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„Die Robotik-Branche wird weiter wachsen“

Gastautor: Dominik Weiss
07.03.2018, 07:32  |  662   |   |   

Kaum jemand würde Robotics als revolutionären technologischen Wachstumssektor bezeichnen - zu Unrecht. Auf der FondsConsult Investment Konferenz in Berchtesgaden sprach FundResearch mit Stephane Lago, Produktspezialist im Hause AXA IM, über Entwicklung und Potential der Branche sowie des hauseigenen Roboticfonds.

FundResearch: Herr Lago, Roboter und Robotertechnik gibt es nicht erst seit gestern. Warum ist es gerade jetzt eine gute Idee, in Robotik zu investieren?

Stephane Lago: Roboter-Technik ist tatsächlich kein neues Phänomen, schließlich existierten Anwendungen bereits seit den 1970er-Jahren. Damals war das Wachstum innerhalb der Branche jedoch geringer, mit jährlich lediglich 5 Prozent. Seit dem Jahr 2014 ist die Wachstumsrate drastisch angestiegen, und der Trend zu mehr Automatisierung und innovativen neuen Technologien lässt die Nachfrage nach Industrierobotern weiter steigen. Wir gehen davon aus, dass das globale Angebot an Industrierobotern vermutlich bis 2020 jährlich um durchschnittlich 15 Prozent wachsen wird.

FR: Was sind die treibenden Faktoren aus Ihrer Sicht?

SL: Roboter werden immer intelligenter und flexibler. In der Industrie wurden Roboter bislang fast nur im Automobil- und Flugzeugbau eingesetzt. Dank neuer Technologien gibt es jetzt auch erhebliche Wachstumspotenziale in der Lebensmittelverarbeitung, dem Test von Halbleitern und anderen Industriezweigen. So ist der Einsatz von Robotern in der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie im Jahr 2016 um 20 Prozent gestiegen. Und im Elektroniksektor haben die Roboterkäufe 2016 um 41 Prozent zugenommen. Die Entwicklung leistungsstärkerer Sensoren und Mikroprozessoren hat zudem sogenannte Cobots möglich gemacht. 

FR: Cobots?

SL: Das ist die Abkürzung für Collaborative Robots. Dieser neuen Generation von Robotern ist es möglich, Seite an Seite mit menschlichen Angestellten zu arbeiten. Mithilfe von Sensoren – wie sie zum Beispiel das deutsche Roboterunternehmen Kuka herstellt - können sie Menschen in der Umgebung wahrnehmen. So können sie auch bei der Produktion kleiner Elektrogeräte wie Smartphones helfen. Aus unserer Sicht stellen Cobots daher das wachstumsstärkste Segment des Industrieautomatisierungsmarkts dar. Bis 2020 erwarten wir hier ein Wachstum von 50 Prozent.

FR: Woher nehmen Sie diesen Optimismus?

SL: Bisher werden 74 Prozent der Roboter in nur fünf Länder geliefert. Das Potenzial für weiteres Wachstum ist also enorm. Die führenden Länder beim Einsatz von Robotern sind zurzeit Korea, Japan und Deutschland – und wir rechnen damit, dass der Roboterabsatz weiterhin ansteigen wird. Weil die Roboterdichte in China noch unterdurchschnittlich ist, dürfte der Robotereinsatz hier bis 2020 am stärksten wachsen. Seit 2014 wurden jedes Jahr die meisten Roboter in China verkauft, weil chinesische Unternehmen mit steigenden Arbeitskosten zu kämpfen haben. Die chinesischen Behörden werden wohl weiter für ein günstiges politisches und finanzielles Umfeld für Robotik sorgen, auch weil dies der Go-Global-Strategie und dem „Made in China 2015“-Plan entspricht. Um die von China angestrebte Roboterdichte bis 2020 zu erreichen, müssen 600.000 bis 650.000 neue Industrieroboter in China eingesetzt werden. Dies führt dazu, dass China bis 2020 etwa 40 Prozent aller weltweit produzierten Roboter kaufen dürfte.

FR: Und welche Unternehmen dominieren den Markt für Roboter aktuell?

