über eine exakte Einordnung der Methode ins dualisierte Strategieuniversum streiten sich auch heute noch die Experten. Nach Schrödl kann eine Abgrenzung anhand des Manipulationsumfanges bei der Indexabbildung vollzogen werden: „Es bietet sich an, alles was über eine reine Indexabbildung hinausgeht, als Versuch zu sehen, Alpha zu generieren“, so der Analyst. So gesehen handelt es sich bei Smart Beta Produkten im Kern um Alpha Produkte.

Der Mehrwert von Smart Beta

„Smart Beta Fonds werden aktive Manager zunehmend herausfordern“, ist sich Schrödl sicher. Es habe sich gezeigt, dass sich viel von dem Alpha aktiver Fonds mit Faktor-Prämien erklären lasse. Für Anleger stellt sich damit die Frage, welche Faktoren die Erträge in die Höhe schnellen lassen. Wegen der Vielzahl geht schnell der Überblick verloren. „Bislang wurden über 300 Faktoren ausgemacht, durch die sich angeblich ein Mehrertrag generieren lässt“, erläutert Dr. Bernhard Breloer, Produktspezialist bei Robeco. „Es zeigt sich allerdings, dass nur die wenigsten Faktoren einen signifikant höheren Mehrertrag liefern“, schränkt er ein. Nachgewiesen sei ein positiver Einfluss auf die Rendite lediglich für die Faktoren Value, Momentum, Low-Risk/Volatilität sowie Qualität, mit Einschränkungen sei auch Size. 

Allerdings funktionieren nicht alle Faktoren zu jeder Zeit, Faktorprämien sind nicht konstant im Markt vorhanden. Investoren müssen daher nicht allein einen Faktor auswählen, sondern den zur Marktsituation passenden Faktor. 

Timing sei entscheidend, meint Breloer. In der Praxis erweist sich das als große Schwierigkeit: „Ich will nicht sagen, dass es grundsätzlich unmöglich ist, eine Prämie zu timen“, gibt Anlage-Experte Schrödl zu bedenken, „aber es ist sehr, sehr herausfordernd“. Dem pflichtet Breloer bei:  „Ein Timing der unterschiedlichen Faktoren ist kaum möglich. Es gibt kaum ein Jahr, in dem alle Faktor-Strategien gleich gut funktioniert hätten“.  

Doch selbst wenn die richtige Strategie erwischt wird, ist das nicht gleichbedeutend mit einer sicheren Rendite. Wenn viele Investoren zur gleichen Zeit dasselbe Faktor-Exposure aufbauen, können Klumpenrisiken entstehen und die Investoren laufen in eine Faktor-Blase. 

Die Lösung für dieses Dilemma besteht nach Schrödl in einem angemessen ausdauerndem Anlagehorizont: „Um eine Prämie zu kassieren, muss das Exposure über einen kompletten Zyklus aufrechterhalten werden. Nur wer das durchhält, kann eine Prämie am Ende voll ausschöpfen“. Zudem müssten sich die Investoren darüber im Klaren sein, dass ein hohes Exposure unumgänglich sei, um die Faktorprämie zu verdienen. Breloer teilt diese Einschätzung, und setzt beim Faktor Investing aus diesem Grund auf eine Multi-Faktor-Strategie: „Wenn verschiedene Prämien  miteinander kombiniert werden und auf eine klare Faktorausprägung gegenüber der Benchmark geachtet wird, dann zeigt sich über einen längeren Zeitraum, dass ein Mehrwert im Vergleich zum Marktindex erzielt werden kann“.

 

(DW)

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