DAX+2,63 % EUR/USD-0,16 % Gold-0,83 % Öl (Brent)+0,09 %

Joe Kaeser reibt sich an Trumps Handelskrieg-Rhetorik: Das könnten für Siemens die Folgen sein

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
11.03.2018, 08:17  |  2250   |   |   

Joe Kaeser schwingt sich immer mehr zu einem Anführer der globalen Industrie auf und gerät so verstärkt in das Blickfeld von Donald Trump. Begibt er sich damit auf ein gefährliches Minenfeld? Was könnte das für Siemens (WKN:723610) und die Aktionäre bedeuten? Lass uns mal ein paar Überlegungen anstellen.

Joe Kaesers Gratwanderung

In Deutschland war Siemens schon immer das Bindeglied zwischen Politik, Forschungslandschaft und Wirtschaft. Seit Siemens aber in weltweiten Rankings oft weit oben steht, wenn es um Nachhaltigkeit, Patente oder die Reputation geht, fühlt man sich auch zu Höherem berufen. Joe Kaeser ist mittlerweile ein international gefragter Gesprächspartner.

Siemens mit festem Hebel folgen [Anzeige]
Ich erwarte, dass der Siemens steigt...
Ich erwarte, dass der Siemens fällt...

Verantwortlich für diese Anzeige ist die Deutsche Bank AG. Die Wertpapierprospekte und Basisinformationsblätter zu diesen Produkten erhalten Sie über www.xmarkets.db.com.

Auch bei dem etwas befremdlichen Dinner im Januar in Davos saß er direkt neben dem US-Präsidenten. Die Presse verlachte ihn als den großen Trump-Huldiger, kritisierte ihn für den unsensiblen Umgang mit dem Thema der Turbinenwerke und stürzte sich auf dessen treffliche Gegenfrage, ob Trump nicht für sein Land arbeite. Es war schon damals glattes Eis. Als ich das live gesehen habe, fragte ich mich spontan: „Was zum Teufel machen die da?“

Wie viele Vertreter aus der Wirtschaft, Politik und Wissenschaft vor ihnen hofften die Manager offenbar, dass es etwas bewirken könnte, wenn sie ihre Sorgen und ihre Verbundenheit mit den USA im persönlichen Gespräch zum Ausdruck bringen. Dabei sollte doch mittlerweile jedem klar sein, dass dieser Präsident nicht zum Guten zu beeinflussen ist. Wenn er sich Sorgen anhört, dann primär um zu verstehen, wo die wunden Punkte sind, in die man Salz streuen könnte.

Die Konfrontation

Trump will der Sturm sein, der mit seiner Macht die Baumwipfel zum Biegen bringt und die Wellen haushoch auftürmen lässt. Auch jetzt wirbelt er wieder mehr als nur Staub auf. Nachdem das Thema Atomkrieg wieder abgeebbt ist und auch eine Iran-Invasion nicht mehr so aktuell ist, geht es nun also um den Handelskrieg. Und wieder regt sich alle Welt auf, während Trump genüsslich auf FOX News die Reaktionen studieren kann.

Joe Kaeser hat anscheinend das Gefühl, dass er nach dem etwas unglücklich verlaufenen Davos-Auftritt etwas gutzumachen hat und versucht Rückgrat zu zeigen. Die Steuerreform sei großartig gewesen, aber diese Pläne mit den Strafzöllen, das sei eine miserable Herangehensweise. Auf FOX und CNN erläuterte er seine Position dann nochmal im Detail und verwies auch auf die Sorgen von vielen Siemens-Kunden in den USA – deren Sorgen seien seine Sorgen.

Nun hat Trump ja sowieso große Probleme mit Deutschland. Diese Handelsbilanzungleichgewichte, die mangelnde Bereitschaft in mehr Kriegsgerät zu investieren und das ständige Nörgeln wegen des zurückgefahrenen amerikanischen Engagements für Umwelt, Armutsbekämpfung und Kultur – das alles kommt im Weißen Haus nicht gut an.

So wie ich die letzten Tweets interpretiere, beabsichtigt er, auch Deutschland mit den geplanten Strafzöllen zu treffen. Dadurch, dass Joe Kaeser sich nun regelmäßig in den Vordergrund rückt, macht er sich möglicherweise zu einem primären Angriffsziel. Viele andere Chefs halten lieber die Klappe und lassen die Politik Politik sein.