SL: International sind das vier große Namen. Zu ihnen zählt Fanuc. Dieser Roboterhersteller mit großer Präsenz in den USA und Asien hat nach eigenen Angaben bereits über 500.000 Roboter produziert. Seine Marktkapitalisierung lag im Dezember 2017 bei rund 46 Milliarden US-Dollar. Das bereits erwähnte deutsche Unternehmen Kuka gehört ebenfalls dazu. Es ist vor allem in Europa und den USA sehr präsent und gehört seit der Übernahme im Jahr 2016 für 3,9 Milliarden US-Dollar zur chinesischen Midea-Gruppe. ABB ist ein Industriekonzern, dessen wachstumsstärkste Sparte sich auf Robotik konzentriert. Das Unternehmen hat einen Roboter produziert, der Schlagzeilen gemacht hat, weil er so präzise arbeiten soll, dass er ein Orchester dirigieren kann. Der japanische Anbieter Yaskawa schließlich komplettiert den Kreis der führenden Hersteller. Er ist der kleinste der Big Four, in Asien aber stärker vertreten als seine Wettbewerber.

FR: Das Volumen des AXA WF Framlington Robotech ist gut ein Jahr nach seiner Auflage auf über 800 Millionen US-Dollar angewachsen. Wie sieht Ihre Erfolgsstrategie aus?

SL: Wir investieren über alle Unternehmensgrößen hinweg in globale Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial, die in verschiedenen Sektoren wie Industrie, Technologie, Fertigung, Gesundheit und Transport an Robotik- und Automatisierungslösungen arbeiten. Dabei denken wir langfristig und setzen auf Unternehmen, die die gesamte Wertschöpfungskette abdecken. Dazu zählen auch Gerätehersteller, Zulieferer und Softwarehäuser. Dieser Ansatz hat sich bisher in einer starken Performance niedergeschlagen – wir haben den breiten Aktienmarkt outperformt, aber auch ähnliche Fonds von unseren Wettbewerbern.

FR: Auf welche Aktien setzen Sie aktuell besonders?

SL: Industrie-Konzerne machen nach IT-Unternehmen mit einem Drittel unseres Portfolios den größten Anteil aus. Aber auch der Gesundheitssektor ist für uns sehr wichtig. Wir decken hier vor allem zwei Bereiche ab: roboterunterstützte Chirurgie und Datengewinnung zum Wohle der Patienten. Bei ersterem setzen wir vor allem auf die Hersteller von Operationsrobotern, wie zum Beispiel Intuitive Surgical. Dessen Roboter Da Vinci führt der in der Urologie bereits einen Großteil der Operationen aus. Der Chip-Hersteller Dexcom hat derweil einen Diabetes-Chip entwickelt, der als Implantat ständig den Blutzuckerwert überwacht und Patienten frühzeitig vor einem Abfall des Zuckerspiegels warnt. 

FR: Wie schätzen Sie die Aussichten für diese Bereiche im nächsten Jahr ein?

SL: Wir glauben, dass Roboter und Robotik-Technologie in den Bereichen Industrie, Gesundheitswesen, Automobil, Technologie und Logistik noch mehr an Bedeutung gewinnen werden. Die Aussichten für unsere Investitionen sind vor dem Hintergrund des aktuellen makroökonomischen Klimas weiterhin sehr gut.

FR: In Ihrem Portfolio befinden sich auch Positionen wie der Versandhändler Amazon. Wie passt das mit Robotik zusammen?

SL: Es gibt zwei Arten von Unternehmen in unserem Fonds: kleinere, bei denen die Robotik Kern des Geschäfts ist. Und Blue-Chip-Unternehmen, bei denen Robotik bislang nur einen winzigen Teil des Umsatzes ausmacht, für die wir aber starke zukünfige Einnahmen aus diesem Bereich sehen. Dazu zählt zum Beispiel der Versandhändler Amazon. Als er 2012 den Roboterhersteller Kiva Systems für 775 Millionen Dollar übernahm, wurde mithilfe von Robotern Transportarbeiten in den Amazon-Lagern automatisiert. Amazon ist auch deshalb heute führend, weil das Unternehmen die effizienteste Warenlogistik hat. Zwar macht die Robotik keinen direkten Anteil am Amazon-Umsatz aus, aber unserer Meinung nach haben erst die Roboter das Geschäft beflügelt.

 

(DIF)



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