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Marktkommentar: Dr. Andreas Busch (Bantleon): Makroumfeld für die Finanzmärkte trübt sich ein
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Marktkommentar Dr. Andreas Busch (Bantleon): Makroumfeld für die Finanzmärkte trübt sich ein

Nachrichtenquelle: Asset Standard
06.03.2018, 00:00  |  517   |   |   

Nun macht Donald Trump Ernst – aber auch ohne Handelskrieg zeichnet sich in der Eurozone eine nachlassende Wachstumsdynamik ab.

Nun ist Donald Trump also doch auf dem Weg, einen veritablen Handelskrieg vom Zaun zu brechen. Die angekündigten Zölle würden für sich genommen nur wenig Schaden anrichten Das Problem ist aber die sich abzeichnende Eskalation des Konflikts, die den Konjunkturausblick massiv belasten würde. Die Enttäuschungen bei den Konjunkturindikatoren werden mithin zunehmen, weshalb Aktien unter Druck bleiben und die sicheren Häfen Auftrieb erhalten sollten.

Nun macht Donald Trump also doch Ernst. Hatte er noch im ersten Jahr seiner Amtszeit von gravierenden Sanktionen gegenüber den US-Handelspartnern abgesehen und es stattdessen lediglich bei Verbalattacken belassen, scheint sich der Kurs jetzt zu ändern. Erst wurden im Januar handfeste Schutzzölle auf Waschmaschinen und Solarpanels beschlossen. Am vergangenen Donnerstag gab er dann Strafzölle auf Aluminium und Stahleinfuhren in Höhe von 10% bzw. 25% bekannt.

Für sich genommen hätten beide Massnahmenpakete keine grosse Tragweite. So würden z.B. die angestrebten Einfuhrbeschränkungen bei Stahl und Aluminium die Produktionsmengen ausserhalb der USA um weniger als 1% mindern, was zu verschmerzen wäre. Aus Sicht der USA machen die Importe beider Gütergruppen nur rund 0,2% des Bruttoinlandsprodukts aus. Die im Inland zu erwartenden Preissteigerungen dürften daher kaum einen spürbaren Inflationseffekt erzeugen.

Spätestens am Wochenende ist aber klar geworden, was das eigentliche Problem ist: Die sich anbahnende Eskalation. Auf die prompt erfolgten Stellungnahmen aus Europa, mit Zöllen auf spezielle US-Güter reagieren zu wollen, folgte unmittelbar die Retourkutsche von Trump. In kürzester Zeit gab er via Twitter bekannt, in diesem Fall mit Zöllen auf deutsche Autos zu kontern.

Die Verunsicherung, die von diesem Hochschaukeln ausgeht, ist schon jetzt nicht mehr zu übersehen. Inzwischen werden auch unter US-Unternehmen die Stimmen derjenigen lauter, die vor negativen Begleiterscheinungen der Zölle auf ihre Geschäftstätigkeit warnen. Je länger sich die Eskalationsspirale dreht, umso mehr wird die Unternehmensstimmung davon belastet. Dann fehlt aber nicht mehr viel, bis die Firmen ihre Investitionsprojekte auf den Prüfstand stellen, die derzeit weltweit als Wachstumstreiber fungieren.

Der Konjunkturausblick trübt sich aber nicht nur wegen der Störfeuer aus Washington ein. Selbst wenn sich hier die Wogen in den kommenden Wochen wieder glätten würden, sind die Wachstumsperspektiven inzwischen etwas kritischer zu beurteilen. Vor allem in der Eurozone zeichnet sich eine moderate Verlangsamung des gesamtwirtschaftlichen Expansionstempos ab. Verantwortlich ist dafür unter anderem der nachlassende aussenwirtschaftliche Rückenwind aus China, der im Zuge der dortigen Eindämmung des Schuldenwachstums weiter abebben dürfte. Daneben fungieren die höheren Zinsen mehr und mehr als Bremse. Zwar halten sich die Steigerungen im historischen Vergleich in Grenzen. In einer Welt rekordhoher Schulden dürfte das aber bereits ausreichen, damit die Unternehmen vorsichtiger agieren.

In den kommenden Wochen und Monaten nimmt daher – mit oder ohne Handelskrieg – die Wahrscheinlichkeit für Enttäuschungen bei den Konjunkturdaten weiter zu. Die Economic Suprise-Indikatoren, die diese Entwicklung wiedergeben, befinden sich schon jetzt weltweit in Abwärtstrends und werden entsprechend weiter nach unten drehen. Für die Aktienmärkte sind das ungute Vorgaben: Die in Gang befindliche Korrektur sollte sich ausweiten, Kaufkurse sind noch nicht erreicht. Unter Druck kommen im Zuge der wachsenden Risikoaversion spiegelbildlich auch Unternehmensanleihen, wohingegen hochqualitative Staatsanleihen profitieren dürften.





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