Womit Siemens-Aktionäre rechnen müssen

Für Unternehmen, die aus der deutschen Provinz in das große Amerika exportieren, ist es sicherlich klug, jetzt nicht groß aufzumucken. Zu groß ist die Gefahr, dass das manchmal recht willkürlich agierende Regime die Daumenschrauben anzieht. Die Frage für mich ist allerdings, wie es bei Siemens aussieht.

Joe Kaeser glaubt offenbar, dass er es sich leisten kann. Das Gute ist, dass Siemens über die Jahre immer amerikanischer geworden ist. Durch zahlreiche Übernahmen – insbesondere Mentor Graphics und Dresser-Rand – sowie den Ausbau von lokalen Forschungs- und Produktionsstandorten über alle Segmente hinweg ist der Konzern landesweit stark präsent und beschäftigt zwischen Silicon Valley und Washington D.C. Zehntausende Mitarbeiter.

Siemens trägt sogar zur US-Exportbilanz bei. Außerdem betont der Chef immer die hohen Investitionen in die Qualifizierung seiner Mannschaft. Gerade Lokalpolitiker wissen das sicherlich zu schätzen. Insgesamt erscheint der Konzern daher recht gut geschützt. Hilfreich ist auch, dass der Hauptwettbewerber General Electric (WKN:851144) laut Analyst John Inch zu den größten Verlierern eines Handelskriegs zählen würde. GE-Chef John Flannery bläst deshalb ins selbe Horn.

Trotzdem muss Joe Kaeser aufpassen, dass er sich nicht zu sehr in den Politikbetrieb hineinziehen lässt. Ein falsches Wort und er muss sich monatelang mit Kritik von allen Seiten auseinandersetzen, anstatt sich auf die Entwicklung und Umsetzung der Strategie zu konzentrieren. Siemens hat in diesen Monaten anspruchsvolle Aufgaben vor sich, vom aktuellen Börsengang von Healthineers über das Hochfahren der Mindsphere-Cloud-Plattform bis hin zur Schienenverkehrs-Fusion mit Alstom (WKN:A0F7BK).

Außerdem fürchtet das Management, dass die von Trump geförderte geo- und handelspolitische Unsicherheit bei vielen Kunden zur Investitions-Zurückhaltung führen könnte. Als einer der führenden Industriekonzerne wäre Siemens davon natürlich dann doch stark betroffen. Erfreulich zu hören ist diesbezüglich, dass ein jederzeit möglicher Konjunkturrückgang bereits antizipiert wird.

Zusammengefasst

Wenn Joe Kaeser seine herausragende Position in der europäischen Industrielandschaft nutzt, um punktuell zu politischen Entwicklungen konstruktiv Stellung zu nehmen, dann passt das für mich. Schließlich kann es durch erhöhte Glaubwürdigkeit auch gelingen, Partner und Kunden enger an den Konzern zu binden.

Allerdings darf er sich dabei nicht zu sehr aufreiben, denn genauso wie SAP (WKN:716460) derzeit für ihre Innovationsumgebung Leonardo trommelt, muss auch Siemens bei Mindsphere, bei der vollautomatischen Fabrik mit Losgröße 1 und vielen weiteren Themen nun alles geben. Nur dann werden die Aktionäre langfristig mit ihrem Investment glücklich werden.

Seite 1 von 3

The Motley Fool GmbH – Disclaimer für Anlageempfehlungen

Disclaimer für The Motley Fool GmbH Research Publikationen Hinweis: Auf diesen Seiten findest du Rechtshinweise und die Veröffentlichungen gemäß § 34b Abs. 1 WpHG und MAR (Marktmissbrauchsverordnung (EU) Nr. 596/2014) für alle Wertpapieranalysen und Empfehlungen von The Motley Fool GmbH („The Fool“ nachher) bezüglich aller Unternehmen, die gegenwärtig von dieser beobachtet wird.

Diese Seiten wurden zuletzt am 18. Apr 2017 aktualisiert.

