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Venezuela Wieder einmal ist der Sozialismus gescheitert*

Gastautor: Rainer Zitelmann
28.02.2018, 22:03  |  3316   |   |   

Noch vor wenigen Jahren jubelten die Linken in Deutschland und auf der ganzen Welt Hugo Chávez zu, priesen den "Sozialismus im 21. Jahrhundert" und das "alternative Wirtschaftsmodell Venezuelas". Jetzt schweigen sie betreten.

War Venezuela zu Beginn des 20. Jahrhunderts eines der ärmsten Länder in Lateinamerika, so hatte es bis Ende der 60er-Jahre eine erstaunliche Entwicklung genommen. 1970 war es das reichste Land Lateinamerikas und eines der 20 reichsten Länder der Welt. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf war sogar höher als das von Spanien, Griechenland oder Israel und nur 13 Prozent niedriger als das von Großbritannien.

Der Abschwung des südamerikanischen Landes begann in den 70er-Jahren. Einer der Gründe für die Probleme ist die starke Abhängigkeit vom Erdöl. Es kamen weitere Ursachen hinzu, insbesondere ein ungewöhnlich hoher Grad an staatlicher Regulierung des Arbeitsmarktes, die seit 1974 durch immer neue Vorschriften erhöht wurde. In kaum einem anderen Land Lateinamerikas (und weltweit) war der Arbeitsmarkt mit einem so engmaschigen Netz von Regulierungen überzogen. Während die Unternehmen 1972 noch das Äquivalent von 5,35 Monatslöhnen für die Lohnnebenkosten zahlen mussten, hatte sich diese Rate bis 1992 auf 8,98 Monatslöhne massiv erhöht.

Chávez - Hoffnungsträger der Linken auf der ganzen Welt
Viele Menschen in Venezuela hofften, der charismatische Sozialist Hugo Chávez würde die Probleme des Landes - Korruption, Armut, wirtschaftlicher Niedergang - lösen. Chávez hatte bereits 1992 versucht, mit einem Putsch die Macht an sich zu reißen, war jedoch gescheitert. 1998 wurde er zum Präsidenten gewählt, und 1999 rief er die "Bolivarische Republik Venezuela" aus. Chávez war nicht nur Hoffnungsträger für viele arme Menschen in Venezuela, sondern er entfesselte die Utopiesehnsüchte der Linken in Europa und Nordamerika mit der Parole vom "Sozialismus des 21. Jahrhunderts".

Nachdem Ende der 80er-Jahre der Sozialismus in der Sowjetunion und den Ostblockstaaten zusammengebrochen war und sich die Chinesen auf den Weg vom Sozialismus zum Kapitalismus begeben hatten, fehlte der Linken das Utopia, von dem sie träumen konnten. Nordkorea und Kuba als einzig verbliebene kommunistische Staaten eigneten sich dafür nicht so gut. Hugo Chávez füllte diese Lücke. Der europapolitische Sprecher der Linkspartei im Deutschen Bundestag schwärmte: "Was Chávez macht, ist auch der Weg, in Deutschland die ökonomischen Probleme zu lösen" und die Vorsitzende der Linken, Sarah Wagenknecht, pries ihn als "großen Präsidenten", der mit seinem ganzen Leben für den "Kampf um Gerechtigkeit und Würde" stand. Chávez habe bewiesen, dass "ein anderes Wirtschaftsmodell möglich sei".

Auch in den USA hatte Chávez unter den Linksintellektuellen viele Bewunderer. Einer ihrer prominentesten Köpfe, der 2016 verstorbene Tom Hayden, erklärte: "Ich sage voraus, dass der Name von Hugo Chávez von Millionen verehrt werden wird, je mehr Zeit vergeht." Ein anderer tonangebener Linksintellektueller, der Princeton-Professor Cornell West, bekannte: "Ich liebe es, dass Hugo Chávez die Armut zur obersten Priorität gemacht hat. Ich wünschte mir, Amerika würde die Armut zur Priorität machen." Und die bekannte amerikanische Journalistin Barbara Walters schwärmte: "Er kümmert sich so sehr um die Armut, er ist ein Sozialist. Was er getan hat für ganz Lateinamerika, was sie über Jahre versucht haben, ist die Armut zu beseitigen. Er ist nicht der Verrückte, wie man uns erzählt hat […] Er ist ein sehr intelligenter Mann."

