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Interview DNA des Erfolges - Stadt der Zukunft 2040

01.03.2018, 10:00  |  1445   |   |   

Interview mit Gabriele Volz, Geschäftsführerin von Wealthcap, Tochter der Unicredit, sowie Herausgeberin der Studie "DNA des Erfolges: Stadt der Zukunft 2040", und
Winfried Schwatlo, Professor für Immobilienwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen.



Wealthcap hat gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut in Ihrem Auftrag, Frau Volz, eine Studie zur Stadt der Zukunft herausgegeben. Weit oben im Ranking erscheinen mittelgroße Städte wie Karlsruhe und Freiburg, aber auch Metropolen wie München. Wie muss die Stadt der Zukunft aussehen - und welche schneidet besonders gut ab?

Volz: Um die Stadt der Zukunft 2040 zu ermitteln, wurde für die Studie ein umfänglicher Ansatz gewählt. Es wurde nicht nur eine Facette beleuchtet, der umfängliche Ansatz beruft sich etwa auf die Innovationskraft einer Stadt, aber auch, wie widerstandsfähig sie gegen wirtschaftliche Krisen und Umwelteinflüsse ist. Ein wichtiger Bestandteil der Erhebung ist der "Morgenstadt City Index". Es wurden 30 deutsche Zuzugsstädte auf vier Hauptfaktoren hin untersucht: lebenswerte Stadt, resiliente Stadt, umweltgerechte und innovative Stadt. Für die jeweilige City vergab eine 28-köpfige Forschergruppe Punkte. Insgesamt siegte die Universitätsstadt Karlsruhe. Von den sieben größten deutschen Städten kam allerdings nur eine unter die Top Ten - und das ist München auf Platz zwei.

München steht bekanntermaßen für eine hohe Lebensqualität und anspruchsvolle Jobs. Was brachte denn die bayerische Metropole in die oberen Plätze des Rankings, und wie lautet das Fazit?

Volz: München ist quasi bei allen Bevölkerungsgruppen beliebt. Egal ob Singles, Studenten, Paare und Familien oder auch ältere Menschen, sie alle fühlen sich dort wohl. Wichtig ist den meisten ein qualifizierter Arbeitsplatz sowie eine entsprechende Entlohnung. Gleichzeitig existieren enorme Engpässe im Straßennetz und bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. Zu Stoßzeiten kommt München verkehrstechnisch teilweise zum Erliegen. Für eine solche Stadt geht es bei einem Zukunftsplan etwa um eine Wegeverkürzung zur Arbeit und um eine stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeiten.

Im Top-Ten-Ranking der Zukunftsstädte behauptet sich München als einzige Metropole. Sind die bislang so begehrten Big-7-Großstädte, darunter auch Berlin, Frankfurt am Main und Hamburg eher in einer Abwärtsspirale?

Schwatlo: Durchaus ist ein künftiger, drohender Wettbewerbsnachteil der Top-7-Städte herauslesbar. Die ganz großen Städte könnten unter Umstände zu schwerfällig reagieren, um die rasanten Entwicklungen mitzugehen. Es ist ja auffallend - und das ist zunächst positiv zu sehen -, dass unter den ersten zehn Städten im Ranking überwiegend mittelgroße Wissensstandorte zu finden sind. Allein Karlsruhe hat mit seinen zwölf Hochschulen und Forschungsreinrichtungen eine herausragende Stellung in Baden-Württemberg. Jena, Freiburg und Regensburg haben ebenfalls wissenschaftliche Universitäten. Die Standorte stehen für hohe Ansprüche an Innovation und Umweltschutz. Der elektronische Personalausweis wurde übrigens hauptsächlich in Karlsruhe entwickelt.

Volz: Die Studie berücksichtigt auch die Veränderung unserer Städte. Dort wird das produzierende Gewerbe immer mehr an Bedeutung verlieren. Büros sind das Thema beim Gewerbe. Innovationen aller Arten, die nur an Wissensstandorten zu realisieren sind, bedeuten, Städte zukunftsfähig zu machen. Innovation gelingt dann besonders gut, wenn der Druck hoch ist. Deutschland geht es vielerorts noch zu gut, es besteht gerade in unseren Metropolen die Gefahr, die Entwicklung zu verschlafen. Karlsruhe und München zeigen bereits Vorbildcharakter.

Nun fließt ein Großteil der Bundes- und Landesmittel sehr häufig in die Landeshauptstädte, oder auch in Städte, die ohnehin schon als innovativ gelten. Gehen andere, kleinere Städte etwa in den neuen Bundesländern oder auch in Landstrichen Niedersachsens da nicht völlig unter?

Volz: Unter den Top-30-Städten des MCI-Index befinden sich auch kleinere Städte wie Braunschweig, Trier oder Halle. Und natürlich gibt es Orte in Deutschland, die mit Abwanderung leben müssen. Wichtig zu wissen ist, dass die Studie nur Zuzugsstädte betrachtet, nur sie sind für uns in diesem Zusammenhang relevant. Der Morgenstadt-Index gibt uns wichtige Anhaltspunkte, welche Städte gut auf die Zukunft vorbereitet sind und welche noch Nachholbedarf haben. Insofern nimmt das dann schon zumindest Einfluss auf Investitionsentscheidungen.

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