Rechtshinweis / Disclaimer Die Anlageempfehlungen von The Fool enthalten ausgewählte Informationen und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Die Analysen stützen sich auf allgemein zugängliche Informationen und Daten („die Information“), die als zuverlässig gelten. The Fool hat die Information jedoch nicht auf ihre Richtigkeit oder Vollständigkeit geprüft und übernimmt für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Information keine Haftung. Etwaige unvollständige oder unrichtige Informationen begründen keine Haftung von The Fool für Schäden gleich welcher Art, und The Fool haftet nicht für indirekte und/oder direkte Schäden und/oder Folgeschäden. Insbesondere übernimmt The Fool keine Haftung für in diesen Analysen enthaltene Aussagen, Planungen oder sonstige Einzelheiten bezüglich der untersuchten Unternehmen, deren verbundener Unternehmen, Strategien, konjunkturelle, Marktund/oder Wettbewerbslage, gesetzlicher Rahmenbedingungen usw. Obwohl die Analysen mit aller Sorgfalt zusammengestellt werden, können Fehler oder Unvollständigkeiten nicht ausgeschlossen werden. The Fool, deren Anteilseigner und Angestellte übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Aussagen, Einschätzungen, Empfehlungen oder Schlüsse, die aus in den Analysen enthaltenen Informationen abgeleitet werden. Sollten wesentliche Angaben unterlassen worden sein, haften The Fool für einfache Fahrlässigkeit. Der Höhe nach ist die Haftung von The Fool auf Ersatz von typischen und vorhersehbaren Schäden begrenzt. Die Anlageempfehlungen stellen weder ein Angebot noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers dar. Es ist möglich, dass Gesellschafter, Geschäftsleitung oder Angestellte von The Fool in verantwortlicher Stellung, z.B. als Mitglied des Aufsichtsrats, in den in Analysen genannten Gesellschaften tätig sind, oder eine Investitionsposition darin haben. Die in Anlageempfehlungen enthaltenen Meinungen können ohne Ankündigung geändert werden. Alle Rechte vorbehalten.

Zusätzliche Informationen für Kunden in den USA Die Anlageempfehlungen sind ein Produkt von The Fool. The Fool ist der Arbeitgeber oder Auftraggeber des jeweiligen Research Analysten, der den Report erstellt hat. Der Research Analyst ist keine mit einem US regulierten Broker-Dealer verbundene Person und unterliegt damit auch nicht der Aufsicht eines US regulierten Broker-Dealer.

Erklärung gemäß § 34b Abs. 1 WpHG und MAR sowie Delegierter Verordnung (EU) Nr. 2016/958 („DelVO“) Bewertung Die Bewertung, die der Anlageempfehlung für das hier analysierte Unternehmen zugrunde liegt, stützt sich auf allgemein anerkannte und weit verbreitete Methoden der fundamentalen Analyse, wie z.B. Discounted Cash Flow (DCF)-Modell, Terminal Multiple Bewertung, Peer-Gruppen-Vergleich, „Sum of the parts“ Modell oder ein ähnliche, häufige und weit verbreitete fundementale Bewertungsmethode.

Das Ergebnis dieser fundamentalen Bewertung wird als Basis der Empfehlung benutzt, obwohl es auch von der Einschätzung des Analysten bezüglich möglichen Industrieveränderungen, alternativen möglichen Zukünfte, Unternehmensstrategienergebnisse, Wettbewerbsdruck, usw. angepasst. Die letztendliche Meinung des Analysten sollte nicht als einzigen Punkt von Modell betrachtet, sondern eher die überlegt am wahrscheinlichsten Ergebniss der vielen möglichen zukünftigen Auswirkungen.

Unabhängig von der verwendeten Bewertungsmethode besteht das Risiko, dass das Investitionsergebnis nicht erreicht wird, z.B. aufgrund unvorhergesehener Veränderungen der Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens, Änderungen des Managements, der Technologie, der konjunkturellen Entwicklung, der Zinsentwicklung, der operativen und/oder Materialkosten, des Wettbewerbsdrucks, des Aufsichtsrechts, des Wechselkurses, der Besteuerung, usw. Bei Anlagen in ausländischen Märkten und Instrumenten gibt es weitere Risiken, etwa aufgrund von Wechselkursänderungen oder Änderungen der politischen und sozialen Bedingungen.