Das große sozialistische Experiment
Das sozialistische Experiment von Chávez begann vielversprechend. Möglich war dies, weil Venezuela die größten Erdölvorkommen der Welt hat und in der Regierungszeit von Chávez die Ölpreise geradezu explodierten. Damit sprudelte so viel Geld in die Staatskasse, dass sie bestens gefüllt war für das große sozialistische Experiment. Enden sollte der Großversuch mit dem "Sozialismus im 21. Jahrhundert" jedoch in einem wirtschaftlichen Desaster, in Hyperinflation, Hunger und Diktatur.

Chávez erklärte anfangs, er wolle das Privateigentum respektieren und niemals "irgendetwas von irgendjemandem enteignen". Vor der Wahl stellte er sich überraschenderweise als Freund ausländischer Investoren sowie ganz generell westlicher Werte dar. Damals war der britische Sozialdemokrat Tony Blair international populär. Chávez erklärte sich selbst zum "Tony Blair der Karibik". Zugleich kritisierte er den "neo-liberalen Kapitalismus" und pries Kubas System als "Meer des Glücks".

Die Erdölindustrie, Venezuelas mit großem Abstand wichtigste Einnahmequelle, war bereits 1976 verstaatlicht worden. Damals wurde die Gesellschaft PDVSA gegründet, die heute über 140.000 Mitarbeiter hat. Es handelt sich um ein Staatsunternehmen, das jedoch in den 90er-Jahren eng mit privaten ausländischen Firmen kooperierte. Dies hatte sich als erfolgreiches Modell erwiesen und dazu geführt, dass die Ölproduktion auf über drei Millionen Barrel gesteigert werden konnte. Das Staatsunternehmen PDVSA wurde ähnlich wie eine auf Gewinnerzielung gerichtete private Firma geführt und galt als eine der am besten gemanagten Ölfirmen der Welt.

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Kommentare

Zitat von Sindimindi: Eines steht allerdings fest: sozialistische Regime sind nicht effizient.


Das ist mir zu pauschal und auch nicht richtig.

Venezuela ist KEIN klassisches sozialistisches Land.

Es gibt dort, neben verstaatlichten Firmen, riesige Privatvermoegen, private Unternehmen, eine Opposition (wesentlich einflussreicher als z.B. in Deutschland) mit eigenen Medien (wesentlich freier und vielfaeltiger als z.B. in Deutschland) und freie Wahlen.

Insgesamt ist Venezuela wohl weniger sozialistisch als China und China ist in vielerlei Hinsicht SEHR effizient.
Etwas zu einseitig, wenn auch nicht falsch. Chavez hat wirtschaftspolitisch versagt, weil er eben nur auf die Ölindustrie gesetzt hat. Diversifizierung und Aufbau alternativer Industrien kamen ihm nicht in den Sinn.Die Saudis hatten ja ein ähnliches Problem - haben es aber wesentlich besser gelöst.Dazu kam natürlich - siehe voriger Beitrag - dass die westliche Ölindustrie Chavez und sein sozialistisches Land massiv boykottiert und behindert hat.Das hat die Gesamtlage in Venezuela noch mehr verschlechtert.Eines steht allerdings fest: sozialistische Regime sind nicht effizient.
Da gibt es noch eine andere Seite der Geschichte, die hier VOELLIG fehlt. Hierzu zur Lektuere ein Beitrag von der Seite des leider vor kurzem verstorbenen Robert Parry, dem besten Journalisten Amerikas.

Economic War
Destroying the Venezuelan economy has been an ongoing campaign by the US and oligarchs ...

Several signals point to a possible military strike on Venezuela, with high-ranking officials and influential politicians making clear that it is a distinct possibility...

Speaking at his alma mater, the University of Texas, on February 1, Secretary of State Tillerson suggested a potential military coup in in the country. Tillerson then visited allied Latin American countries urging regime change and more economic sanctions on Venezuela. Tillerson is also reportedly considering banning the processing or sale of Venezuelan oil in the United States and is discouraging other countries from buying Venezuelan oil...

For decades the US has been fighting an economic war, “making the economy scream,” in Venezuela. Wealthy Venezuelans have been conducting economic sabotage aided by the US with sanctions and other tactics. This includes hoarding food, supplies and other necessities in warehouses or in Colombia while Venezuelan markets are bare. The scarcity is used to fuel protests, e.g. “The March of the Empty Pots,” a carbon copy of marches in Chile before the September 11, 1973 coup. Economic warfare has escalated through Obama and under Trump, with Tillerson now urging economic sanctions on oil...

Opposition Protests
Another common US regime change tool is supporting opposition protests. The Trump administration renewed regime change operations in Venezuela and the anti-Maduro protests, which began under Obama, grew more violent. The opposition protests included barricades, snipers and murders as well as widespread injuries. When police arrested those using violence, the US claimed Venezuela opposed free speech and protests.

The opposition tried to use the crack down against violence to achieve the U.S. tactic of dividing the military. The U.S. and western media ignored opposition violence and blamed the Venezuelan government instead. Violence became so extreme it looked like the opposition was pushing Venezuela into a Syrian-type civil war. Instead, opposition violence backfired on them...

Funding Opposition
There has been massive U.S. investment in creating opposition to the Venezuelan government. Tens of millions of dollars have been openly spent through USAID, the National Endowment for Democracy and other related US regime change agencies. It is unknown how much the CIA has spent from its secret budget, but the CIA has also been involved in Venezuela. Current CIA director, Mike Pompeo, said he is “hopeful there can be a transition in Venezuela.”

The United States has also educated leaders of opposition movements, e.g. Leopoldo López was educated at private schools in the US, including the CIA-associated Kenyon College. He was groomed at the Harvard Kennedy School of Government and made repeated visits to the regime change agency, the National Republican Institute...

Elections
While the US calls Venezuela a dictatorship, it is in fact a strong democracy with an excellent voting system. Election observers monitor every election...

In 2016, the economic crisis led to the opposition winning a majority in the National Assembly. One of their first acts was to pass an amnesty law. The law described 17 years of crimes including violent felonies and terrorism committed by the opposition. It was an admission of crimes back to the 2002 coup and through 2016. The law demonstrated violent treason against Venezuela. One month later, the Supreme Court of Venezuela ruled the amnesty law was unconstitutional. U.S. media, regime change advocates and anti-Venezuela human rights groups attacked the Supreme Court decision, showing their alliance with the admitted criminals...

Now, the United States says it will not recognize the presidential election and urges a military coup. For two years, the opposition demanded presidential elections, but now it is unclear whether they will participate. They know they are unpopular and Maduro is likely to be re-elected.


https://consortiumnews.com/2018/02/14/regime-change-fails-is…
Das Problem des Sozialismus ist, dass auch da irgendwer arbeiten muss. Ich sage nicht, dass gar keiner arbeitet, aber viele machen nur das nötigste und zwacken außerdem Ressourcen ab. Dazu sinnlose Bürokratie, Parteiideologie, Vetternwirtschaft, Korruption usw.

Ich glaube nicht, dass die Menschen geistig in der Lage sind, sich im Sozialismus fair zu verhalten. Letztenendes wird er immer zu einer Art Parteimonarchie mit einem großen Führer an der Spitze.

Es wird aber bald alles anders werden und diesmal ist das wirklich der Fall. Durch Industrie 4.0 wird schrittweise die Arbeit durch Menschen und damit die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen verschwinden. Der Kapitalismus ist dann tot. Für Arbeit werden Menschen nicht mehr gebraucht, ein Einkommen haben sie aber auch nicht mehr.

Es gibt dann 2 Abzweige:

a) Kommunismus - alle sind gleich und werden von den Robotern versorgt
b) eine kleine Clique (Superreiche) löscht den nun "unnützen" Rest der Menschheit aus

Was wird wohl Dr. Z wählen?

Disclaimer

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