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Strafzölle für Europas Autobauer Lässt Trump Europas Autoindustrie ausbluten?

05.03.2018, 14:09  |  23271   |   |   

US-Präsident Trump droht europäischen Autobauern mit Strafzöllen. Zuvor hatte er bereits Importzölle auf Stahl und Aluminium angekündigt, worauf die EU und China mit Gegenmaßnahmen gedroht hatten. Stehen wir vor einem neuen kalten Krieg?

US-Präsident Trump hat am Wochenende mit Einfuhrzöllen für importierte europäische Autos gedroht, so die New York Times. Die jüngste Drohung ist Teil einer fortgeschrittenen Handelsfehde zwischen den USA und der EU sowie China. Aber der Reihe nach. In der letzten Woche kündigte Donald Trump Strafzölle für ausländische Stahl- und Aluminiumimporte an. Darauf reagierte die EU-Kommission: man werde Strafzölle für amerikanische Produkte wie Bourbon-Whiskey, Harley-Davidson Motorräder oder Blue-Jeans einführen. Auch China werde bei US-Strafzöllen Gegenmaßnahmen ergreifen, so der chinesische Vizeaußenminister Zhang Yesui: "China will keinen Handelskrieg mit den USA, aber wir werden definitiv nicht tatenlos zusehen, wie Chinas Interessen Schaden nehmen". Daraufhin brachte Trump die besagten Strafzölle für Autos ins Spiel.

Auf Twitter schrieb Trump: „Falls die EU ihre bereits massiven Zölle und Handelsbarrieren gegen US-Unternehmen, die dort Geschäfte machen, weiter erhöhen, werden wir einfach eine Steuer auf ihre Autos erheben, die ungehindert in die USA strömen. Sie machen es unmöglich, dort unsere Autos (und mehr) zu verkaufen. Großes Handelsungleichgewicht!“

Die USA sind der größte Markt für den Export von Autos aus der EU:


Quelle: ACEA

Am gesamten amerikanischen Automobilmarkt haben europäische Autohersteller jedoch nur einen geringen Anteil. General Motors hat im Januar 2018 über 198.000 Autos verkauft. BMW, Daimler und VW haben im gleichen Zeitraum zusammen nur rund 89.000 Autos verkauf. Selbst Toyota, Nissan und Hyundai liegen deutlich vor den deutschen Autobauern. 

Statistic: Car sales in the United States between January 2017 and 2018, by manufacturer (in units) | Statista
Find more statistics at Statista

Die Bild schreibt zur Trumps Drohungen gegen Europas Autobauer:
„Es ist erschreckend, was Trump in der Handelspolitik treibt. Er scheint bei Wirtschaftsfragen noch ahnungsloser als gedacht. Oder er ist einfach skrupellos, Arbeitsplätze in den USA und andernorts für seinen Schaukampf zu gefährden. Das ist bitter für langjährige Partner der USA wie Deutschland.“

Auch aus der Wirtschaft kam Kritik an Trumps geplanten Strafzöllen, so das Handelsblatt. Auf Twitter schrieb Siemens-Chef Joe Kaeser am vergangenen Freitag: „Nach einer großartigen Steuerreform, um neue Jobs zu schaffen, ein lausiger Ansatz zu fairem Handel. Nicht gut für Kunden, nicht gut für Jobs. Nicht gut für eine freie Welt.“ 

Sollten die Einfuhrzöllen für importierte europäische Autos tatsächlich umgesetzt werden, wären vor allem deutsche Autobauer betroffen, so das Handelsblatt. Für BMW, Volkswagen und Daimler ist der US-Markt von Bedeutung, wobei China 2017 der einzige Wachstumsmarkt für deutsche Autobauer war. Laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) haben deutsche Automobilunternehmen 2017 in den USA mehr als 1,35 Millionen Neuwagen verkauft. Allerdings produzieren deutsche Autobauer auch in den USA selbst. Deshalb sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer gegenüber der Frankfurter Rundschau: Trumps Drohungen gegen die europäische Autoindustrie wirken „sehr emotional, wenig durchdacht“. Die Auswirkungen auf die deutsche Autoindustrie seien eher begrenzt, so Dudenhöffer.

Die Aktionäre reagierten gelassen auf Trumps Drohung: VW, Daimler und und BMW liegen aktuell leicht im Minus (Stand: 05.03.2018, 12:10 Uhr).

Volkswagen

Trump legte unterdessen nach. In einer Twitter-Nachricht vom Sonntagnachmittag schreibt er:
„Wir stehen bei fast allen Handelsgeschäften auf der Verliererseite. Unsere Freunde und Feinde haben uns für viele Jahre ausgenutzt. Unsere Stahl- und Aluminiumindustrie ist tot. Sorry, es ist Zeit für Veränderung. MACHT AMERIKA WIEDER GROßARTIG“.

Noch im Januar hatte VW groß eine Nordamerika-Offensive angekündigt: Bis 2020 will der deutsche Autobauer über 3,3 Milliarden US-Dollar in den US-Markt investieren, so Spiegel Online.

Quellen:
Bild: „Trump droht Europas Autobauern“
Frankfurter Rundschau: „Trump droht mit Strafzöllen auf Autos“
New York Times: „Escalating Trade Fight, Trump Threatens Higher Taxes on European Cars“
Handelsblatt: „Siemens-Chef Joe Kaeser findet Trumps Strafzölle lausig“
twitter.com/realDonaldTrump
Handelblatt: "China droht USA mit Konsequenzen"
Spiegel Online: "VW plant Comeback mit neuem Jetta

 

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Kommentare

Wie soll das denn auch funktioieren?
Mit dem generalbevollmächtigtem Goldmann-Draghi an der EZB-Spitze wird €-Politik nach US-Vorgabe betrieben!!
EU-Volksverrat auf höchster Ebene.
Für Trump hat doch der Handelskrieg längst begonnen.
Erst ausspionieren führender Wirtschaftsunternehmen und Politiker
Dann die völlig überhöhten Strafzahlungen von Dt Bank, VW und anderen in den USA.

Im Gegenzug zahlen einige Top- US-unternehmen in Europa nichteinmal Steuern.
Wie kommt denn wohl Apple auf einen Cash- Berg von fast einer Billion ?
und Google, Amazon, Facebook.... ?

Hoffentlich erwacht Europa bald aus seinem Tiefschlaf
Wie soll das denn der Dummtrump nun schaffen?

Die USA sind doch schon längst im Rückwärtsgang, was dt. Autoimporte angeht!

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