Diese Analyse reflektiert die Meinung des jeweiligen Verfassers zum Zeitpunkt ihrer Erstellung. Eine Änderung der der Bewertung zugrundeliegenden fundamentalen Faktoren kann nachträglich dazu führen, dass die Bewertung nicht mehr zutreffend ist. Ob und in welchem zeitlichen Abstand eine Aktualisierung dieser Ausarbeitung erfolgt, ist vorab nicht festgelegt worden.

Es wurden zusätzliche interne und organisatorische Vorkehrungen zur Prävention oder Behandlung von Interessenkonflikten getroffen.

Die Ergebnisse der Analysen, sowie die Meinungen der Analysten, sind nicht vor der Veröffentlichung zu den analysierten Unternehmen offengelegt.

Alle Preise von Finanzinstrumenten, die in dieser Finanzanalyse angegeben werden, sind Schlusskurse des dem jeweiligen ausgewiesenen Veröffentlichungsdatums vorangegangen Börsenhandelstages, soweit nicht ausdrücklich ein anderer Zeitpunkt genannt wird.

Bedeutung der präsentierten Anlageempfehlungen Anlageempfehlung: Erwartete Entwicklung des Preises des Finanzinstruments bis zum angegebenen Kursziel, nach Meinung des dieses Finanzinstrument betreuenden Analysten.

Kauf: Es wird erwartet, dass der Preis der Aktie in den nächsten 3 bis 5 Jahren mehr als den passenden Index steigen wird. Halten: Es wird erwartet, dass der Preis der Aktie in den nächsten 3 bis 5 Jahren entweder weniger als den passenden Index steigen wird, oder stabil bleiben wird. Verkaufen:Es wird erwartet, dass der Preis der Aktie in den nächsten 3 bis 5 Jahren fallen wird.

Handelsregeln und Offenlegungen von Analysten und Dritten in Verbindung mit der Motley Fool GmbH Wenn ein Analyst von Motley Fool über eine Aktie schreibt, von der er oder sie selbst eine Position besitzt oder davon anderweitig profitiert, dann wird dieser Umstand am Ende eines Artikels oder Berichts erwähnt.

Wir haben Aktienempfehlung in unseren kostenpflichtigen Newslettern und wir legen auch diese Empfehlungen offen, wenn wir darüber auf unserer kostenlos zugänglichen Website schreiben (Fool.de). Um unseren zahlenden Mitgliedern gegenüber fair zu bleiben, legen wir diese Empfehlungen mindestens 30 Tage ab der ersten Veröffentlichung der Empfehlung nicht in unserem kostenlosen Content offen. Nach dieser Frist von 30 Tagen werden wir auch diese Empfehlungen offen legen.

Das amerikanische Mutterunternehmen, The Motley Fool, LLC (kurz als „Fool US“ bezeichnet) kann auch Positionen von den Wertpapieren haben, die in unseren Artikeln erwähnt werden. Da wir kein nicht-öffentliches Wissen bezüglich der Positionen unseres Mutterunternehmens haben, werden die Positionen von Fool US auch nicht in unserem kostenlosen oder Premium-Content veröffentlicht. Fool US hat seine eigene Offenlegungsrichtlinien.

Zusätzlich zu den oben erwähnten Anforderungen unterliegen wir unter zusätzlichen Handelsbeschränkungen und Richtlinien. Diese Beschränkungen verlangen, dass die Angestellten von Motley Fool:

- jede Aktie, die sie besitzen mindestens 10 volle Handelstage besitzen müssen. (Daytrading ist nicht zugelassen – als ob wir das überhaupt wollten!) - nicht im Zeitraum von 2 vollen Handelstagen vor und nachdem sie eine Aktie gekauft oder verkauft haben, über diese Aktie schreiben dürfen. - unsere Compliance-Abteilung informieren müssen, wenn sie eine Aktie kaufen oder verkaufen, egal ob sie darüber geschrieben haben oder nicht.

Wir arbeiten auch mit freiberuflichen Autoren, die:

- jede Aktie, die sie besitzen und über die sie bei Motley Fool schreiben, mindestens 10 volle Handelstage halten müssen. - nicht im Zeitraum von 2 vollen Handelstagen vor und nachdem sie eine Aktie gekauft oder verkauft haben, über diese Aktie schreiben dürfen.


0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel